Der Stra­ßen­wahl­kampf ist in vol­lem Gang

Ord­nung An wel­chen Plät­zen und Or­ten die Par­tei­en nicht pla­ka­tie­ren dür­fen und wel­che Auf­la­gen ih­nen die Stadt dar­über hin­aus macht. War­um Pla­ka­te im­mer wie­der ein Fall für die Po­li­zei wer­den

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON MICHA­EL HÖR­MANN

Ge­zählt hat sie nie­mand, aber sie ge­hö­ren in die­sen Ta­gen zum Stadt­bild: Wahl­pla­ka­te der Par­tei­en hän­gen an vie­len Stra­ßen. Sie stim­men auf die Bun­des­tags­wahl am Sonn­tag, 24. Sep­tem­ber, ein. Höchst un­ter­schied­lich ist die Aus­wahl der Mo­ti­ve. Noch sind es in den meis­ten Fäl­len die po­li­ti­schen Bot­schaf­ten der Par­tei­en, ver­ein­zelt lä­cheln be­reits die Kan­di­da­ten Pas­san­ten und Au­to­fah­rern ent­ge­gen. Ein­zel­ne Pla­ka­te sind ver­un­stal­tet, ei­ni­ge sind ab­ge­ris­sen und lie­gen am Bo­den.

„Sach­be­schä­di­gun­gen von Wahl­pla­ka­ten gibt es im­mer wie­der“, sagt Sieg­fried Hart­mann, Pres­se­spre­cher der Po­li­zei. Ex­ak­te Zah­len las­sen sich kaum er­mit­teln, weil die De­lik­te un­ter „Sach­be­schä­di­gung“fir­mie­ren. Die SPD hat­te jüngst an­ge­zeigt, dass mehr als 100 Pla­ka­te mut­wil­lig zer­stört und ab­ge­ris­sen wor­den sei­en. Die Ta­ten er­eig­ne­ten sich haupt­säch­lich in Pfer­see und im Dom­vier­tel. Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Ulrike Bahr, die wie­der für den Bun­des­tag kan­di­diert, ist ver­är­gert: „Pla­kat­van­da­lis­mus ist kein Ka­va­liers­de­likt.“Da­her sei An­zei­ge er­stat­tet wor­den. Die Po­li­zei nimmt die An­zei­gen auf. Al­ler­dings sei es schwie­rig, sagt Hart­mann, die Straf­tä­ter zu er­mit­teln. „Im Ge­gen­satz zu Graf­fi­ti-Spray­ern, die ih­re ei­ge­ne Hand­schrift hin­ter­las­sen, ist dies bei Pla­kat­zer­stö­rern nicht der Fall.“Es ha­be al­ler­dings Fäl­le ge­ge­ben, in de­nen Pla­kat­zer­stö­rer von ei­ner Po­li­zei­strei­fe auf fri­scher Tat er­tappt wur­den. Hilf­reich sei, wenn Bür­ger ih­re Be­ob­ach­tun­gen der Po­li­zei mit­tei­len, soll­ten sie Sach­be­schä­di­gun­gen un­mit­tel­bar wahr­neh­men.

Die Stadt ist zu­stän­dig, wel­che Re­ge­lun­gen im Wahl­kampf gel­ten. Es gibt ei­ne vom Stadt­rat be­schlos­se­ne Ver­ord­nung, die erst­mals für die Bun­des­tags­wahl gilt. Dem­zu­fol­ge dür­fen Par­tei­en, Wäh­ler­grup­pen und Kan­di­da­ten bis zu zehn Wo­chen vor der Wahl ih­re Pla­ka­te an­brin­gen. In die­sem Jahr wa­ren SPD und FDP Früh­star­ter. Die CSU ließ sich Zeit. Bei ihr ste­hen die Pla­ka­te acht Wo­chen vor der Wahl. „Das muss rei­chen“, ließ Be­zirks­chef Jo­han­nes Hin­ters­ber­ger ver­lau­ten.

Es gibt die Vor­ga­be, dass die ma­xi­ma­le Grö­ße der Pla­ka­te auf zwei Qua­drat­me­ter be­schränkt ist. Es gilt je­doch ei­ne Aus­nah­me: So­ge­nann­te Wes­sel­män­ner sind er­laubt. Da­hin­ter ver­birgt sich ein im Po­li­tik­be­trieb fest­ste­hen­der Be­griff für die Wahl­wer­bung der Bochu­mer Fir­ma Wes­sel­mann. Sie ist bun­des­weit kon­kur­renz­los mit ih­rem Pro­dukt. Die Pla­ka­te sind ge­normt: 3,70 mal 2,90 Me­ter sind sie groß.

Auch wenn der Ein­druck ent­ste­hen kann, dass Pla­ka­te na­he­zu an je­der Stra­ßen­ecke ste­hen, sei dies so nicht zu­tref­fend, sagt Ord­nungs­re­fe­rent Dirk Wurm: „In der un­mit­tel­ba­ren Um­ge­bung von un­ter Denk­mal­schutz ste­hen­den Bau­wer­ken und Na­tur­denk­mä­lern ist Pla­ka­tie­rung nicht er­laubt.“Dar­über hin­aus hat die Stadt Stra­ßen und Plät­ze be­stimmt, an de­nen ein Pla­ka­tie­rungs­ver­bot gilt. Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem Ul­richs­platz, Dom­vor­platz, Rat­haus­platz, Eli­as-Holl­Platz, Kö­nigs­platz, Theo­dor­Heuss-Platz, Mo­ritz­platz und Mar­tin-Lu­ther-Platz. Auch gro­ße Stra­ßen in der In­nen­stadt sol­len von Wahl­pla­ka­ten frei ge­hal­ten wer­den. Dar­un­ter fal­len Ma­xi­mi­li­an­stra­ße, Ka­ro­li­nen­stra­ße, Hoher Weg, Bür­ger­meis­ter-Fi­scher-Stra­ße, Phil­ip­pi­ne-Wel­ser-Stra­ße und An­na­stra­ße. Au­ßer­dem fal­len die Fug­ge­rei, der Fünf­fin­ger­le­sturm so­wie das Wertach­bru­cker Tor und das Ja­ko­ber­tor un­ter die­se Re­ge­lung.

Er­laubt ist es, mit Pla­ka­ten an Bäu­men zu wer­ben. Auch dass zwei Par­tei­en ei­nen Baum nut­zen, ist schon vor­ge­kom­men. Nicht zu­läs­sig ist es, Pla­ka­te durch Klam­mern, Nä­gel oder Kle­ber zu be­fes­ti­gen.

Ei­nes hat die Stadt in ih­rer Ver­ord­nung klar for­mu­liert: Spä­tes­tens ei­ne Wo­che nach der Wahl sol­len die Pla­ka­te von den Stra­ßen ent­fernt sein. Da­mit wä­re Augs­burg ab Ok­to­ber wie­der „wahl­kampf­frei“. Ste­hen Plakat­trä­ger deut­lich län­ger auf öf­fent­li­chen Ver­kehrs­flä­chen, so wer­den die­se oh­ne wei­te­re Vor­an­kün­di­gung auf Kos­ten des Ver­ur­sa­chers ent­fernt, sagt Wurm.

Fo­tos: Sil­vio Wy­szen­grad

So wie hier an der Haun­stet­ter Stra­ße ha­ben die Par­tei­en zur Bun­des­tags­wahl pla­ka­tiert.

„Wes­sel­mann“nen­nen sich die über­gro­ßen Wahl­pla­ka­te. Die­ses steht an der Bür­ger meis­ter Acker­mann Stra­ße.

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