Grü­ne wol­len kein neu­es Ge­wer­be­ge­biet

Stadt­rat Die Frak­tio­nen ha­ben zu­nächst ge­mein­sam an der Zu­kunft von Neu­säß ge­ar­bei­tet. Den­noch gibt es jetzt Streit

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Neu­säß, Stadt­ber­gen Und Um­ge­bung - VON JA­NA TAL­LE­VI

Neu­säß

Die­se Ent­schei­dung im Stadt­rat am heu­ti­gen Don­ners­tag­abend wird in die Zu­kunft von Neu­säß wei­sen: Das Gre­mi­um will die Auf­stel­lung des neu­en Flä­chen­nut­zungs­plans be­schlie­ßen. Er zeigt, wie und wo sich Neu­säß in den nächs­ten Jahr­zehn­ten ent­wi­ckeln könn­te. Platz zu fin­den, das ist ge­ne­rell gar nicht so ein­fach in ei­ner Stadt, die am Ran­de des Na­tur­parks Augs­burg West­li­che Wäl­der liegt und in de­ren Be­reich das FFH-Ge­biet des Schmut­ter­tals liegt. So hat­te es Bür­ger­meis­ter Richard Gr­ei­ner (CSU) auf der vor­her­ge­hen­den Sit­zung des Pla­nungs- und Um­welt­aus­schus­ses be­schrie­ben, in wel­cher der Ent­wurf von Ar­chi­tek­tin und Stadt­pla­ne­rin San­dra Ur­ba­ni­ak schon vor­ge­stellt wor­den war.

Sie hat­te un­ter an­de­rem auf mög­li­che Kon­flik­te hin­ge­wie­sen, die bei der Neu­auf­stel­lung ei­nes Flä­chen­nut­zungs­plans ent­ste­hen könn­ten. Ein klas­si­scher Kon­flikt ist da­bei je­ner zwi­schen Land­wirt­schaft und Bau­pla­nung. Hier geht es um den Flä­chen­ver­brauch. Flä­chen, die be­baut wer­den sol­len, ste­hen der Nah­rungs­mit­te­l­er­zeu­gung nicht mehr zur Ver­fü­gung. Auf der an­de­ren Sei­te wird in Neu­säß die Nach­fra­ge nach Wohn­raum vor­aus­sicht­lich wei­ter stei­gen, un­ter an­de­rem durch die ge­plan­te Uni­k­li­nik. Platz für neu­en Wohn­raum ist des­halb vor al­lem in Steppach vor­ge­se­hen. Nicht um je­den Preis wol­le man wach­sen, son­dern ein maß­vol­les Be­völ­ke­rungs­wachs­tum sol­le an­ge­strebt wer­den, be­schrieb es Bür­ger­meis­ter Richard Gr­ei­ner im Aus­schuss.

Wäh­rend die Stadt­rä­te Ul­rich En­gla­en­der (SPD) und In­ge St­ein­met­zMaas (FW) von ei­nem gu­ten Mit­ein­an­der bei der Aus­ar­bei­tung des Flä­chen­nut­zungs­plans im Vor­feld spra­chen, wol­len die Ver­tre­ter der Grü­nen den Ent­wurf als Gan­zes ab­leh­nen. Das ha­ben sie jetzt in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung an­ge­kün­digt. Grund da­für sei­en „we­sent­li­che Punk­te der Neu­aus­wei­sung von be­bau­ba­ren Flä­chen, die wir so nicht ak­zep­tie­ren kön­nen“, so Stadt­rat Micha­el Frey. Ein wich­ti­ger Grund da­bei sei die lang­fris­tig ge­plan­te groß­flä­chi­ge Er­wei­te­rung des Ge­wer­be­ge­biets Tä­fer­tin­gen-Nord nach Os­ten längs der Au­to­bahn bis über die An­schluss­stel­le Neu­säß hin­aus. „Wir se­hen hier­für kei­nen kon­kre­ten Be­darf und wol­len ver­hin­dern, dass so ei­ner wei­te­ren Zer­sie­de­lung un­se­rer Land­schaft Vor­schub ge­leis­tet, wei­te­re Acker­flä­chen ver­nich­tet und die Frisch­luft­schnei­se wei­ter ein­ge­engt wird“er­klär­te Frey. Im Ge­gen­zug, so Ur­ba­ni­ak, soll je­doch auf ei­ne Er­wei­te­rung des Ge­wer­be­ge­biets Neu­sä­ßNord in Tä­fer­tin­gen ver­zich­tet wer­den.

