Los­las­sen, fest­hal­ten

Die Schlös­ser aus Sand Ei­ne Lie­be kehrt zu­rück

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Kino - VON FRED DURAN

Fast hat­te man schon ver­ges­sen, was die ei­gent­li­chen Qua­li­tä­ten des fran­zö­si­schen Ki­nos aus­mach­te. Wie­der ent­deckt man sie in Oli­vier Ja­hans „Die Schlös­ser aus Sand“. Er stellt ein Paar, das kei­nes mehr ist, ins Zen­trum ei­nes me­lan­cho­li­schen Fil­mes über Trau­er, Lie­be und Ver­lust. Élé­o­no­re (Em­ma de Cau­nes) und Sa­mu­el (Yan­nick Re­ni­er) sind schon seit län­ge­rer Zeit ge­trennt, aber als Élé­o­no­res Va­ter stirbt und des­sen Haus ver­kauft wer­den muss, bit­tet sie ih­ren Ex-Freund, sie zu be­glei­ten. Das Haus an der bre­to­ni­schen Küs­te steckt vol­ler Er­in­ne­run­gen nicht nur an den ge­lieb­ten Va­ter, son­dern auch an glück­li­che ge­mein­sa­me Zei­ten, die Élé­o­no­re und Sa­mu­el hier ver­bracht ha­ben.

Für Élé­o­no­re ver­bin­det sich die Trau­er um den Ver­stor­be­nen mit der Trau­er um die ge­schei­ter­te Lie­be. Sa­mu­el möch­te kei­ne nost­al­gi­schen Ge­füh­le auf­kom­men las­sen, schließ­lich lebt er längst in ei­ner neu­en Be­zie­hung und hat sich aus so­li­da­ri­schem Pflicht­ge­fühl auf den Wo­chen­end­trip in die Bre­ta­gne ein­ge­las­sen. Der­weil muss das Haus auf­ge­räumt, die Ter­ras­se er­neu­ert und die per­sön­li­chen Din­ge des Va­ters sor­tiert wer­den, weil die Im­mo­bi­li­en­mak­le­rin (Jean­ne Ro­sa) meh­re­re Be­sich­ti­gungs­ter­mi­ne mit po­ten­zi­el­len Käu­fern aus­ge­macht hat.

Ei­ne Ge­schich­te vom Los­las­sen und Fest­hal­ten er­zählt Ja­han vor der wech­sel­haf­ten Licht­ku­lis­se der Bre­ta­gne. So wie Élé­o­no­re ent­schei­den muss, was sie von den Hin­ter­las­sen­schaf­ten des Va­ters be­hal­ten will und weg­wer­fen muss, sor­tie­ren sich auch in ih­rem ei­ge­nen Kopf all­mäh­lich Er­in­ne­run­gen, Le­bens­we­gent­schei­dun­gen und die Ge­füh­le, die sie noch für Sa­mu­el emp­fin­det.

Ja­han fin­det für die­se emo­tio­na­len Zwi­schen­wel­ten nicht nur stim­mungs­vol­le Land­schafts­auf­nah­men, son­dern auch im­mer wie­der poe­sie­vol­le Off-Kom­men­ta­re. Em­ma de Cau­nes und Yan­nick Re­ni­er ma­chen durch ihr un­auf­dring­li­ches Spiel die wi­der­sprüch­li­chen Ge­füh­le der Fi­gu­ren zu­gäng­lich, aber es ist vor al­lem die fa­bel­haf­te Jean­ne Ro­sa, die in der Rol­le der al­lein­ste­hen­den Im­mo­bi­li­en­mak­le­rin Hu­mor und Tie­fe mit­ein­an­der ver­bin­det und den Film aus der blo­ßen Pär­chen­dy­na­mik her­aus­führt. **** O Film­start in Augs­burg, Ulm

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