Je­der so, wie er will

Gar­ten­pfle­ge Ge­pflegt oder ver­wil­dert – das ist Ge­schmacks­sa­che. Aber im Miet­ver­hält­nis gibt es Pflich­ten

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Immo-börse - VON HORST PE­TER WICKEL

In den war­men Mo­na­ten des Som­mers ge­nie­ßen vie­le Haus­be­sit­zer ih­ren Gar­ten. Da stößt es man­cher­orts sau­er auf, wenn man sei­ne ei­ge­ne grü­ne Oa­se hegt und pflegt, wäh­rend der Nach­bar al­les ver­wil­dern oder gar ver­wahr­lo­sen lässt.

Viel tun kann man nicht da­ge­gen, selbst wenn man durch Laub, Pol­len oder Na­deln des Nach­barn ei­nen er­höh­ten Rei­ni­gungs­auf­wand hat. Denn je­der Ei­gen­tü­mer ist be­rech­tigt, sei­nen Gar­ten so zu ge­stal­ten, wie er will. Nur wenn ein Grund­stück über Jah­re hin­weg in ei­nem sonst gärt­ne­risch ge­pfleg­ten Wohn­quar­tier kom­plett ver­wahr­lost, kann in Aus­nah­me­fäl­len im Rah­men des „nach­bar­li­chen Ge­mein­schafts­ver­hält­nis­ses“(Pa­ra­graf 242 BGB) ein Be­sei­ti­gungs­an­spruch be­ste­hen.

Heu­te wis­sen die meis­ten Haus­be­sit­zer, dass ein ge­pfleg­ter Gar­ten nicht nur schön an­zu­se­hen ist, son­dern auch er­heb­li­chen Ein­fluss auf den Wert ei­ner Im­mo­bi­lie hat. Nach An­ga­ben von er­fah­re­nen Im­mo­bi­li­en­mak­lern kann der Zu­stand des Grund­stücks beim er­ziel­ba­ren Ver­kaufs­preis ei­nen Un­ter­schied von 10000 bis 50000 Eu­ro aus­ma­chen. Wäh­rend ein ver­wil­der­ter Vor­gar­ten die ers­ten In­ter­es­sen­ten schon ab­schreckt, ist ei­ne schön ge­stal­te­te, gut ge­pfleg­te Grün­an­la­ge als po­si­ti­ve Vi­si­ten­kar­te ei­ner Im­mo­bi­lie zu be­trach­ten.

We­der Kennt­nis­se, noch Kos­ten

Mie­ter sind in der Re­gel ver­pflich­tet, sich re­gel­mä­ßig um den Gar­ten ih­rer Miet­woh­nung oder des von ih­nen ge­mie­te­ten Hau­ses zu küm­mern. Selbst ein­fa­che For­mu­lie­run­gen im Miet­ver­trag, wie zum Bei­spiel „Die Gar­ten­pfle­ge über­nimmt der Mie­ter“, rei­chen aus. Die per­sön­li­chen Auf­ga­ben des Mie­ters stel­len dann ein­fa­che Tä­tig­kei­ten dar, die we­der Fach­kennt­nis­se vor­aus­set­zen noch gro­ße Kos­ten mit sich brin­gen, wie zum Bei­spiel Laub har­ken, Ra­sen mä­hen oder Un­kraut jä­ten. Der Mie­ter kann dann auch selbst ent­schei­den, wie oft die Ar­bei­ten durch­ge­führt wer­den müs­sen – so­lan­ge der Gar­ten in der Zwi­schen­zeit nicht ver­wahr­lost.

Wenn sich Mie­ter nicht um ei­nen gu­ten Zu­stand des Gar­tens küm­mern, kön­nen Ver­mie­ter un­ter Um­stän­den ei­nen Gärt­ner be­stel­len und die Kos­ten ih­rem Mie­ter auf­er­le­gen. Al­ler­dings nur dann, wenn der Mie­ter kei­ne „fach­ge­rech­te Ei­gen­leis­tung“er­bracht hat. Hat er näm­lich aus ei­nem vor­her ein­wand­frei­en Ra­sen ei­ne blü­hen­de Wie­se ge­macht, weil ihm das bes­ser ge­fällt, und er die­se auch pflegt, darf er das.

Wenn sich Mie­ter und Ver­mie­ter ei­nig sind, kann der Ver­mie­ter selbst sol­che Gar­ten­pfle­ge­ar­bei­ten auf den Mie­ter über­tra­gen, die be­son­de­re Fach­kennt­nis­se er­for­dern. Zu sol­chen Tä­tig­kei­ten zäh­len bei­spiels­wei­se die re­gel­mä­ßi­ge Neu­be­pflan­zung, das Be­schnei­den von Bäu­men und Bü­schen, Ver­ti­ku­tie­ren oder Dün­gen. An­wäl­te emp­feh­len in die­sen Fäl­len, in die schrift­li­che Ver­ein­ba­rung ei­ne nach Jah­res­zei­ten ge­trenn­te Auf­zäh­lung der über­tra­ge­nen Ein­zel­auf­ga­ben auf­zu­neh­men.

Schwie­ri­ger wird es, wenn Mie­ter ei­nes Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses die Gar­ten­pfle­ge ge­mein­sam über­neh­men. Ver­ein­ba­run­gen zur Auf­ga­ben­ver­tei­lung müs­sen Mie­ter ei­nes Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses un­ter­ein­an­der und mög­lichst ge­mein­schaft­lich tref­fen. Wenn es un­ter den Mie­tern kei­ne Un­ei­nig­kei­ten gibt, sind die Gestal­tung und das Aus­maß der Gar­ten­pfle­ge je­dem Mie­ter selbst über­las­sen.

So­fern sich nie­mand durch Lär­mo­der Ge­ruchs­be­läs­ti­gung ge­stört fühlt, kön­nen sie dann auch Obst oder Ge­mü­se zur Selbst­ver­sor­gung an­bau­en oder ei­ne Schau­kel auf­stel­len. Nur in Ex­trem­fäl­len, al­so bei ei­ner dau­er­haf­ten kom­plet­ten Ver­wahr­lo­sung des Gar­tens kann der Ver­mie­ter den Miet­ver­trag so­gar kün­di­gen.

Fo­to: Kraxc­zyk Fo­to, In­go Bar­tus­sek; bei­de Fo­to­lia.com

Des ei­nen Freud, des an­de­ren Leid. Wie der Gar­ten ge­stal­tet ist – es gibt im­mer je­man­den, der es an­ders schö­ner fän­de. Doch ver pflich­tet ist man zu nichts, au­ßer es ist im Miet­ver­trag an­ders fest­ge­hal­ten.

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