Zwei Frau­en, ein Pro­jekt

Klas­sik So­pran-Shoo­ting­star Han­na-Elisabeth Mül­ler hat­te ei­ge­ne Vor­stel­lun­gen von ih­rer ers­ten So­lo-CD. Plat­ten-La­bels schreck­te das ab. Dann lern­te sie die Augs­bur­ge­rin Iris St­ei­ner ken­nen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Feuilleton Regional - VON STE­FAN DOSCH

Ei­nem brei­te­ren Pu­bli­kum be­kannt ge­wor­den ist Han­na-Elisabeth Mül­ler im ver­gan­ge­nen Ja­nu­ar. Da sang die So­pra­nis­tin beim Er­öff­nungs­kon­zert der Ham­bur­ger Elb­phil­har­mo­nie in Beet­ho­vens 9. Sin­fo­nie, ein En­ga­ge­ment, zu dem sie qua­si über Nacht ge­kom­men war als Ein­sprin­ger für ei­ne er­krank­te Kol­le­gin. Fern­seh­sen­der über­tru­gen weit­hin das Er­eig­nis aus dem spek­ta­ku­lä­ren neu­en Kon­zert­saal.

Wem die Stim­me der jun­gen Sän­ge­rin ge­fiel und wer sich des­halb nach ei­ner Plat­te von ihr um­sah, der blick­te je­doch bis vor Kur­zem ins Lee­re. Was in­so­fern un­ge­wöhn­lich ist, als Han­na-Elisabeth Mül­ler in der Sän­ger­sze­ne schon seit ei­ni­ger Zeit kei­ne Un­be­kann­te mehr ist. 2014 ge­lang ihr der Durch­bruch bei den Salz­bur­ger Os­ter­fest­spie­len, die Zeit­schrift Opern­welt kür­te sie zur Sän­ge­rin des Jah­res, an der Baye­ri­schen Staats­oper war sie in ver­schie­de­nen Par­ti­en zu er­le­ben, in­zwi­schen hat sie so­gar En­ga­ge­ments an der Mai­län­der Sca­la und an der Met in New York. Dass da noch kein Plat­ten­la­bel an­ge­sprun­gen war, ist auch des­halb un­ge­wöhn­lich, weil Mül­ler nicht nur sehr gut singt, son­dern über­dies – wich­tig im heu­ti­gen Klas­sik­busi­ness – ei­ne at­trak­ti­ve Er­schei­nung ist.

Nun aber steht die ers­te So­lo-CD der 32-Jäh­ri­gen in den Re­ga­len. Un­ter dem Ti­tel „Traum­ge­krönt“ver­sam­melt die Plat­te Lie­der von Strauss, Berg und Schön­berg. Dass die CD über­haupt ent­stand, ge­schah mit Augs­bur­ger Hil­fe, denn Pro­du­zen­tin ist Iris St­ei­ner.

Vor zwei Jah­ren hat­te die Augs­bur­ge­rin den Tipp be­kom­men, sich die Sän­ge­rin doch mal an­zu­hö­ren. Die Fach­frau für Kultur-PR fuhr nach Ams­ter­dam, wo Han­na-Elisabeth Mül­ler als So­phie im „Ro­sen­ka­va­lier“auf­trat. Im Ge­spräch mit der Sän­ge­rin stell­te sich rasch her­aus, dass Mül­ler ger­ne ein CD-Pro­gramm auf­neh­men wür­de, dass es wohl auch schon die ein oder an­de­re Son­die­rung zu Klas­sik-La­bels ge­ge­ben hat­te – dass Mül­ler aber ei­ne Plat­te nur dann auf­neh­men woll­te, wenn sie, die Sän­ge­rin, das künst­le­ri­sche Heft in der Hand be­hiel­te.

