Un­ge­fragt ge­filmt

Är­ger­nis Im­mer mehr Men­schen wer­den beim Ba­den heim­lich fo­to­gra­fiert und lan­den dann auch noch in so­zia­len Netz­wer­ken. Das The­ma be­schäf­tigt auch vie­le Frei­bä­der in der Re­gi­on

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Panorama -

Augsburg Das Smart­pho­ne ist auf dem bes­ten Weg, den Son­nen­brand als größ­tes Pro­blem im Frei­bad ab­zu­lö­sen. Denn je­der kann je­der­zeit un­be­merkt fo­to­gra­fiert oder ge­filmt wer­den. Das Er­geb­nis lan­det so man­ches Mal un­ge­fragt in den so­zia­len Netz­wer­ken. Sehr un­er­quick­lich. Um das Per­sön­lich­keits­recht der Ba­de­gäs­te zu schüt­zen, grei­fen im­mer mehr Be­trei­ber in ganz Deutsch­land zu ei­nem ra­di­ka­len Mit­tel: Sie ver­bie­ten das Fo­to­gra­fie­ren ganz oder ver­ban­nen Smart­pho­nes kom­plett aus ih­ren Bä­dern. Auch in un­se­rer Re­gi­on ist das The­ma an­ge­kom­men.

Den ju­ris­ti­schen Hin­ter­grund für ein Fo­to­gra­fier- und Film­ver­bot in Frei­bä­dern lie­fern bei­spiels­wei­se das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht und das Kun­stur­he­ber­ge­setz. Ver­bo­ten ist da­nach zwar nicht das Fo­to­gra­fie­ren im öf­fent­li­chen Raum an sich. Je­doch die Ver­brei­tung oder Ver­öf­fent­li­chung oh­ne Zu­stim­mung der ab­ge­bil­de­ten Per­so­nen. Das gilt auch für so­zia­le Netz­wer­ke. Be­son­ders sen­si­bel ist die Si­tua­ti­on in Schwimm­bä­dern we­gen der dort üb­li­chen spär­li­chen Be­klei­dung – ganz be­son­ders bei Kin­dern. So ist es nicht aus­zu­schlie­ßen, dass Pä­do­phi­le in der An­ony­mi­tät der Men­schen­mas­sen ei­nes Frei­ba­des klei­ne Bu­ben oder Mäd­chen ab­lich­ten.

In un­se­rer Re­gi­on wird das The­ma teils sehr un­ter­schied­lich be­han­delt. Wir ha­ben in den Ein­rich­tun­gen und Kom­mu­nen nach­ge­fragt – oh­ne An­spruch auf flä­chen­de­cken­de Voll­stän­dig­keit: ● Augsburg Im Fa­mi­li­en­bad am Plär­rer bei­spiels­wei­se darf aus ge­ge­be­nem Grund grund­sätz­lich nicht fo­to­gra­fiert oder ge­filmt wer­den. Aus­nah­men: wenn El­tern oder Groß­el­tern ih­re Kin­der ab­lich­ten. Um die­se Vor­ga­ben durch­zu­set­zen, ist die Auf­merk­sam­keit und das Fin­ger­spit­zen­ge­fühl des Per­so­nals ge­fragt. ● Bo­bin­gen Kei­ne Ein­schrän­kun­gen für Smart­pho­nes oder Ka­me­ras. ● Schwab­mün­chen Smart­pho­nes und Ka­me­ras im Was­ser sind ver­bo­ten, im Um­klei­de­be­reich darf nicht ge­filmt wer­den. Auf den Lie­ge­wie­sen hin­ge­gen gibt es kei­ne Vor­ga­ben. ● Markt­ober­dorf Im An­ton-Schmid­Bad gibt es kein ge­ne­rel­les Smart­pho­ne-Ver­bot. Das Per­so­nal

soll aber dar­auf ach­ten, dass kei­ne Frem­den mit­fo­to­gra­fiert wer­den. ● Ichen­hau­sen Kei­ner­lei Ver­bot, da es noch nie zu Pro­ble­men ge­kom­men sei. ● Kemp­ten Im Cam­bo­ma­re sind Smart­pho­nes nicht er­laubt. ● Weit­nau Selt­mans, Hal­den

