Wo US Sol­da­ten Whis­key tran­ken

Ge­schich­te Das Of­fi­ziers­ka­si­no wur­de von den Na­zis ge­baut und vor al­lem von den Ame­ri­ka­nern ge­nutzt

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Region Augsburg - VON MI­RI­AM ZISS­LER

Augs­burg

Zu­letzt ist Kult­re­gis­seur Mar­cus H. Ro­sen­mül­ler durch die Räu­me ge­gan­gen. Er woll­te sich sel­ber ein Bild von dem Bau ma­chen, um fest­zu­stel­len, ob er als Ku­lis­se für sein Ki­no­pro­jekt „Traut­mann“pas­sen könn­te. Doch er pass­te nicht. Der Bau wur­de vie­le Jah­re un­ter der Ge­bäu­de­num­mer 180 ge­lis­tet. Dar­un­ter un­ter­hiel­ten die ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen wäh­rend ih­rer Zeit in Augs­burg das re­prä­sen­ta­ti­ve Haus: das Of­fi­ziers­ka­si­no.

Nach­dem die Streit­kräf­te der US- Gar­ni­son En­de 1998 Augs­burg ver- lie­ßen, wur­de das rund 70 Hekt­ar um­fas­sen­de Are­al der ehe­ma­li­gen She­rid­an-Ka­ser­ne ei­ner neu­en Nut­zung zu­ge­führt. Dort ent­stand ein mo­der­nes Wohn­ge­biet, Ge­wer­be sie­del­te sich an, die West­park­schu­le wur­de be­zo­gen und ein Park an­ge­legt. Auf dem Ge­län­de er­in­nert nicht mehr viel an die 53 Jah­re, in der das Are­al von US-Streit­kräf­ten als Ka­ser­ne ge­nutzt wur­de. Er­hal­ten sind das ehe­ma­li­ge Kom­man­dan­tur­ge­bäu­de, die Cha­pel, die Hal­le 116, die von April 1944 bis April 1945 als Au­ßen­la­ger des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers Dach­au dien­te und eben das Of­fi­ziers­ka­si­no. Letz­te­res wur­de von 1934 bis 1936 er­baut. Nach der Macht­er­grei­fung Hit­lers wur­den im Deut­schen Reich neue Ka­ser­nen ge­baut. Al­lein auf dem Pfer­se­er Acker­land wur­den drei neue Ka­ser­nen er­rich­tet: die Ge­ne­ral-Kneußl-In­fan­te­rie­ka­ser­ne, die Luft­nach­rich­ten­ka­ser­ne und die Hee­res­nach­rich­ten­ka­ser­ne. Die Ka­ser­nen wa­ren neun Jah­re im Be­trieb der Wehr­macht. Nach Kriegs­en­de wur­den sie von den US-Streit­kräf­ten über­nom­men und zu ei­ner Ka­ser­ne zu­sam­men­ge­führt: die She­rid­an-Ka­ser­ne.

Das Of­fi­ziers­ka­si­no, das über ein Ge­ne­ral-Ap­part­ment und ei­ne Trink­stu­be im Kel­ler­ge­wöl­be ver­fügt, wur­de von den Ame­ri­ka­nern über­wie­gend als Frei­zeit- und Re­prä­sen­ta­ti­ons­stät­te ge­nutzt. Ein rund 100 Qua­drat­me­ter gro­ßer Fest­saal ist mit ei­ner mas­si­ven dun­kel­höl­zer­nen Kas­set­ten­de­cke aus­ge­stat­tet – ein gro­ßes Wand­fres­ko zieht die Bli­cke der Be­su­cher auf sich. Dar­auf ist die Schlacht auf dem Lech­feld von 955 dar­ge­stellt. Ot­to Michael Schmitt, der auch die Fas­sa­de des We­ber­hau­ses am Mo­ritz­platz be­mal­te, schuf das Fres­ko im Jahr 1939.

Seit 2006 steht der NS-Bau, der sich im Ei­gen­tum der städ­ti­schen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft WBG be­fin­det, un­ter Denk­mal­schutz und schaff­te es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vor al­lem durch ei­nen är­ger­li­chen Vor­fall in die Nach­rich­ten: Zum Jah­res­wech­sel 2013/2014 wü­te­ten Ran­da­lie­rer in dem Ka­si­no und zer­schlu­gen 80 Jah­re al­te Fens­ter. Nun hat die Stadt Pla­ner be­auf­tragt, die sich über ei­ne mög­li­che Nut­zung Ge­dan­ken ma­chen. WBGGe­schäfts­füh­rer Mark Do­mi­nik Hop­pe: „Das ist gar nicht so ein­fach. Für ein Ho­tel ist es zu klein, für ei­nen gas­tro­no­mi­schen Be­trieb zu groß.“

Foto: A. Wall

Das Of­fi­ziers­ka­si­no auf dem Are­al der ehe­ma­li­gen She­rid­an Ka­ser­ne wur­de von den Na­zis er­baut. Es wur­de 2006 un ter Denk­mal­schutz ge­stellt.

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