Po­li­zei sucht nach der Tat­waf­fe

Ver­bre­chen Nach der Mes­ser­ste­che­rei in ei­ner Gerst­ho­fer Dis­co herrscht Rat­lo­sig­keit. Die Po­li­zei for­dert schär­fe­re Kon­trol­len. Das Mo­tiv des 18-jäh­ri­gen mut­maß­li­chen Tä­ters ist un­klar

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Nördlicher Landkreis - VON MA­XI­MI­LI­AN CZYSZ

Gerst­ho­fen

Wie kam der 18-Jäh­ri­ge mit ei­nem Mes­ser am Sams­tag in die Gerst­ho­fer Dis­co im He­ry-Park? Der jun­ge Mann al­ba­ni­scher Her­kunft hat­te nach ei­nem Streit drei Gäs­te schwer ver­letzt. Zwei Tür­ste­her ver­hin­der­ten Schlim­me­res. Den bei­den Män­nern ge­lang es, den Mes­ser­ste­cher zu über­wäl­ti­gen. Auch sie wur­den ver­letzt.

Ges­tern Nach­mit­tag durch­kämm­ten Kri­po, Po­li­zei und ein Hun­de­füh­rer den Tanz- und Nacht­club, um die Tat­waf­fe zu fin­den. So­gar der Müll der jüngs­ten Par­ty wur­de un­ter­sucht. Bei der Po­li­zei wird der­weil Kri­tik an den all­ge­mei­nen Si­cher­heits­kon­trol­len laut. Tho­mas Kling­ler, der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter der In­spek­ti­on in Gerst­ho­fen, sagt: „Wenn nicht genau hin­ge­schaut wird, dann gibt es ver­mehrt Schwie­rig­kei­ten. Es muss bes­ser ge­prüft wer­den, wer in die Dis­co darf.“

Schon vor der Mes­ser­ste­che­rei am Wo­che­n­en­de gab es im­mer wie­der Vor­fäl­le, die ein grö­ße­res Po­li­zei­auf­ge­bot er­for­der­ten. Teil­wei­se muss­ten nachts auch an­de­re Di­enst­stel­len um Un­ter­stüt­zung ge­be­ten wer­den. Im Ja­nu­ar prü­gel­ten sich bei­spiels­wei­se meh­re­re Män­ner auf dem Park­platz der Dis­co. Vom Blau­licht lie­ßen sie sich nicht be­ein­dru­cken. Erst meh­re­ren Strei­fen­be­sat­zun­gen ge­lang es, die al­ko­ho­li­sier­ten Män­ner von­ein­an­der zu tren­nen. Da­mals fand ei­ne „Rus­si­an­par­ty“statt – ei­ne der vie­len Mot­to­par­tys, die Wo­che für Wo­che den Tanz- und Nacht­club fül­len. Die jüngs­te Par­ty mit Gji­ko aus Pris­ti­na, der Haupt­stadt des Ko­so­vo, soll­te vor al­lem Gäs­te mit ei­nem Be­zug zu Al­ba­ni­en an­spre­chen. Ent­spre­chend der Ti­tel: „New­born – Al­ba­ni­an Sound“.

Nach den Er­mitt­lun­gen der Kri­mi­nal­po­li­zei ge­rie­ten ge­gen 3.30 Uhr der 18-Jäh­ri­ge und an­de­re Gäs­te an­ein­an­der. Im Ver­lauf der zu­nächst ver­ba­len Aus­ein­an­der­set­zung zog der 18-Jäh­ri­ge ein Mes­ser. Ei­nen 28-Jäh­ri­gen ver­letz­te er schwer im Ge­sichts­be­reich. Der Mann muss­te so­fort in ein Kran­ken­haus ge­bracht und dort ver­sorgt wer­den, zwei wei­te­re Män­ner im Al­ter von 27 und 30 Jah­ren wur­den durch Schnitt- und Stich­ver­let­zun- gen im Hals- und Rü­cken­be­reich ver­letzt und in ein Kran­ken­haus ge­bracht. Auch der mut­maß­li­che An­grei­fer er­litt of­fen­bar schwe­re Ver­let­zun­gen. Er schweb­te nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung so­gar vor­über­ge­hend in Le­bens­ge­fahr. Der blu­ti­ge Streit ver­la­ger­te sich nach Po­li­zei­an­ga­ben schließ­lich auf den Park­platz. Dort grif­fen die Mit­ar­bei­ter des Si­cher­heits­diens­tes ein.

