„Ich will Welt­meis­te­rin wer­den“

Schach Kurz vor ih­rem 15. Ge­burts­tag hol­te sich Jana Schnei­der den deut­schen Ti­tel bei den Frau­en. Die Frän­kin trai­niert je­den Tag und setzt sich gro­ße Zie­le

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport - VON LU­KAS WILL

Eu­ßen­heim

„Ir­gend­wann will ich mal Welt­meis­te­rin wer­den“, sagt Schach­spie­le­rin Jana Schnei­der. Die­ses hoch­ge­steck­te Ziel ist der 15-Jäh­ri­gen durch­aus zu­zu­trau­en: An­fang April setz­te sich die da noch 14-jäh­ri­ge Eu­ßen­hei­me­rin (Lkr. Main-Spes­sart) bei der deut­schen Schach-Meis­ter­schaft der Frau­en im ober­baye­ri­schen Bad Wies­see ge­gen 21 Kon­tra­hen­tin­nen durch. Da­mit ist Jana Schnei­der die bis­her zweit­jüngs­te deut­sche Meis­te­rin. Ih­re Fas­zi­na­ti­on für das Spiel wird nie schwin­den, ist sie über­zeugt.

Jana Schnei­der kann auch ei­ni­ge Ta­ge nach ih­rem bis da­to größ­ten Er­folg kaum glau­ben, was ihr kürz­lich ge­lun­gen ist. „Ich weiß gar nicht, wie lan­ge es dau­ert, bis man so was rea­li­siert“, meint sie und ih­re Au­gen strah­len.

Das Tur­nier dau­er­te über ei­ne Wo­che, pro Tag war ei­ne der neun Par­ti­en je Spie­ler zu be­strei­ten. Mehr sei auf die­sem Ni­veau auch kaum zu schaf­fen, er­klärt die Meis­te­rin. „Ein Spiel kann auch mal sechs St­un­den dau­ern. Das ist rich­tig an­stren­gend, so­wohl men­tal als auch kör­per­lich.“Des­halb ist die Vor­be­rei­tung wich­tig. Un­ter der Wo­che ver­sucht sie, je­den Tag min­des­tens ei­ne St­un­de zu trai­nie­ren, spielt Stel­lun­gen aus Bü­chern und von Tur­nie­ren nach. An Spiel­pra­xis man­gelt es oh­ne­hin nicht: „Es ist schon sel­ten ge­wor­den, dass ich mal ein Wo­che­n­en­de da­heim bin.“Ne­ben den vie­len Ein­zel­tur­nie­ren star­tet sie näm­lich für ih­ren Hei­mat­ver­ein, die SpVgg Stet­ten 1946, in der Re­gio­nal­li­ga und in der Frau­en­Bun­des­li­ga zu­dem für den SC Bad Kö­nigs­ho­fen.

Ein­tö­nig oder gar lang­wei­lig emp­fin­det sie das vie­le Schach in ih­rem Le­ben je­doch nie – im Ge­gen­teil. „Je­de Par­tie ist an­ders, man spielt nie ei­ne dop­pelt“, sagt sie mit Be­geis­te­rung. Durch die Tur­nie­re war sie au­ßer­dem schon viel auf Rei­sen, zum Bei­spiel in Prag, Bra­si­li­en oder den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten. „Ich kann mir gar kein Le­ben oh­ne Schach vor­stel­len“, meint die 15-Jäh­ri­ge.

Zu­rück in der Hei­mat wur­de die frisch­ge­ba­cke­ne deut­sche Meis­te­rin über­rascht: Die Spiel­ver­ei­ni­gung Stet­ten ließ bei ih­rer An­kunft ein Feu­er­werk stei­gen. Ei­nes der gro­ßen Trans­pa­ren­te, die die ju­beln­den Ver­eins­mit­glie­der ih­rem Vor­zei­ge­ta­lent ent­ge­gen­streck­ten, ziert nun das Wohn­zim­mer der Fa­mi­lie Schnei­der. Auch Schach-Bun­des­trai­ner Do­ri­an Ro­go­zen­co zeigt sich an­ge­tan von Jana Schnei­ders Leis­tung: „Sie hat das Tur­nier sehr über­zeu­gend ge­won­nen – und das, ob­wohl Na­tio­nal­spie­le­rin­nen teil­ge­nom­men ha­ben.“Ihn freue es sehr, solch ei­nen ta­len­tier­ten Nach­wuchs im Ka­der zu ha­ben. Ob es für Jana Schnei­der bald für ei­nen fes­ten Platz in der Na­tio­nal­mann­schaft reicht, muss sich je­doch erst noch zei­gen, sagt der Bun­des­trai­ner. „Da müs­sen wir ab­war­ten, ob sie ih­re Er­fol­ge wei­ter­ent­wi­ckeln kann.“

In ih­rer im­mer­hin sie­ben Jah­re lan­gen Schach-Kar­rie­re hat Jana Schnei­der, die un­ter an­de­rem von Groß­meis­ter Micha­el Prusikin trai­niert wird, schon ei­ne Men­ge Ti­tel vor­zu­wei­sen. Ihr Va­ter, der ihr mit vier Jah­ren das Spiel bei­brach­te, hat ih­re Er­fol­ge auf­ge­lis­tet. Ei­ne gan­zes DIN-A4-Blatt Platz hat er da­für ge­braucht – von drei deut­schen Meis­ter­ti­teln der Mäd­chen über zwei ge­won­ne­ne EU-Meis­ter­schaf­ten in ih­rer Al­ters­klas­se bis hin zu ei­ner (ver­lo­re­nen) Par­tie ge­gen den am­tie­ren­den Welt­meis­ter Magnus Carl­sen. En­de ver­gan­ge­nen Jah­res stand Jana Schnei­der gar ei­nen Mo­nat lang auf Welt­rang­lis­ten­platz eins in der Al­ters­klas­se U 14 der Frau­en.

Wie er­folg­reich die jun­ge Schach­spie­le­rin Ti­tel ein­heimst, ist auch in ih­rem Zim­mer im El­tern­haus zu be­stau­nen. Ei­ne gro­ße Glas­vi­tri­ne vol­ler Po­ka­le steht da an der Wand. „Das sind be­stimmt über 100 Stück. Jetzt ist die Vi­tri­ne fast voll“, sagt Jana Schnei­der lä­chelnd und auch ein biss­chen be­sorgt ob des Platz­pro­blems.

Für den rie­si­gen Po­kal, den sie von der deut­schen Meis­ter­schaft mit­ge­bracht hat und der gut 50 Zen­ti­me­ter hoch ist, muss sie erst noch ei­nen ge­eig­ne­ten Ort fin­den. „Viel­leicht wer­de ich ei­ne ei­ge­ne Vi­tri­ne für den an­schaf­fen“, meint sie. Wenn das jun­ge Ta­lent so wei­ter­macht, müs­sen ih­re El­tern wohl bald an­bau­en.

Fo­to: dpa

Jana Schnei­der gilt als gro­ßes Ta­lent am Schach­brett.

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