Stadt­rä­tin Ul­la Schwin­ge-Hai­nes er­klärt wei­te­re Kon­flikt­punk­te: „Die Um­wand­lung des Spit­zer-Are­als vom Misch­ge­biet in ein Wohn­ge­biet di­rekt an der Schmut­ter im Orts­teil Ham­mel leh­nen wir we­gen der Hoch­was­ser­ge­fahr ab.“Zu­dem hand­le es sich um ein öko­lo­gisch sen­si­bles Ge­biet. Hier sol­le gar nicht wei­ter ge­baut wer­den, eben­so we­nig wie nörd­lich der Ei­chen­stra­ße in Ham­mel, die im Na­tur­park lie­ge. Auch ei­ne Aus­wei­sung ei­ner in West­heim längs des Ko­bel­gra­bens und an der Bahn­li­nie ge­le­ge­nen Flä­che leh­nen die Grü­nen ab, da hier eben­falls ei­ne wei­te­re Be­bau­ung des Au­ßen­be­reichs, ho­he Kos­ten für Schall­schutz und durch ei­ne Er­schlie­ßung ei­ne un­nö­ti­ge Ver­sie­ge­lung von Grün- und Acker­flä­chen die Kon­se­quenz wä­re.

Die Grü­nen set­zen des­halb auf den Vor­rang der Nach­ver­dich­tung im In­nen­be­reich vor der Be­bau­ung des Au­ßen­be­reichs. Sie for­dern ein ge­ziel­tes Leer­stands­ma­nage­ment. Was in Neu­säß je­doch ex­trem schwie­rig sei, wie Bür­ger­meis­ter Gr­ei­ner auf ei­ner frü­he­ren Sit­zung des Pla­nungs­aus­schus­ses zum Flä­chen­nut­zungs­plan er­klärt hat­te. 14 Hekt­ar un­ge­nutz­te Grund­stü­cke, auf der Wohn­be­bau­ung mög­lich wä­ren, hat­te Stadt­pla­ne­rin San­dra Ur­ba­ni­ak im Rah­men der Vor­ar­bei­ten zum Flä­chen­nut­zungs­plan er­mit­telt. Nur: Zum ei­nen ge­be es bei den Ei­gen­tü­mern kaum die Be­reit­schaft, die Grund­stü­cke in ab­seh­ba­rer Zeit so zu nut­zen. Auch ver­kau­fen woll­ten die Ei­gen­tü­mer sel­ten. „Wir ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in­ten­si­ve Ge­sprä­che ge­führt. In den meis­ten Fäl­len kön­nen wir nicht kau­fen. Das ist in Neu­säß nun mal so“, be­schrieb der Bür­ger­meis­ter die Si­tua­ti­on im Vor­feld. O

Ter­min Der Stadt­rat trifft sich am heu ti­gen Don­ners­tag­abend, 27. Ju­li, um 18 Uhr im Sit­zungs­saal des Rat­hau­ses. Wird dem Ent­wurf des Flä­chen­nut zungs­plans mehr­heit­lich zu­ge­stimmt, liegt er zwei Mo­na­te lang öf­fent­lich aus.

„In den meis­ten Fäl­len kön nen wir nicht kau­fen. Das ist in Neu­säß nun mal so.“ Bür­ger­meis­ter Richard Gr­ei­ner

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