Re­fe­rent Wurm fehlt aus ei­nem gu­ten Grund

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg -

Oh­ne Ord­nungs­re­fe­rent Dirk Wurm ging am Don­ners­tag die Stadt­rats­sit­zung über die Büh­ne. Wurm war ent­schul­digt, aus ei­nem gu­ten Grund: Er heißt Finn Wurm. Der SPD-Mann ist zum drit­ten Mal Va­ter ge­wor­den, es ist der drit­te Sohn im Hau­se Wurm. Die Struk­tu­ren ei­ner Par­tei mit ih­ren Ve­räs­te­lun­gen er­schlie­ßen sich Au­ßen­ste­hen­den nicht auf den ers­ten Blick. Dies gilt spe­zi­ell für die Augs­bur­ger CSU. Es geht um die Rol­le der Kreis­vor­sit­zen­den. Der ei­ne, es ist Andre­as Jä­ckel, hat bes­te Chan­cen, ab Herbst 2018 im Land­tag zu sit­zen. Der an­de­re, es ist Leo Dietz, muss der­zeit be­fürch­ten, dass er sei­ne Po­si­ti­on bald ver­liert. Iris St­ei­ner will ihn ab­lö­sen. Die Mo­ti­va­ti­on liegt auf der Hand: Ein Kreis­vor­sit­zen­der zählt zu den ein­fluss­rei­chen Per­so­nen in der CSU. Man kann sa­gen, er ge­hört zu den Strip­pen­zie­hern. Wer ei­nen Kreis­ver­band führt, kann nicht nur an der ei­ge­nen po­li­ti­schen Kar­rie­re bas­teln. Er ge­hört zu den­je­ni­gen Füh­rungs­kräf­ten, die über an­de­re am­bi­tio­nier­te Par­tei­freun­de zu ent­schei­den ha­ben.

Dass Leo Dietz, der seit dem Jahr 2015 den Kreis­ver­band West führt, nach zwei­jäh­ri­ger Amts­zeit be­reits ei­ne Her­aus­for­de­rin er­hält, hat nicht un­be­dingt mit Sach­fra­gen zu tun. Wei­t­aus ent­schei­den­der sind Per­so­na­li­en, über die ein Kreis­chef mit­zu­ent­schei­den hat. Des­halb ist die Po­si­ti­on ge­ra­de jetzt in­ter­es­sant ge­wor­den. Der Blick geht schon heute in Rich­tung Kom­mu­nal­wahl, die im Früh­jahr 2020 an­steht. Das ist noch lan­ge hin, sa­gen Au­ßen­ste­hen­de. Par­tei­in­tern wer­den weit vor­her wich­ti­ge Wei­chen­stel­lun­gen ge­re­gelt. Es geht um die Auf­stel­lung der 60 Stadt­rats­kan­di­da­ten, die 2020 an­tre­ten wol­len. Der Zeit­plan sieht vor, dass wohl An­fang 2019 die Na­men und Rei­hung der Kan­di­da­ten fest­ge­legt wird. Es ist ein The­ma, bei dem sehr viel Por­zel­lan zer­schla­gen wer­den kann. Ein gu­ter Platz auf der Stadt­rats­lis­te er­höht die Chan­cen ei­nes Be­wer­bers. Um ein ei­ni­ger­ma­ßen ge­rech­tes Aus­wahl­ver­fah­ren zu er­mög­li­chen, gibt es ei­nen klei­nen Kreis von vier Per­so­nen, die sich in die­ser Fra­ge ab­stim­men. Da­bei sind der Augs­bur­ger Par­tei­chef, der Vor­sit­zen­de der Stadt­rats­frak­ti­on und eben die bei­den Kreis­vor­sit­zen­den. Jo­han­nes Hin­ters­ber­ger als Vor­sit­zen­der der Augs­bur­ger CSU ist mit von der Par­tie, eben­so der am­tie­ren­de Frak­ti­ons­chef Bernd Kränz­le, Kreis­chef Jä­ckel, des­sen Po­si­ti­on un­um­strit­ten ist, und eben ein Mann oder ei­ne Frau aus dem Wes­ten. Da der Kreis­ver­band West in zwei La­ger ge­spal­ten ist, wird die Ent­schei­dung über den Vor­sitz zu ei­ner hoch­bri­san­ten An­ge­le­gen­heit. Ver­ein­fach ge­sagt: Es gibt das La­ger, das Dietz un­ter­stützt. Und es gibt die Geg­ner von Dietz. 2015 ge­wann Dietz die Wahl ge­gen sei­nen Stadt­rats­kol­le­gen Thors­ten Gro­ße mit 38:32-Stim­men. Der­zeit wer­den in den CSU-Orts­ver­bän­den die De­le­gier­ten be­stimmt, die dann über den Kreis­chef zu ent­schei­den ha­ben. In der Par­tei gilt die Ein­schät­zung, dass das Kräf­te­ver­hält­nis der Diet­zF­reun­de und Dietz-Geg­ner sich die Waa­ge hal­ten könn­te. Es wer­de ein en­ges Ren­nen, heißt es. Wür­de Dietz ver­lie­ren, wä­re sein Stern wie­der am Sin­ken. Der Gas­tro­nom galt zu­letzt als mög­li­cher Kan­di­dat auf ei­ne Di­rekt­kan­di­da­tur für den Land­tag.

