Was Schü­ler ver­lie­ren und ver­ges­sen

Fe­ri­en Haus­meis­ter Na­ta­le Man­no sam­melt Fund­stü­cke in der Re­al­schu­le Neu­säß. Vom Schul­jahr bleibt ei­ni­ges üb­rig

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburger Land - VON JES­SI­CA SOCHER

Neu­säß

Für Na­ta­le Man­no ist die letz­te Schul­wo­che vor den Som­mer­fe­ri­en Rou­ti­ne: Auch heu­er brei­tet er un­zäh­li­ge Ja­cken, Ta­schen, Hel­me, ei­nen Mal­kas­ten, ei­ne Trink­fla­sche und et­li­che Ka­pu­zen­pull­over auf dem Bo­den der Au­la aus. Her­ren­lo­se Stü­cke, die bis­her nicht ab­ge­holt wur­den.

Man­no ist seit sie­ben Jah­ren Haus­meis­ter in der Staat­li­chen Re­al­schu­le Neu­säß. Über das Schul­jahr kommt bei fast 1000 Schü­lern, 120 Leh­rern und wei­te­ren An­ge­stell­ten ei­ni­ges an Fund­sa­chen zu­sam­men. Da­bei hat das Aus­brei­ten der Ge­gen­stän­de vor den Fe­ri­en Sys­tem: Am In­halt der bei­den Fund­kis­ten, die un­ter dem Jahr in der Au­la und in der Turn­hal­le ste­hen und nun aus­ge­leert wer­den, lau­fen die Schü­ler und Leh­rer mehr­mals am Tag vor­bei. Manch ei­ner, der seit Mo­na­ten sucht, fin­det dort sein Ei­gen­tum wie­der. „Ir­gend­wann kom­men sie schon drauf“, sagt Na­ta­le Man­no und lacht, „und dann ho­len sie ih­re Sa­chen auch zu­rück.“Vie­les aber geht nie mehr an sei­ne Be­sit­zer zu­rück.

Da­mit es erst gar nicht so weit kommt, räu­men al­le Klas­sen ih­re Räu­me am letz­ten Schul­tag aus. Ver­lo­ren­ge­glaub­tes taucht wie­der auf, was nie­man­dem zu­ge­ord­net wer­den kann, wird zur Fund­kis­te ge­bracht: Schir­me, Müt­zen, Ja­cken. Wer nichts auf dem Au­l­a­bo­den wie­der­fin­det, wagt ei­nen Blick in die neu ge­füll­te Kis­te.

Da­mit kei­ne teu­ren Ge­gen­stän­de gestoh­len wer­den, teilt Man­no die Fund­stü­cke, die meist die Putz­frau­en an den Gar­de­ro­ben, Klas­sen­zim­mern oder Flu­ren fin­den, in zwei Ka­te­go­ri­en: „wert­voll“und „nicht wert­voll“. Din­ge wie Geld­beu­tel, teu­re Bril­len und Han­dys lan­den im Se­kre­ta­ri­at, oder Man­no ver­staut sie bei sich – nur nicht in der letz­ten Schul­wo­che. Dann liegt für ei­nen aus­ge­wähl­ten Tag selbst Wert­vol­les be­wacht auf ei­nem Tisch in der Au­la.

Auf­fäl­lig sei, sagt Man­no, dass be­son­ders die jün­ge­ren Kin­der viel ver­lie­ren. „Das merkt man an den klei­nen Grö­ßen der Klei­dungs­stü­cke“, er­klärt die gu­te See­le der Schu­le. Ju­gend­li­che und Leh­rer ver­lie­ren eher sel­ten ih­re Sa­chen.

Doch wie kann sich der Haus­meis­ter si­cher sein, dass das Fund­stück wirk­lich dem Schü­ler ge­hört und die­ser nicht lügt? „In Geld­beu­teln lie­gen oft noch Kar­ten oder Ähn­li­ches drin, an de­nen wir den Na­men er­ken­nen kön­nen. Oft ist es Glück, dass wir den rich­ti­gen Ei­gen­tü­mer fin­den“, er­zählt der Haus­meis­ter. Bei ei­nem ge­fun­de­nen Geld­schein wer­de hin­ge­gen ei­ne Durch­sa­ge ge­macht. Um den Ei­gen­tü­mer zu iden­ti­fi­zie­ren, wer­den Fra­gen ge­stellt wie: Wo und zu wel­chem Zeit­punkt ist der Schein ver­lo­ren ge­gan­gen?

Die gan­ze Schu­le ar­bei­tet in der letz­ten Wo­che zu­sam­men. Weg­ge­wor­fen wird nichts. Al­les, was nicht ab­ge­holt wird, spen­det die Schu­le an Be­dürf­ti­ge in Augs­burg und Um­ge­bung. Nur die wert­vol­len Sa­chen wer­den am En­de des Schul­jah­res nicht her­ge­schenkt. Die Ge­gen­stän­de wer­den ein wei­te­res Schul­jahr auf­be­wahrt. „Wä­re ja blöd, wenn der Ei­gen­tü­mer ge­nau an die­sem Tag krank ist“, sagt Man­no und lacht.

Fo­to: Andre­as Lo­de

Haus­meis­ter Na­ta­le Man­no von der Re­al schu­le Neu­säß zeigt die Fund­sa­chen, die am En­de des Schul­jahrs nicht ab­ge­holt wur­den.

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