Am nächs­ten Mor­gen er­in­ner­ten noch Blut­sprit­zer an der Au­ßen­wand an die dra­ma­ti­schen Sze­nen der Par­ty. Ge­zim Bas­ho­ta, der Ver­an­stal­ter der Mot­to­par­ty, klingt nie­der­ge­schla­gen. „Es ist das ers­te Mal, dass ich so et­was er­leb­te ha­be.“250 Gäs­te sind es wohl an die­sem Abend ge­we­sen. Fünf Si­cher­heits­dienst-Mit­ar­bei­ter hat­te Bas­ho­ta en­ga­giert. Sei­ne Faust­re­gel: Pro 100 Gäs­te ein Mann. Ge­gen 3.15 Uhr hat­te er noch zu Dis­co­be­trei­ber Al­fons Weigl im Bü­ro ge­sagt, dass der Abend su­per ver­lau­fe. Doch dann kam es an­ders.

Über die ge­nau­en Hin­ter­grün­de, war­um der jun­ge Mann „aus­tick­te“, ein Mes­ser zück­te und dann zu­stach, kann der­zeit nur spe­ku­liert wer­den. War es ein ein­fa­cher Streit, der sich dann zu­ge­spitzt hat? Ei­ne Be­zie­hungs­tat? Oder gar ein Ra­che­akt? Die Po­li­zei hat noch kei­ne An­halts­punk­te. Ges­tern Nach­mit­tag er­ließ der Er­mitt­lungs­rich­ter am Amts­ge­richt Haft­be­fehl ge­gen den 18-Jäh­ri­gen. Er­mit­telt wird jetzt we­gen ver­such­ten Tot­schlags in drei Fäl­len und ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung.

Dass der 18-Jäh­ri­ge nachts zum Mes­ser­ste­cher wird, da­mit hät­te nie­mand ge­rech­net. Der jun­ge Mann sei gut ge­klei­det ge­we­sen. Dis­co­be­trei­ber Al­fons Weigl: „Da wä­re doch kein Mensch dar­auf ge­kom­men, dass er aus­tickt.“Weigl stellt sich hin­ter sein Per­so­nal: „Ich hät­te ihn auch rein­ge­las­sen.“Er kann sich nicht er­klä­ren, war­um es zu ei­ner Häu­fung von Vor­fäl­len ge­kom­men ist. Er sagt: Die Vor­aus­wahl der Tür­ste­her funk­tio­nie­re. In der Re­gel wür­den Gäs­te auch nach Ge­gen­stän­den ab­ge­tas­tet. Bas­ho­ta be­stä­tigt: Es wer­de kon­trol­liert, auch die Hand­ta­schen der Frau­en. „Aber so genau wie am Flug­ha­fen kann man es nicht ma­chen.“Er be­teu­ert: „Es wur­de nicht an der Si­cher­heit ge­spart und es wird auch in Zu­kunft nicht dar­an ge­spart.“Dis­co­be­trei­ber Weigl hat schon län­ger ei­ne wei­te­re Vor­keh­rung ge­trof­fen: Da­mit es zu kei­nen ver­ba­len Dif­fe­ren­zen mit dem Per­so­nal kom­me, be­ste­he er bei den „Rus­si­an­par­tys“auf rus­sisch­spra­chi­ge Mit­ar­bei­ter. Wie die Si­cher­heit rund um die Par­tys in Zu­kunft er­höht wer­den kann, dar­über wol­len Land­rats­amt, Po­li­zei und das Gerst­ho­fer Ord­nungs­amt in die­ser Wo­che spre­chen.

»Kom­men­tar

Fo­to: Mar­cus Merk

Tag zwei nach der Mes­ser­ste­che­rei in der Gerst­ho­fer Dis­co: Auch mit ei­nem Hund wur­de nach der Tat­waf­fe ge­sucht – al­ler­dings oh­ne Er­geb­nis.

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