Schlem­men, lau­schen und aus­gie­big fei­ern

Kul­turi­na Das drei­tä­gi­ge Gerst­ho­fer Fest wächst von Jahr zu Jahr. Das ku­li­na­ri­sche und mu­si­ka­li­sche An­ge­bot über­zeugt auch heu­er tau­sen­de Be­su­cher: Die Ver­an­stal­ter rech­nen gar mit ei­nem Be­su­cher­re­kord. Was be­son­ders gut an­kommt

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburger Land - VON SVEN KOUKAL UND GE­RALD LIND­NER

Gerst­ho­fen

Drei Büh­nen, 40 Kon­zer­te und Pro­gramm­punk­te, un­zäh­li­ge Es­sens­stän­de, Künst­ler und vor al­lem gu­te Lau­ne das gan­ze Wo­che­n­en­de über: Beim Gerst­ho­fer Kul­turi­na-Fes­ti­val jagt ein Hö­he­punkt den nächs­ten. Das bun­te Pro­gramm kommt auch heu­er bei den Tau­sen­den Be­su­chern gut an.

Ge­bo­ten ist an al­len Ecken et­was. Am Sonn­tag­nach­mit­tag ha­ben auch ei­ni­ge Lä­den of­fen, et­wa im Ci­ty­Cen­ter oder im He­ry-Park. An der lan­gen Schlan­ge im Stadt­park beim baye­ri­schen Dö­ner des gleich­na­mi­gen Stands aus Schro­ben­hau­sen schie­ben sich Hel­ga und Fritz Thiel nur mit Mü­he vor­bei. Die bei­den sind aus In­nin­gen mit dem Mo­tor­rad nach Gerst­ho­fen ge­fah­ren. „Für uns macht es die Mi­schung aus Kul­tur und Es­sen“, er­klärt Hel­ga Thiel. Das Wet­ter spie­le ih­nen in die Kar­ten, schließ­lich streift es sich mit der Le­der­kom­bi nur bei an­ge­neh­men Tem­pe­ra­tu­ren ent­spannt durch die gut ge­füll­ten We­ge der Ver­an­stal­tung.

Vor­bei an den Be­su­cher­mas­sen bahnt sich der zwei­ein­halb­jäh­ri­ge Ben sei­nen Weg auf dem Platz vor dem Bal­lon­mu­se­um. Wäh­rend Va­ter Alex­an­der Bühr­ke vom Ori­gi­nal­au­to am Stand der Lech­wer­ke an­ge­tan ist, fährt sein Sohn auf die Mi­ni-Va­ri­an­te ab: An­fangs mit ei­ni­gen Ruck­lern, hat er es schnell ver­stan­den, wie er mit dem Kin­derElek­tro­au­to sei­nem Va­ter da­von­braust. „Zu Hau­se ist er mit Drei­rad und Rol­ler un­ter­wegs, er lernt schnell da­zu“, sagt Pa­pa Alex­an­der.

Der Die­dor­fer wohn­te bis im ver­gan­ge­nen Jahr mit sei­ner Fa­mi­lie in Gerst­ho­fen und kennt die Kul­turi­na seit der ers­ten Stun­de: Als An­woh­ner ha­be er stets ei­nen kur­zen Weg zum Ge­län­de ge­habt, war je­des Jahr mit da­bei. Auch heu­er lässt er sich das Fes­ti­val nicht ent­ge­hen. „Das Fest wächst zu­neh­mend. Die Es­sen­stän­de wer­den im­mer hoch­wer­ti­ger, was ich sehr gut fin­de“, be­rich­tet er.

Mit kal­ten Ge­trän­ken er­frischt sich der­weil Chris­ti­ne Jo­der auf ei­ner der Bän­ke un­ter ei­nem Son­nen- im Stadt­park. Sie ist gleich dran bei der nächs­ten Schicht am Stand der Kol­pings­fa­mi­lie. Je­weils al­le drei St­un­den lö­sen sich ver­schie­de­ne Teams beim Piz­zaba­cken ab, wie Kla­ra Si­mon er­zählt. Und bei den Men­schen­mas­sen an den Aben­den, aber auch am Sonn­tag­nach­mit­tag ist das Fließ­band­ar­beit.