Was im Kl­ar­text hieß: Das Pro­gramm be­stimm­te sie – kei­ne Opern­schla­ger, son­dern ei­ne aus­ge- feil­te Fol­ge von Lie­dern; und nicht ir­gend­ei­nen Kla­vier­be­glei­ter zur Sei­te – son­dern Ju­lia­ne Ruf, mit der sie seit Lan­gem Lie­der­aben­de gibt. Be­din­gun­gen ei­ner jun­gen Sän­ge­rin, auf die sich nie­mand ein­las­sen woll­te. Iris St­ei­ner aber sag­te: „Dann ma­che eben ich die Pro­duk­ti­on.“

Ge­sagt, ge­tan. St­ei­ner sah sich nach ei­nem Auf­nah­me­stu­dio um, zog letzt­lich doch ein La­bel an Land, buch­te Ho­tel­zim­mer für die Zeit der Auf­nah­me in Berlin, küm­mer­te sich vor al­lem um die fi­nan­zi­el­le Sei­te der Pro­duk­ti­on. Mül­ler lern­te sie da­bei als ei­ne Per­fek­tio­nis­tin ken­nen, die ih­re ganz ei­ge­nen Vor­stel­lun­gen hat. Das ist der Plat­te an­zu­se­hen: Kein Co­ver, das ei­ne Sän­ge­rin in Wal­le-Ro­be und Di­venPo­se zeigt; son­dern ei­nes, das auch die Neu­ver­öf­fent­li­chung ei­ner Pop­sän­ge­rin zie­ren könn­te.

Dass der Sän­ge­rin viel am Er­schei­nungs­bild ih­rer ers­ten CD lag, zeigt auch ein an­ders De­tail. Im Book­let stößt man auf die Wer­be­sei­te ei­ner Augs­bur­ger Uh­ren­ma­nu­fak­tur – ein Bild von Han­na-Elisabeth Mül­ler mit dem Satz, die Sän­ge­rin tra­ge hier „das von ihr de­sign­te Mo­dell“. Ein er­fun­de­ner Wer­be­spruch? „Von we­gen“, sagt Iris St­ei­ner. Han­na-Elisabeth Mül­ler sei ei­gens nach Augs­burg ge­kom­men und ha­be der Uh­ren­schmie­de ih­re Vor­stel­lun­gen dar­ge­legt.

Für St­ei­ner war es das ers­te Mal, dass sie ein sol­ches CD-Pro­jekt als Pro­du­zen­tin be­glei­te­te, Wie­der­ho­lung vor­erst nicht in Sicht. Um­so mehr freut sie sich, dass „Traum­ge­krönt“be­reits ers­te her­vor­ra­gen­de Kri­ti­ken ein­ge­fah­ren hat. Kein Wun­der: Beim Hö­ren er­liegt man schnell der in den an­spruchs­vol­len Strauss-Lie­dern durch­weg ho­mo­gen ge­führ­te Stim­me, ih­rer Mü­he­lo­sig­keit und Wär­me, aber auch der ge­schmack­vol­len Aus­dif­fe­ren­zie­rung der Stim­mun­gen. Ei­ne Sän­ge­rin, von der man noch man­ches hö­ren wird; und ei­ne CD, die her­aus­sticht aus der Flut schnell her­bei­ge­zim­mer­ter Stan­dard­pro­duk­tio­nen. O Traum­ge­krönt ist beim La­bel Bel­ve de­re er­schie­nen.

Fo­to: Ul­rich Wa­gner

Durch den Tipp ei­nes Be­kann­ten ist Iris St­ei­ner auf die Sän­ge­rin Han­na Elisabeth Mül­ler auf­merk­sam ge­wor­den. Als Pro­du­zen­tin hat St­ei­ner die ers­te So­lo CD der So­pra­nis­tin her­aus­ge­bracht. In der Hand hält sie ein Klas­sik­ma­ga­zin, das Han­na Elisabeth Mül­ler zeigt.

Han­na Elisabeth Mül­ler

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