Um ein Fahr­rad um­zu­rüs­ten, muss es gut er­hal­ten sein

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft -

hat, wä­re das Vor­der­rad die zwei­te Wahl. Da­nach erst kä­me das Tret­la­ger in Be­tracht.

Der Hin­ter­rad­ein­bau bie­te sich an, weil das Rah­mend­rei­eck meist sta­bi­ler ist als die zwei Ga­bel­roh­re vor­ne, sagt Gauch. Auch zum Ab­stel­len und Schie­ben des Ra­des sei die­se Lö­sung an­ge­neh­mer – ist der ki­lo­schwe­re Mo­tor vor­ne ein­ge­baut, steht das Fahr­rad in­sta­bi­ler, das Vor­der­rad ten­diert zum Weg­dre­hen. „Das ist wie bei ei­nem vol­len Len­ker­korb“, er­klärt Gauch. Der Tret­la­ger­mo­tor ha­be sei­ne Be­rech­ti­gung, wenn Nut­zer mit dem Rad Sprün­ge ma­chen wol­len. Dann soll­te der Schwer­punkt mög­lichst mit­tig und tief sein. Mit­tel­mo­to­ren sei­en in Deutsch­land stark ver­brei­tet, sagt Gauch. Es gibt auch Ex­per­ten, die sie für die bes­te Wahl hal­ten.

Die Prei­se für Nach­rüst­bau­sät­ze be­gin­nen bei meh­re­ren hun­dert Eu­ro. Wer den Um­bau von Pro­fis er­le­di­gen lässt, ist schnell mit mehr als 1000 Eu­ro da­bei. Im Ver­gleich zu ei­nem neu­en Pe­del­ec ist das zwar in der Re­gel im­mer noch we­sent­lich güns­ti­ger. Es ist aber nicht nur ei­ne Preis­fra­ge, ob die Nach­rüs­tung lohnt. Ent­schei­den­der sind Zu­stand

Ne­ben den tech­ni­schen Fak­to­ren spielt auch der Fah­rer ei­ne Rol­le: Wie schwer ist er? Will er lan­ge Tou­ren fah­ren oder nur zur Ar­beit ra­deln? Das macht die Ent­schei­dung schwie­rig und ist aus Treuz’ Sicht auch ei­ne Ur­sa­che, war­um Fahr­rad­händ­ler sich zum gro­ßen Teil von sol­chen Um­bau­ten fern­hal­ten. Als ein Ent­schei­dungs­kri­te­ri­um gilt, wie hoch­wer­tig das Rad ist. Treuz wird kon­kret: Ab ei­nem Zeit­wert von 400 bis 500 Eu­ro kön­ne man dar­über nach­den­ken, das Fahr­rad um­rüs­ten zu las­sen. Idea­ler­wei­se soll­te das Fahr­rad nicht äl­ter als vier bis fünf Jah­re sein. Bei Alu­mi­ni­um­rah­men spie­le die Lauf­leis­tung des Fahr­ra­des ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Hat es um die 15 000 Ki­lo­me­ter auf dem Bu­ckel, muss der Rah­men sehr ge­nau auf Ris­se un­ter­sucht wer­den. Rä­der mit Stahl­rah­men sind da­ge­gen meist um­rüst­bar. Und die Brem­sen? „Die sind in der Re­gel gut ge­nug“, sagt Gauch. Ge­ne­rell ist zu be­ach­ten: Brems­be­lä­ge ver­schlei­ßen bei mo­tor­un­ter­stütz­ten Rä­dern durch die schnel­le­re Fahr­wei­se ra­scher als bei nor­ma­len Fahr­rä­dern.

Drei bis vier St­un­den brau­chen Treuz und sei­ne Kol­le­gen für ei­nen Um­bau. Wer den An­trieb in Ei­gen­re­gie an­schraubt, dürf­te da­für fünf bis sechs St­un­den be­nö­ti­gen, schätzt der Ex­per­te. Wer nie selbst an sei- Rad schraubt, soll­te die Fin­ger da­von las­sen. Über­mä­ßi­ges De­tail­wis­sen ist laut Thi­lo Gauch aber auch nicht ge­fragt: „Mehr als Rei­fen­wech­sel muss man nicht drauf ha­ben.“Vor al­lem sind Ge­duld und Lust nö­tig. Al­ler­dings: Wer sel­ber um­baut, der trägt letzt­lich das Ri­si­ko. Die Ge­währ­leis­tung des Rad­her­stel­lers er­lischt und die Pro­dukt­haf­tung liegt nun bei ei­nem selbst.

Und die Ver­si­che­rung? Pe­del­ecs sind recht­lich ge­se­hen Fahr­rä­der. Das heißt: Der Ver­si­che­rungs­schutz der Pri­vat­haft­pflicht bleibt be­ste­hen, teilt der Ge­samt­ver­band der Deut­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft (GDV) mit. Kom­men bei Un­fäl­len Drit­te zu Schaden, zahlt die Ver­si­che­rung da­für. Pro­ble­ma­tisch kön­nen aber Um­rüs­tun­gen zu S-Pe­del­ecs und E-Bi­kes sein (Wie sich die Ty­pen un­ter­schei­den, steht im In­fo­nem

Kas­ten). Da­für brau­chen Nut­zer ei­ne Ty­pen­ge­neh­mi­gung. „Da gel­ten ganz an­de­re recht­li­che Vor­ga­ben“, sagt Lind­horst. Die soll­ten be­kannt sein und ein­ge­hal­ten wer­den. Sonst sei man im schlimms­ten Fall oh­ne Fahr- und Be­triebs­er­laub­nis und au­ßer­dem oh­ne Ver­si­che­rungs­schutz un­ter­wegs. In dem Fall zah­le die pri­va­te Haft­pflicht für Schä­den nicht, warnt der GDV.

Tom Ne­be, dpa

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