Ein kran­ker Mops vor Ge­richt

Pro­zess Ein Hun­de­be­sit­zer for­dert Scha­den­er­satz von der Züch­te­rin, weil sein Haus­tier ein Pfle­ge­fall ist

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern - VON LUZIA GRASSER

In­gol­stadt

Ron­ja ist fünf Jah­re alt und schwer krank. Sie ist auf ei­nem Au­ge blind, be­kommt epi­lep­ti­sche An­fäl­le, hat ei­nen Was­ser­kopf, lei­det an ei­ner Ge­hirn­haut­ent­zün­dung und hat Pro­ble­me beim Ge­hen. Ron­ja – ein Mops – ist ein Pfle­ge­fall, der wohl nicht mehr all­zu lan­ge le­ben wird. Für de­ren ver­pfusch­tes Le­ben macht ihr Herr­chen die Hun­de­züch­te­rin aus dem Raum In­gol­stadt ver­ant­wort­lich. Jetzt hat er vor dem Land­ge­richt In­gol­stadt rund 6500 Eu­ro ge­for­dert. Er woll­te ei­nen Groß­teil des Kauf­prei­ses zu­rück­ha­ben und zu­dem noch rund 5500 Eu­ro an Tier­arzt­kos­ten. Doch Rich­ter Ste­fan Schwab wies die Kla­ge in wei­ten Tei­len ab. Er sprach dem Be­sit­zer, der in Fran­ken wohnt, le­dig­lich 700 Eu­ro – die Hälf­te des Kauf­prei­ses – zu.

Als der Mann den Hund im Mai 2012 ge­kauft hat­te, war der Mops nicht ein­mal zwei Mo­na­te alt und schein­bar putz­mun­ter und kern­ge­sund. Doch das än­der­te sich nach den Jah­ren. Ron­ja wur­de im­mer krän­ker und bald stell­te sich her­aus, dass der Hund an ei­nem Gen­de­fekt lei­det. Das ist die Schuld der Züch­te­rin, da­von ist der Be­sit­zer über­zeugt. Schließ­lich ha­be die Ron­jas Mut­ter Lu­na viel zu früh und viel zu oft Hun­de­ba­bys aus­tra­gen las­sen. Vor Ge­richt war von 17 Wel­pen in 16 Mo­na­ten die Rede. Das hat­te zwar auch ei­ne Gut­ach­te­rin be­stä­tigt – Ur­sa­che für den Gen­de­fekt, den we­der die Hun­de­el­tern noch Ron­jas Ge­schwis­ter ha­ben, sei das al­ler­dings wohl nicht. Der Züch­te­rin sei es auch nicht zu­zu­mu­ten ge­we­sen, vor dem Ver­kauf ei­nen Gen­test in den USA durch­füh­ren zu las­sen. Denn in Deutsch­land war der vor fünf Jah­ren noch nicht ver­füg­bar. Und so sah Rich­ter Ste­fan Schwab kei­nen Grund, dem Klä­ger Scha­den­er­satz we­gen der ho­hen Be­hand­lungs­kos­ten zu­zu­spre­chen. An­ders sah das al­ler­dings bei der Min­de­rung des Kauf­prei­ses aus. Denn rein recht­lich ist ein Haus­tier ei­ne Wa­re und da muss ein ge­werb­li­cher Ver­käu­fer ei­ne Ge­währ­leis­tung über­neh­men. So muss die Züch­te­rin jetzt 700 Eu­ro für den „man­gel­haf­ten“Hund zu­rück­zah­len. Beim Pro­zess­auf­takt im März wa­ren je­de Men­ge pro­mi­nen­te Mop­sBe­sit­zer vor Ort ge­we­sen – un­ter ih­nen Uschi Acker­mann, Wit­we des Münch­ner Gas­tro­no­men Gerd Kä­fer, mit ih­rem Hund Sir Hen­ry. Sie al­le zeig­ten ih­re So­li­da­ri­tät mit dem Hun­de­be­sit­zer.

Ge­gen das Ur­teil kön­nen bei­de Par­tei­en noch in Be­ru­fung ge­hen. Wo­mög­lich gibt es dann noch ein­mal ei­nen Mops-Pro­zess in In­gol­stadt. Be­reits Ron­jas Schwes­ter Em­ma aus ei­nem an­de­ren Wurf hat­te das In­gol­städ­ter Ge­richt be­schäf­tigt. Die litt un­ter Ar­thro­se, wo­für die Be­sit­ze­rin eben­falls die Züch­te­rin ver­ant­wort­lich mach­te. Da­mals hat­ten sich bei­de Par­tei­en auf ei­nen Ver­gleich ge­ei­nigt und die Züch­te­rin zahl­te den hal­ben Kauf­preis – 700 Eu­ro – zu­rück.

Archivfoto: dpa

Mops Em­ma ist die Schwes­ter der schwer kran­ken Ron­ja – auch über sie wur­de be­reits vor Ge­richt ge­strit­ten.

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