Die acht­jäh­ri­ge Son­ja macht in­zwi­schen bei ei­nem Baum­pflanz­kurs im Bal­lon­mu­se­um mit. Dort kön­nen sich die Kin­der ver­schie­de­ne Sa­men aus­su­chen und selbst in ei­nen klei­nen Topf pflan­zen. Lär­che, Esche, Ro­t­ahorn, aber auch Mam­mut­baum ste­hen da zur Aus­wahl. Son­ja hat sich für Esche ent­schie­den. Mit et­was Glück wird sie ihn in ei­ni­gen Jah­ren als Baum im el­ter­li­chen Gar­ten be­wun­dern kön­nen.

Über den Be­su­cher­an­sturm freut sich Mu­se­ums­lei­ter Tho­mas Wier­cin­ski: „Es ist sehr zu­frie­dens­tel- lend, wie vie­le Men­schen das Mu­se­um, den Künst­ler­markt und die Füh­run­gen be­su­chen.“Weil am Sams­tag­nach­mit­tag zeit­wei­se Wind weh­te, muss­te die Bal­lon­ku­gel des Flug­si­mu­la­tors am Bal­lon­mu­se­um ab­ge­nom­men wer­den. Der Korb wä­re sonst in 100 Me­tern, wo es noch stär­ker blies, in ge­fähr­li­ches Schwan­ken ge­ra­ten. Oh­ne Bal­lon klappt’s aber.

Aus dem Stau­nen kommt der­weil Se­nio­rin So­fi Scheid­ter nicht mehr her­aus. Die Hun­de­show von Künst­ler Ro­d­ri­gue zu­sam­men mit dem fünf­jäh­ri­gen Draht­haar­ter­ri­er LouLou auf der Kul­turi­na Piaz­za be­geis­tert die Neu­säs­se­rin. „Wie un­ter­halt­sam und kurz­wei­lig die Kunst­stü­cke sind: wun­der­bar“, sagt sie, wäh­rend der Hund ei­nen Sal­to schlägt.

Wei­ter geht es auf der Piaz­za mit dem Ver­ti­cal Thea­ter. Die Vor­füh­schirm rung schau­en sich der sie­ben­jäh­ri­ge Fre­de­rik und sein drei Jah­re jün­ge­rer Bru­der Ja­nis ganz ge­bannt an. Künst­ler Noah muss auf die Toi­let­te – doch die­se be­fin­det sich in luf­ti­gen vier Me­tern Hö­he. Er klet­tert und fällt, klet­tert und fällt. Die Slap­sti­ckund Akro­ba­tik­num­mer kommt be­son­ders beim Nach­wuchs gut an. In­ga und Hans-Eber­hard von Rochow sind froh, am Früh­stücks­tisch ent­schie­den zu ha­ben, zu­sam­men mit den Kin­dern auf die Kul­turi­na zu ge­hen: „Wir sind gleich beim ers­ten Pu­bli­kums­ma­gne­ten ste­hen­ge­blie­ben. Es ge­fällt uns hier sehr gut.“

Nur we­ni­ge Me­ter wei­ter kämpft sich der sie­ben­jäh­ri­ge Max Mau­rer bis nach oben zur Glo­cke auf der neun Me­ter ho­hen Klet­ter­wand der Deut­schen Al­pen­ver­ein-Sek­ti­on Gerst­ho­fen. Bis zu 400 Kin­der pro­bie­ren sich hier am Wo­che­n­en­de aus, schätzt Andre­as Ku­bis, der den Stand be­auf­sich­tigt. „Man­che sind Ta­len­te, an­de­re be­kom­men Hö­hen­angst“, er­klärt er. Max bleibt auf hal­bem Weg ste­cken, dann lässt die Kraft nach.

Ein Strah­len im Ge­sicht hat Or­ga­ni­sa­to­rin Ve­ro­ni­ka Wan­nin­ger. Sie ist die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Ver­eins Le­ben­di­ge In­nen­stadt Gerst­ho­fen und bi­lan­ziert: „Es war noch mehr los als im Vor­jahr.“Wan­nin­ger lobt den Ein­satz der rund 30 Hel­fer, die das Wo­che­n­en­de über auf der Kul­turi­na im Ein­satz sind. „Mitt­ler­wei­le sind wir ein ein­ge­spiel­tes Team“, sagt sie und strahlt.

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Fo­to: Mar­cus Merk

Vie­le Be­su­cher lockt es bei der Kul­turi­na heu­er auf die gro­ße Büh­ne auf dem Rat­haus­platz: Das gan­ze Wo­che­n­en­de über fan­den hier zahl­rei­che Kon­zer­te und Vor­füh­run­gen statt. Auch auf den an­de­ren bei­den Büh­nen im Stadt­park und beim Was­ser­turm war ei­ni­ges ge­bo­ten.

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