Flut­pol­der­geg­ner be­kom­men nur mo­ra­li­sche Un­ter­stüt­zung

Hoch­was­ser­schutz Die In­ter­es­sens­ver­tre­tung hät­te sich vom Land­kreis Günz­burg noch et­was an­de­res er­hofft

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Nachbarschaft -

Land­kreis/Leipheim

Ob ein Flut­pol­der beim Leip­hei­mer Stadt­teil Weiß­in­gen ge­baut wird, hat nicht der Land­kreis zu ent­schei­den. Trotz­dem war der mög­li­che Bau des Pol­ders zum Schutz vor Hoch­was­ser an der Do­nau zwi­schen Il­ler und Lech ein The­ma im Kreis­aus­schuss – auf An­trag der In­ter­es­sen­ver­tre­tung „Hoch­was­ser­schutz Ja – Kein Flut­pol­der Leipheim“. Dem Wunsch der In­ter­es­sen­ver­tre­tung nach fi­nan­zi­el­ler Un­ter­stüt­zung durch den Land­kreis ka­men die Mit­glie­der des Aus­schus­ses nicht nach. Eben­so we­nig wie dem Wunsch nach Grün­dung ei­nes über­ört­li­chen Bünd­nis­ses ge­gen ei­nen Pol­der. Man­che Sor­ge der Be­trof­fe­nen rund um Weiß­in­gen teil­ten die Kreis­rä­te al­ler­dings.

Das baye­ri­sche Um­welt­mi­nis­te­ri­um hat ei­ne gan­ze Rei­he von mög­li­chen Stand­or­ten für ei­nen Flut­pol­der ent­lang der schwä­bi­schen Do­nau un­ter­su­chen las­sen. Drei sind nach mo­men­ta­nem Stand in der End­aus­wahl: Leipheim-Weiß­in­gen so­wie Neu­ge­schütt­wörth bei Schwen­nin­gen und Hel­me­rin­gen bei Lau­in­gen im Land­kreis Dil­lin­gen.

Noch sei nichts ent­schie­den, ver­si­cher­te der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te und CSU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Hans Reich­hart im Kreis­aus­schuss. Es ge­be noch nicht ein­mal ei­ne fer­ti­ge Pla­nung. „Wir tre­ten erst in den Pro­zess ein.“Klar sei aber, dass al­le po­li­tisch Ver­ant­wort­li­chen im Land­kreis die In­ter­es­sen der di­rekt Be­trof­fe­nen und der an­de­ren Bür­ger ver­tre­ten. Und es lie­ge die Zu­sa­ge des Um­welt­mi­nis­te­ri­ums vor, wo­nach der Pol­der bei Weiß­in­gen nicht ge­baut wer­de, wenn er nur Ver­schlech­te­run­gen mit sich brin­ge.

Au­ßer­dem ge­be es ei­ne neue Rah­men­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Lan­des­re­gie­rung und dem Baye­ri­schen Bau­ern­ver­band, in der un­ter an­de­rem der Scha­den­er­satz ge­re­gelt sei, wenn land­wirt­schaft­li­che Flä­chen ge­flu­tet wer­den müs­sen, sag­te Reich­hart wei­ter. Die­se neue Ver­ein­ba­rung ken­ne er nicht, er­klär­te Land­rat Hu­bert Haf­ner. Nur ei­ne äl­te­re. Auch dar­in kä­men die Land­wir­te im Fall der Fäl­le nicht schlecht weg. „Vor­sich­tig for­mu­liert“, füg­te der Land­rat an. Im Üb­ri­gen bräch­te ein Flut­pol­der zwar ge­wis­se Nach­tei­le, aber auch ei­ne gan­ze Rei­he von Vor­tei­len beim Hoch­was­ser­schutz, heißt es in der schrift­li­chen Sit­zungs­vor­la­ge der Kreis­ver­wal­tung. Frei­lich wä­re der Flut­pol­der ein „im­po­san­tes Bau­werk“, wie Jo­sef Brand­ner, der stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Frei­en Wäh­ler, sag­te. Et­wa 4,4 Ki­lo­me­ter lang, 2,5 Ki­lo­me­ter breit, ei­ne Flä­che von rund 630 Hekt­ar, auf die bei ei­nem Hoch­was­ser et­wa zwölf Mil­lio­nen Ku­bik­me­ter Was­ser ge­lei­tet wer­den könn­ten. An­ge­sichts die­ser Grö­ßen­ord­nung sei schon die Fra­ge, so Brand­ner, ob es nicht ei­ne Num­mer klei­ner ge­he und ob nicht vor­ab an der Il­ler und im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Teil der Do­nau mehr für den Hoch­was­ser­schutz ge­tan wer­den kön­ne. Ei­ne For­de­rung, der sich der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Gerd Ol­brich an­schloss. Die­se Fra­gen so­wie der „grund­sätz­li­che Be­darf“für ei­nen Weiß­in­ger Flut­pol­der müss­ten ge­nau ge­prüft wer­den. Die­ser Aus­sa­ge stimm­ten auch CSU und Grü­ne zu.

Ein­stim­mig ab­ge­lehnt wur­de hin­ge­gen der Wunsch der Leip­hei­mer In­ter­es­sen­ver­tre­tung ge­gen den Flut­pol­der auf fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung durch den Land­kreis Günz­burg. Ge­gen die Stim­me von Grü­nen-Kreis­rat Ha­rald Lenz wur­de fer­ner be­schlos­sen, kein land­kreis­wei­tes Bünd­nis ge­gen ei­nen Flut­pol­der bei Weiß­in­gen an­zu­stre­ben. Land­rat Haf­ner: „Bis­lang ist kei­ne Ge­mein­de in die­ser Hin­sicht auf mich zu­ge­kom­men.“Be­für­wor­tet wur­de schließ­lich ein drit­ter Punkt: Land und Was­ser­wirt­schafts­amt Do­nau­wörth wer­den auf­ge­for­dert, die von Land­rat Haf­ner be­reits for­mu­lier­ten Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge – et­wa ein Kon­zept zur Op­ti­mie­rung der An­la­ge, Grä­ben und ein Pump­werk – in die Pla­nung ein­zu­ar­bei­ten und auch zu fi­nan­zie­ren.

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