War­um Au­tos hin­ter me­ter­di­cken Mau­ern par­ken

Ge­schich­te Die Mit­ar­bei­ter von MT Ae­ro­s­pace ha­ben ei­nen ku­rio­sen Park­platz. Er ent­stand im Zwei­ten Welt­krieg / Se­rie (37)

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Region Augsburg - VON JÖRG HEINZLE

Augs­burg

Was ha­ben sich die Er­bau­er die­ses Park­plat­zes ge­dacht? Die­se Fra­ge stellt sich ver­mut­lich so man­cher Be­su­cher, der die Wolf­zahnau in Augs­burg auf­sucht. Das Land­schafts­schutz­ge­biet liegt zwi­schen Lech und Wertach. An der Nord­spit­ze des Are­als ver­ei­ni­gen sich bei­de Ge­wäs­ser. Und auf der an­de­ren Sei­te, beim Zu­gang zu der wild­ro­man­ti­schen Na­tur­land­schaft, par­ken Mit­ar­bei­ter des Raum­fahrt­kon­zerns MT Ae­ro­s­pace ih­re Au­tos – um­ge­ben von ei­ner me­ter­di­cken Be­ton­mau­er.

Es geht aber nicht dar­um, die Fahr­zeu­ge der An­ge­stell­ten be­son­ders zu schüt­zen. Die mas­si­ve Mau­er in Form ei­nes Recht­ecks mit den Ma­ßen 50 auf 60 Me­ter, ist ein Re­likt aus der Zeit des Zwei­ten Welt­kriegs. Es han­delt sich um die Res­te ei­nes Bun­kers, der aber nie fer­tig­ge­stellt wur­de. Vor­ge­se­hen war, dass das Bau­werk für die Pro­duk­ti­on von Groß­mo­to­ren ge­nutzt wird, wie sie in U-Boo­ten zum Ein­satz kom­men.

Di­rekt ne­ben dem ge­plan­ten Bun­ker lag auch da­mals schon das Werks­ge­län­de des Mo­to­ren­her­stel­lers MAN. Die Schiffs­mo­to­ren wa­ren aus Sicht der Wehr­macht wich­tig. Des­halb soll­te die Pro­duk­ti­on trotz der Luft­an­grif­fe durch die Al­li­ier­ten ge­schützt hin­ter di­cken Be­ton­mau­ern wei­ter­lau­fen. Bau­be­ginn war aber erst im Jahr 1944. Be­reits im April 1945 rück­ten ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten in die Stadt ein, der Welt­krieg ging kurz dar­auf zu En­de.

Er­hal­ten ist ein of­fi­zi­el­ler Be­richt vom De­zem­ber 1944. Ein Mit­ar­bei­ter des „Rüs­tungs­stabs Bau“im Reichs­mi­nis­te­ri­um für Rüs­tung und Kriegs­pro­duk­ti­on lis­tet nach ei­nem Be­such in Süd­deutsch­land den Stand der Din­ge bei ver­schie­de­nen Rüs­tungs­bau­pro­jek­ten auf. Er lobt in dem Do­ku­ment die An­stren­gun­gen bei MAN in Augs­burg, die Pro­duk- ti­on zu schüt­zen. Das Bun­ker­pro­jekt scheint je­doch noch nicht weit ge­die­hen zu sein. Dar­über heißt es: „Der Bun­ker ,Ar­no‘ ist erst in sei­nen An­fän­gen fer­tig­ge­stellt. Über sei­ne Wei­ter­füh­rung wird be­son­ders zu ent­schei­den sein.“Ge­dacht war wohl, ei­nen so­ge­nann­ten Hoch­bun­ker zu er­rich­ten. Das heißt, dass Bau­werk soll­te über­wie­gend über dem Ni­veau der Erd­ober­flä­che lie­gen. So wur­de häu­fig dann ge­baut, wenn nas­ser Un­ter­grund den Bau von Tief­bun­kern er­schwer­te – und es galt als kos­ten­güns­ti­ger. Es soll beim Bun­ker „Ar­no“auch noch ei­ne un­te­re Eta­ge ge­ge­ben ha­ben. Au­gen­zeu­gen von da­mals be­rich­ten von ei­ner Trep­pe, die nach unten in ei­nen Schacht führ­te. Da­von ist al­ler­dings nichts mehr zu se­hen.

In un­mit­tel­ba­rer Nä­he zu „Ar­no“fin­den sich im Wald auch noch klei­ne­re Bun­ker­res­te und Res­te von Un­ter­stän­den, die als Flug­ab­wehr­stel­lun­gen ge­nutzt wor­den sein sol­len. Wer ein­mal in ei­nen Bun­ker hin­ab­stei­gen will, kann das an an­de­rer Stel­le tun – der Bun­ker in der Fug­ge­rei kann be­sich­tigt wer­den.

Fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

Der nie fer­tig­ge­stell­te Groß­bun­ker in der Wolf­zahnau mit me­ter­di­cken Au­ßen­mau­ern wird heu­te von MT Ae­ro­s­pace als Park­platz ge­nutzt.

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