Der kras­se Ge­gen­satz von Kunst und Ge­dan­ken­welt

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Feuilleton -

Welt­krieg kein Wort der Reue, al­ler­dings schreibt der fast 80-Jäh­ri­ge sei­ne Bio­gra­fie um und sti­li­siert sich zum Op­fer. Mit Er­folg. Nol­de er­fährt zahl­rei­che Eh­run­gen und wird 1955, ein Jahr vor sei­nem Tod, auf die ers­te Do­cu­men­ta ge­la­den. Das kommt ei­ner Ab­so­lu­ti­on gleich, die den Blick auf sei­ne Per­son lan­ge ver­stellt. Die For­schung be­ginnt je­den­falls spät, ge­nau­er hin­zu­se­hen. Und wenn man jetzt durchs „Mu­se­um der Phan­ta­sie“geht, fällt vor al­lem das Bi­zar­re auf, das ei­ne voll­kom­me­ne Ge­gen­welt zu den pa­the­tisch auf­ge­pump­ten Kör­pern na­zis­ti­scher Kun­sti­dea­le bil­det: das „Tol­le Weib“(1919), das sei­nem gie­ri­gen Pu­bli­kum den blan­ken Hin­tern hin­streckt; die blau­en Geis­ter­ge­stal­ten im „Früh­mor­gen­flug“(1940); und erst recht die „Er­reg­ten Men­schen“(1913), die in ih­rer grel­len Far­big­keit so kühn sind, dass man sich fragt, wie Nol­de das mit sei­ner Ge­sin­nung zu­sam­men­ge­bracht hat. O

„Nol­de. Die Gro­tes­ken“läuft bis zum 15. Ok­to­ber im Buch heim Mu­se­um in Bern­ried am Starn­ber ger See. Öff­nungs­zei­ten: Di­ens­tag bis Sonn­tag und an Fei­er­ta­gen 10 bis 18 Uhr. Bei Hat­je Cantz ist ein reich be­bil­der­ter Ka­ta­log er­schie­nen (29,80 ¤).

Aus­stel­lung

Fo­tos: pic­tu­re al­li­an­ce/akg images; © Nol­de Stif­tung Seebüll/Buch­heim Mu­se­um

Emil Nol­de im ho­hen Al­ter in ei­ner Auf­nah­me aus dem Jahr 1952 (oben). Die bei­den Bil­der dar­un­ter, das „Tol­le Weib“(links) und „Be­geg­nung am Strand“, ent­stan­den 1920 und sind der­zeit in der Nol­de Son­der­aus­stel­lung im Buch­heim Mu­se­um Bern­ried zu be­sich­ti­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.