Was pas­siert mit den Da­ten?

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Abschied - Das di­gi­ta­le Er­be ge­winnt zu­neh­mend an Be­deu­tung VON JA­NA KORC­ZI­KOW­SKI

Frü­her war die Fra­ge, was mit dem Nach­lass pas­siert, ein­fa­cher zu be­ant­wor­ten. Wenn bei­spiels­wei­se Oma oder Opa ver­star­ben, durf­ten die Er­ben, meist Fa­mi­li­en­mit­glie­der, auch ent­schei­den, was mit per­sön­li­chen Ge­gen­stän­den pas­siert. Sol­len die al­ten Brie­fe auf dem Dach­bo­den weg­ge­wor­fen oder auf­ge­ho­ben wer­den? Es war frei­lich er­laubt, sie zu öff­nen, wenn es der Ver­stor­be­ne nicht im Tes­ta­ment un­ter­sagt hat. Bei Brie­fen auf Pa­pier ist das auch noch heu­te so, aber wie sieht es zum Bei­spiel mit elek­tro­ni­scher Post, al­so den E-Mails des Ver­stor­be­nen aus? Was pas­siert mit Pro­fi­len in so­zia­len Netz­wer­ken? In der mo­der­nen Zeit ist das In­ter­net all­ge­gen­wär­tig, bei­na­he je­der ist on­line und dort mehr oder we­ni­ger ak­tiv. Doch dür­fen die Er­ben ein­fach auf den di­gi­ta­len Nach­lass zu­grei­fen? Die recht­li­che La­ge ist um­strit­ten. Ei­ni­ge be­für­wor­ten die Ver­er­bung di­gi­ta­ler Da­ten. Sie ar­gu­men­tie­ren un­ter an­de­rem mit Ar­ti­kel 1967 des Bun­des­ge­setz­bu­ches. Laut die­sem ha­ben „Er­ben be­rech­tig­tes In­ter­es­se da­ran, Zu­gang zu den Da­ten des Ver­stor­be­nen zu er­hal­ten, da sie die Pflicht zur ord­nungs­ge­mä­ßen Nach­lass­ver­wal­tung und -ab­wick­lung trifft“. Eben­so wird da­mit ar­gu­men­tiert, dass der E-Mail-Ver­kehr des Ver­stor­be­nen et­wa noch auf of­fe­ne Rech­nun­gen über­prüft wer­den muss. In den USA gibt es be­reits zahl­rei­che di­gi­ta­le Nach­lass­ver­wal­ter. In Deutsch­land ent­ste­hen eben­falls nach und nach sol­che Un­ter­neh­men. Auch Be­stat­tungs­un­ter­neh­men ha­ben auf­ge­rüs­tet und bie­ten ver­mehrt ent­spre­chen­de Leis­tun­gen an. Es wird bei­spiels­wei­se ge­prüft, in wel­chen Por­ta­len der Ver­stor­be­ne re­gis­triert war.

Früh­zei­tig Ver­trau­te be­auf­tra­gen

Rat­sam ist, be­reits zu Leb­zei­ten die Hand­ha­bung mit sei­nen Da­ten zu re­geln. Am bes­ten be­auf­tragt man da­zu ei­ne Per­son sei­nes Ver­trau­ens, zum Bei­spiel ein Fa­mi­li­en­mit­glied, dem man al­le Kon­ten mit­samt Pass­wör­tern auf­lis­tet. Da­bei ist es wich­tig, die­se Lis­te zu pfle­gen und mit neu­en Ac­counts zu er­wei­tern. Die Voll­macht muss hand­schrift­lich ver­fasst sein. Es soll­te ab­ge­spro­chen wer­den, ob bei­spiels­wei­se im so­zia­len Netz­werk ei­ne Trau­er­mel­dung ge­schal­tet wird oder al­le Pro­fil­da­ten ge­löscht wer­den sol­len. Da­bei ist es sehr wich­tig, ge­wis­sen­haft mit den sen­si­blen Da­ten um­zu­ge­hen. Chat­ver­läu­fe oder E-MailVer­kehr be­tref­fen nicht nur die ver­stor­be­ne Per­son, son­dern auch den Ge­sprächs­part­ner. Es soll­te im di­gi­ta­len Tes­ta­ment ge­klärt sein, ob und wel­che Ge­sprä­che ein­ge­se­hen wer­den dür­fen. An Drit­te soll­ten sie in kei­nem Fall wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Bei Fra­gen zum di­gi­ta­len Nach­lass hel­fen die ört­li­chen Be­stat­tungs­un­ter­neh­men ger­ne wei­ter. Auch der Rat­ge­ber „Das Le­ben re­geln“vom Verlag der Augs­bur­ger All­ge­mei­nen lie­fert zum The­ma Nach­lass wert­vol­le In­for­ma­tio­nen, Tipps und Check­lis­ten.

„Das Le­ben re­geln“: Wis­sen für die Pra­xis

Rat­ge­ber von Ger­hard Zie­se­niss, für 9,95 Eu­ro er­hält­lich un­ter www.augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de/ shop

Fo­to: sde­co­ret, Fo­to­lia.com

Es ist sinn­voll, zu Leb­zei­ten zu klä­ren und nie­der­zu­schrei­ben, was mit dem di­gi­ta­len Nach­lass ge­schieht. So ge­lan­gen sen­si­ble Da­ten nicht in fal­sche Hän­de.

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