Frie­den ist für je­den et­was an­de­res

Ausstellung Im Thea­ter­haus Eu­ki­tea sind be­glei­tend zum Open-Air-Stück Skulp­tu­ren und Bil­der zu se­hen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Neusäß, Stadtbergen Und Umgebung - VON GE­RALD LIND­NER

Gerst­ho­fen

Mit dem The­ma Frie­den be­fasst sich das Die­dor­fer Thea­ter­en­sem­ble Eu­ki­tea in die­ser Spiel­zeit ganz be­son­ders. Ne­ben dem neu­en Frei­licht­stück „Frie­den ist!“, das am heu­ti­gen Frei­tag 23. Ju­ni, um 21 Uhr sei­ne Pre­mie­re auf der Wald­büh­ne bei An­hau­sen fei­ert, wird im Die­dor­fer Thea­ter­haus par­al­lel ei­ne se­hens­wer­te Ausstellung zum The­ma an­ge­bo­ten.

Im Zen­trum ste­hen Skulp­tu­ren des Adels­rie­der Bild­hau­ers Hans Mal­zer, der dem Eu­ki­tea-Team schon seit vie­len Jah­ren ver­bun­den ist. Er zeigt Ob­jek­te, die er aus ei­ner „Frie­dens­lin­de“ge­fer­tigt hat. Die­se stammt aus Gemp­fing bei Rain am Lech. „Dort ha­ben die Ein­woh­ner seit dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg im­mer ei­ne Lin­de ge­pflanzt, wenn es Krieg gab.“Vom al­ler­ers­ten die­ser Bäu­me sei nach 350 Jah­ren ein di­cker Ast ab­ge­bro­chen.

Die­sen konn­te sich Mal­zer si­chern. „Und wenn es sich schon um ei­ne Frie­dens­lin­de han­delt, muss­ten mei­ne Skulp­tu­ren fol­ge­rich­tig et­was mit Frie­den zu tun ha­ben.“So ent­stand un­ter an­de­rem ei­ne „Frie­dens­göt­tin ent­flie­hend“, die ein Mensch fest­hal­ten möch­te. Ei­ne sei­ner Wort­säu­len trägt die ers­ten Wor­te des Grund­ge­set­zes: „In Ver­ant­wor­tung vor Gott und den Men­schen“, ei­ne Schrift­ta­fel be­tont „Die Wür­de des Men­schen ist un­an­tast­bar“. Dem stellt Mal­zer die Skulp­tur „Sy­ria“ge­gen­über: Sie wur­de im Thea­ter­ca­fé auf­ge­stellt und zeigt ei­ne Frau, die sich über ih­ren to­ten Mann beugt – dies sieht Mal­zer be­wusst als ei­ne mo­der­ne Va­ri­an­te der „Pie­ta“an. „Ich ha­be zu den Krie­gen ei­ne Zeit­lang je­weils ei­ne Skulp­tur ge­schaf­fen.“Ih­re Ti­tel klin­gen wie Frau­en­na­men, zum Bei­spiel „Sre­bre­ni­ca“. „Ich hab dann aber auf­ge­hört, weil bei der der­zei­ti­gen La­ge auf der Welt wür­de ich mit Kriegs­skulp­tu­ren gar nicht mehr fer­tig“, so der Bild­hau­er.

Mal­zers Kunst be­glei­tet auch die Be­su­cher des Open-Air-Stücks in An­hau­sen. Auf dem Weg vom Tal hin­auf zur Wald­büh­ne hat Mal­zer wei­te­re zehn ei­gens für die­sen An­lass ge­schaf­fe­ne Bild-/Sprach­säu­len auf­ge­stellt, die auf die be­vor­ste­hen­de Vor­stel­lung ein­stim­men sol­len.

Ein zwei­ter Teil der Ausstellung im Thea­ter­haus ist Zeich­nun­gen zum The­ma ge­wid­met. Hier ha­ben Asyl­be­wer­ber aus Fürs­ten­feld­bruck im Rah­men ei­nes kunst­päd­ago­gi­schen Pro­jekts un­ter Lei­tung von An­ne­lie Güt­her ih­re Vor­stel­lung von Frie­den bild­lich in ein­fa­cher Form, aber durch­aus be­we­gend, um­ge­setzt. Sie stam­men aus Kri­sen­län­dern wie Ni­ge­ria oder Sier­ra Leo­ne. Be­zeich­nend dar­an ist, dass die Bil­der al­le ei­ne fes­te Um­rah­mung, fes­te Gren­zen be­sit­zen – ei­ne Sehn­sucht nach Ord­nung in ei­ner zer­fal­le­nen Welt.

Für She­riff Mu­sik aus Sier­ra Leo­ne ist Frie­de ei­ne Hand, die den Mond hält: „Die Nacht und der Schlaf sind fried­lich – und nur sie, denn am Tag herrscht Cha­os“, sagt er zu sei­nem Bild. Ei­ne sehr zar­te Blei­stift­zeich­nung hat Hap­py aus Ni­ge­ria ge­fer­tigt. In de­ren Ze­trum steht ei­ne Blu­me. „Sie ist für mich ein Zei­chen von Frie­den“, sagt er. „Es war die letz­te Blu­me, die mir mei­ne Mut­ter vor ih­rem Tod ge­schenkt hat.“Schon vor sei­ner Flucht hat Hap­py ge­zeich­net. Auch durch die­se Ar­bei­ten zieht sich das The­ma Frie­den wie ein ro­ter Fa­den. „Frie­den ist für mich aber auch, in Deutsch­land zu sein.“

Der 37-jäh­ri­ge Sa­lo­mon wie­der­um hat ei­ne Hand mit Fin­ger­nä­geln ge­zeich­net. „Ei­ne Hand kann so viel aus­drü­cken, zum Bei­spiel die Ge­bets­ges­te.“Die Far­ben sei­nes Bilds zei­gen das Ge­fühl. Blau steht da­bei für Frie­den und Lie­be, Gelb steht für Hel­lig­keit, Schön­heit. „Die­se su­chen wir al­le“, sagt Sa­lo­mon. O

Ge­öff­net am 23./24./30. Ju­ni und 1. Ju­li je­weils von 17.30 bis 19 Uhr im Thea­ter­haus Die­dorf so­wie werk­tags auf An­fra­ge, Telefon 08238/9647430.

Fo­to: Be­ne­dikt Sie­gert

Der Bild­hau­er Hans Mal­zer ist dem Eu­ki­tea schon seit vie­len Jah­ren ver­bun­den. Im Die­dor­fer Thea­ter­haus zeigt er Frie­dens­skulp­tu­ren.

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