So fließt der Ho­nig aus den Wa­ben

Schauschleu­dern Der Im­ker­ver­ein Ges­serts­hau­sen stellt sei­ne Ar­beit vor. War­um spät blü­hen­de Pflan­zen so wich­tig sind

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport Im Augsburger Land | Stauden - VON JUT­TA KAI­SER WIATREK

Ho­nig ist ein rein na­tur­be­las­se­nes Le­bens­mit­tel

Ges­serts­hau­sen

Wie ent­steht ei­gent­lich der Ho­nig, der auf un­se­rem Früh­stücks­tisch steht? Ant­wor­ten dar­auf gab es in Ges­serts­hau­sen. Mit­glie­der des Im­ker­ver­eins zeig­ten beim Schauschleu­dern, wie die sü­ße Le­cke­rei ge­won­nen wird.

„Zwei­mal im Jahr steht in die­ser Re­gi­on die Ho­ni­gern­te an“, er­klär­te Bir­git Wim­mer vom Im­ker­ver­ein. Jetzt, nach­dem das gro­ße Blü­hen im Mai vor­bei ist, stand bei den Im­kern die ers­te Ern­te an. In die­sem Jahr gab es in der Um­ge­bung drei gro­ße Trach­ten, die die Bie­nen von Obst­blü­ten der Plan­ta­gen ei­nes Obst­bau­ern in der Um­ge­bung, von Lö­wen­zahn und Raps­fel­dern nach Hau­se brach­ten. Dar­aus ent­steht in der Re­gel ein stark kris­tal­li­sie­ren­der, hel­ler Ho­nig.

Doch vor dem Ge­nuss steht erst die Ge­win­nung. Die­se stand im Mit­tel­punkt des Schauschleu­derns. An­schau­lich wur­de auf­ge­zeigt, wie der Ho­nig aus der Bie­nen­wa­be in das Glas ge­langt.

Da­zu hat­te der Vor­sit­zen­de Rai­ner Holz­ap­fel ei­ni­ge Rah­men mit­ge­bracht. Zum Ern­ten ha­be er ei­ne Zwi­schen­ein­la­ge in den Stock ein­ge­scho­ben, ei­ne Art Ein­bahn­stra­ße, so­dass sich vor der Ent­nah­me der Rah­men aus dem Stock nur noch we­ni­ge Bie­nen dar­an be­fan­den, er- fuh­ren die Be­su­cher. Der Vor­sit­zen­de ent­de­ckel­te die Bie­nen­wa­ben mit ei­ner spe­zi­el­len Ga­bel und öff­ne­te sie da­mit. Das Wachs wird spä­ter et­wa zu Ker­zen wei­ter­ver­ar­bei­tet. Ger­ne band er die Zu­schau­er in den Pro­zess mit ein, ließ sie zu­nächst das Ge­wicht der noch mit Ho­nig ge­füll­ten Rah­men spü­ren und die­se dann von ih­nen mit Sorg­falt in die be­reit­ste­hen­de Schleu­der ste­cken.

„Wie­so ver­schlie­ßen die Bie­nen ei­gent­lich ih­re Wa­ben mit Wachs?“, woll­te ein Be­su­cher wis­sen. „Kommt der Ho­nig mit Luft in Be­rüh­rung, ist des­sen Halt­bar­keit ge­fähr­det. Zu­cker wür­de sich in Al­ko­hol ver­wan­deln, und so­mit wä­re prak­tisch ihr Vor­rat ge­fähr­det“, er­klär­te Holz­ap­fel. Je­weils vier Rah­men ka­men in die Schleu­der, dann be­gann der Im­ker mit Ge­fühl zu kur­beln. Durch die­se Dreh­be­we­gung spritzt der Ho­nig ab ei­ner be­stimm­ten Ge­schwin­dig­keit ge­gen die Wand des Be­häl­ters. Holz­ap­fel for­der­te des­halb die Zu­schau­er auf, ganz lei­se zu sein, um das Spritz­ge­räusch wahr­neh­men zu kön­nen. Die­ses An­schleu­dern muss äu­ßerst sanft von­stat­ten­ge­hen, da die Wa- ben sonst bre­chen könn­ten. Dann müs­sen die Rah­men auf die an­de­re Sei­te ge­dreht wer­den und eben­falls sanft ge­schleu­dert wer­den.

Wäh­rend des ge­sam­ten Vor­gangs fließt un­ten aus der Schleu­der be­reits kon­ti­nu­ier­lich die Ho­nig­mas­se gold­gelb aus dem Hahn in ei­nen Be­häl­ter. Es ist über­ra­schend, wie viel Ho­nig aus den Wa­ben kommt.

Kalt ge­schleu­der­ten Ho­nig, wie es so oft auf den Eti­ket­ten ste­he, sei üb­ri­gens nur ein Mar­ke­ting­gag, so Holz­ap­fel. Es ge­be kei­nen kalt ge­schleu­der­ten Ho­nig. Er be­ton­te, dass Ho­nig ein rein na­tur­be­las­se­nes Le­bens­mit­tel ist. „Der Im­ker macht nichts rein und holt nichts her­aus.“

Nach­dem die Bie­nen­völ­ker „ab­ge­schleu­dert“sind, be­gin­nen sie er­neut zu sam­meln. Nach der Lin­den­blü­te wird für sie al­ler­dings das Pol­len­an­ge­bot knapp. Es kom­men nur noch we­ni­ge Pflan­zen zur Blü­te. Des­halb ist es wich­tig, zur Über­brü­ckung die­ser Lü­cke in un­se­ren hei­mi­schen Gär­ten oder in öf­fent­li­chen An­la­gen die rich­ti­gen Bäu­me, Sträu­cher und Blu­men zu pflan­zen. Hier sind vor al­lem auch die Hob­by­gärt­ner in Gar­ten und auf dem Bal­kon auf­ge­ru­fen, auch spät­blü­hen­de Stau­den an­zu­pflan­zen, da­mit die Bie­nen ih­ren Pol­len­be­darf wei­ter de­cken kön­nen und wir nach wie vor zum Früh­stück ein Ho­nig­brot ge­nie­ßen kön­nen.

Fotos: Jut­ta Kai­ser Wiatrek

Bir­git Wim­mer, Schrift­füh­re­rin des Im­ker­ver­eins Ges­serts­hau­sen, zeigt, wie die Wa­ben mit ei­ner spe­zi­el­len Ga­bel vom Wachs de­ckel be­freit wer­den. Rechts im Bild zeigt der Vor­sit­zen­de des Im­ker­ver­eins Ges­serts­hau­sen den Be­su­chern, wie der Rah­men mit den ent­de­ckel­ten Wa­ben rich­tig in die Schleu­der ein­ge­führt wird.

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