Für die Wahl 2018 muss Dietz sei­ne Hoff­nun­gen be­gra­ben. Staats­se­kre­tär Jo­han­nes Hin­ters­ber­ger, der den Stimm­kreis Augs­burg-West im Land­tag ver­tritt, will wei­ter­ma­chen. An ihm kommt Dietz nicht vor­bei. Und im Stimm­kreis Augs­burg-Ost, den der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Bernd Kränz­le ver­tritt, gibt es ei­ne Rocha­de. Kränz­le macht 2018 den Platz frei. Den Zu­griff hat der Kreis­vor­sit­zen­de Jä­ckel, der von Kränz­le und Hin­ters­ber­ger be­reits die Rü­cken­de­ckung er­hal­ten hat.

Dietz kann es sich da­her nicht er­lau­ben, den Kol­le­gen im Os­ten her­aus­zu­for­dern. In der CSU gibt es ei­ne kla­re Re­ge­lung, die nicht of­fi­zi­ell aus­ge­wie­sen wer­den muss. Aber je­der weiß es: Wenn in ei­nem Stimm­kreis für die Land­tags­wahl ein Kan­di­dat ge­sucht wird, hat der je­wei­li­ge Kreis­vor­sit­zen­de ein gro­ßes Mit­spra­che­recht. Jä­ckel hat es für sich in An­spruch ge­nom­men. Er, der seit 2009 an der Spit­ze steht, will im kom­men­den Jahr in den Land­tag. Sei­ne Chan­cen ste­hen sehr gut, auch wenn wo­mög­lich noch ein Ge­gen­kan­di­dat auf­tritt. Jä­ckel hat aber im Ge­gen­satz zu Dietz ei­nen Kreis­ver­band, der ge­schlos­sen wirkt und der hin­ter Jä­ckel zu ste­hen scheint. Um vor acht Jah­ren an die Spit­ze zu ge­lan­gen, muss­te sich Jä­ckel ge­gen zwei Kon­tra­hen­ten durch­set­zen. Mit 50 Stim­men ge­wann er im ers­ten Wahl­gang ge­gen Er­win Ger­blin­ger (15) und Micha­el Ber­ni­cker (8). Im Rück­blick ge­se­hen, war es für Jä­ckel ein wich­ti­ger Schritt auf der po­li­ti­schen Kar­rie­re­lei­ter.

Andre­as Jä­ckel

Leo Dietz

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