wang, Diet­manns­ried Kei­ne Ver­bo­te, in Diet­manns­ried gibt es für Smart­pho­nes so­gar ex­tra WLAN. ● Memmingen Hin­weis­schil­der wei­sen dar­auf hin, dass man nicht fo­to­gra­fie­ren darf. Die Ver­ant­wort­li­chen wol­len in die­ser Sai­son die Pro­ble­ma­tik auf­merk­sam ver­fol­gen. ● Ot­to­beu­ren Kei­ne Re­ge­lun­gen, aber bis­lang auch kei­ne Be­schwer­den. ● Grei­fen­berg, Kau­fe­ring, Thai­ning „Das The­ma müss­te in die Hau­sund Ba­de­ord­nung auf­ge­nom­men wer­den“, sagt Bä­der­lei­ter Tho­mas Zeck. ● Sont­ho­fen Fil­men und Fo­to­gra­fie­ren nur mit aus­drück­li­cher Ge­neh­mi­gung durch das Füh­rungs­per­so­nal des Won­ne­mars. ● Kauf­beu­ren Fil­men und Fo­to­gra­fie­ren oh­ne Ein­wil­li­gung der Fo­to­gra­fier­ten ist ver­bo­ten. ● Mindelheim Die Be­nut­zung von Smart­pho­nes ist nicht ver­bo­ten. ● Buch­loe Kei­ner­lei Ver­bo­te. ● Krum­bach Kein Smart­pho­ne-Ver- bot – aber Frem­de dür­fen nicht fo­to­gra­fiert wer­den. Sonst wird das Per­so­nal ak­tiv. Und ruft zur Not gar die Po­li­zei. Das ist aber bis­lang nicht vor­ge­kom­men. ● Neu­burg Das Per­so­nal for­dert je­den, der sein Smart­pho­ne zum Fo­to­gra­fie­ren oder Fil­men her­aus­holt, auf, das zu un­ter­las­sen. ● Dil­lin­gen Fo­to­gra­fie­ren und Fil­men frem­der Per­so­nen ist nicht er­laubt. Das be­sagt die Haus­ord­nung. ● Lau­ter­bach Bis­lang gibt es noch kein ex­pli­zi­tes Ver­bot. Der Ba­de­meis­ter ach­tet aber dar­auf, dass kein Frem­der ge­filmt oder fo­to­gra­fiert wird. ● Do­nau­wörth, Wem­ding, Mon heim, Rain und Tag­mers­heim Bis­lang kein Smart­pho­ne-Ver­bot, bis­lang aber auch kei­ne Be­schwer­den über ent­spre­chen­de Be­läs­ti­gun­gen, heißt es sei­tens der Bä­der. ● Sen­den Im See- und Hal­len­bad ist die Be­nut­zung von „Fo­to­han­dys“ver­bo­ten. ● Lands­berg „Ein Ver­bot kann ich nicht kon­trol­lie­ren“, sagt Jür­gen Ai­cher, Schwimm­meis­ter des In­sel­ba­des. „Wird das Fil­men ver­bo­ten, wird heim­lich ge­filmt.“Da sei es bes­ser, es wer­de öf­fent­lich ge­filmt. Dann könn­ten die Be­trof­fe­nen den Fil­men­den di­rekt an­spre­chen, wenn es ih­nen nicht recht ist. ● Leip­heim Bis­lang gab es noch kei­nen An­lass im Gar­ten­hal­len­bad, ei­ne ver­tief­te Dis­kus­si­on zu die­sem The­ma zu füh­ren. ● Günz­burg Im Wald­bad ist nicht dar­an ge­dacht, ein Ver­bot für Smart­pho­nes zu er­las­sen. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de gar ei­gens kos­ten­lo­ses WLAN ein­ge­rich­tet. ● Oet­tin­gen Im Wör­nitz-Na­tur­frei­bad gibt es kein Smart­pho­ne-Ver­bot. ● Bur­gau Fo­to- und Film­auf­nah­men sind nur ge­stat­tet, wenn die ab­ge­lich­te­ten Per­so­nen da­mit ein­ver­stan­den sind. ● Aichach Laut Haus­ord­nung ist Fo­to­gra­fie­ren im Frei­bad ver­bo­ten. Ab und zu hat es Be­schwer­den von Ba­de­gäs­ten ge­ge­ben, die nicht fo­to­gra­fiert wer­den woll­ten, teilt die Stadt­ver­wal­tung mit. ● Neu Ulm An Spit­zen­ta­gen mit som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren be­su­chen über 4000 Gäs­te das Neu-Ul­mer Do­nau­bad. Be­triebs­lei­ter Jo­chen Weiß hält es da für un­mög­lich, je­dem ein­zel­nen Ba­de­gast das Smart­pho­ne ab­zu­neh­men. „Wenn sich aber ein Be­su­cher ge­filmt fühlt oder Be­den­ken hat, auf der Auf­nah­me ei­nes an­de­ren Ba­de­gasts zu se­hen zu sein, dann schrei­ten wird ein – je­doch eher hel­fend als ver­bie­tend“, sagt Weiß. (AZ, dpa)

Fo­to: Ul­rich Wa­gner

Im Fa­mi­li­en­bad am Augs­bur­ger Plär­rer bei­spiels­wei­se darf nicht fo­to­gra­fiert oder ge­filmt wer­den. Aus­nah­me: El­tern und Groß el­tern et­wa dür­fen ih­re Kin­der und En­kel ab­lich­ten.

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