Eu­ro­pa in Sor­ge um Po­len

Nicht nur EU er­höht Druck auf Re­gie­rung

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik - VON DET­LEF DRE­WES

Brüs­sel/Ber­lin/War­schau

Tu­mult im Par­la­ment, ein Prä­si­dent, der sich ge­gen Re­gie­rungs­plä­ne stellt, und mas­si­ve Dro­hun­gen der EU in Sor­ge um die De­mo­kra­tie: Po­lens um­strit­te­ne Jus­tiz­re­form ist längst kei­ne in­ner­pol­ni­sche An­ge­le­gen­heit mehr. Aus Ber­lin mischt sich Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ein und spricht noch am Di­ens­tag mit Prä­si­dent An­drzej Du­da te­le­fo­nisch ver­trau­lich über „Rechts­staats­fra­gen“.

Wich­tigs­tes Ele­ment der Jus­tiz­re­form: Das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um soll die Obers­ten Rich­ter aus­wäh­len, nicht mehr der un­ab­hän­gi­ge Lan­des­rich­ter­rat. Kri­ti­ker be­fürch­ten ei­ne Un­ter­wan­de­rung der Jus­tiz durch die re­gie­ren­de Par­tei Recht und Ge­rech­tig­keit (PiS) von Ja­roslaw Kac­zyn­ski. In der Nacht zum Mitt­woch de­bat­tiert das Par­la­ment. Op­po­si­ti­ons­po­li­ti­ker wer­fen Kac­zyn­ski vor, er un­ter­gra­be die Ge­wal­ten­tei­lung und han­de­le da­mit dem Wil­len sei­nes ver­stor­be­nen Bru­ders, des Ex-Prä­si­den­ten Lech Kac­zyn­ski, zu­wi­der. Der PiS-Vor­sit­zen­de stürmt an das Red­ner­pult und be­schimpft sie als „Ka­nail­len“und „Ver­rä­ter“. Da­bei hat sein Par­tei­freund Du­da ge­ra­de in ei­nem Fern­seh­in­ter­view ver­langt, die Ge­set­zes­plä­ne zu über­ar­bei­ten.

St­un­den spä­ter holt die EU-Kom­mis­si­on ihr Ass aus dem Är­mel: Vi­ze­prä­si­dent Frans Tim­mer­m­ans („Die Rechts­staat­lich­keit ist be­droht“) kün­digt an: „An­ge­sichts der jüngs­ten Re­form ste­hen wir ganz kurz da­vor, Ar­ti­kel 7 aus­zu­lö­sen.“Was das heißt? Die Ge­samt­heit der üb­ri­gen Mit­glied­staa­ten kann ei­nem Land we­gen des Ver­sto­ßes ge­gen de­mo­kra­ti­sche Wer­te die Stimm­rech­te in al­len wich­ti­gen Gre­mi­en ent­zie­hen.

Ein hef­ti­ges In­stru­ment. War­schau dürf­te bei Fra­gen des Agraro­der Bin­nen­markts, in der In­nen­und Si­cher­heits­po­li­tik, ja nicht ein­mal mehr über die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen mit­re­den. Der Weg dort­hin ist weit, die not­wen­di­ge Ein­stim­mig­keit frag­lich. Aber es zählt wohl das Sym­bol: Auch so wä­re War­schau vor der Welt­öf­fent­lich­keit zu­tiefst bla­miert. Tim­mer­m­ans will den Kampf auf­neh­men: „Wir wer­den al­le Do­ku­men­te für ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren vor­be­rei­ten.“

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