Wie fährt der Bus, wenn die Tram kommt?

Ver­kehr Die Stra­ßen­bahn könn­te bis nach Neu­säß ver­län­gert wer­den. CSU-Po­li­ti­ker be­fürch­ten, dass sich das ne­ga­tiv auf den Holz­win­kel aus­wirkt. Ih­re Sor­ge: Es könn­ten dann we­ni­ger Busse fah­ren

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Holzwinkel, Roth- Und Zusamtal - VON MA­NUE­LA BAU­ER

Holz­win­kel

Wird der Holz­win­kel ab­ge­hängt, wenn die Stra­ßen­bahn nach Neu­säß kommt? Das be­fürch­ten CSU-Ver­tre­ter aus Adels­ried, Bon­stet­ten und Welden. Sie for­dern, dass sich die Ver­kehrs­an­bin­dung der Holz­win­kel­ge­mein­den nicht ver­schlech­tert. Ih­re Sor­ge: Durch die Stra­ßen­bahn­ver­län­ge­rung könn­ten die Busse sel­te­ner aufs Land fah­ren.

Lud­wig Lenz­gei­ger, Ge­mein­de­rat in Adels­ried und Kreis­vor­sit­zen­der der Jun­gen Uni­on, er­klärt, wie es zu die­ser Sor­ge kommt: „Wir sind im öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr na­he­zu voll­stän­dig über Neu­säß an­ge­schlos­sen.“Es ge­be nur ganz we­ni­ge Au­to­bahn­bus­se, die meis­ten Li­ni­en­bus­se fah­ren über Neu­säß und Ay­stet­ten in den Holz­win­kel. Wenn nun aber die Stra­ßen­bahn der Li­nie 2 oder 5 ver­län­gert wird, so wie es seit ei­ni­gen Mo­na­ten im Ge­spräch ist, dann wür­den vie­le Neu­säs­ser die Tram statt den Bus neh­men – die Zahl der Bus­fahr­gäs­te wür­de ab­neh­men und man­che Li­ni­en oder Ab­fahr­zei­ten wür­den dann wo­mög­lich ge­stri­chen, be­fürch­tet Lenz­gei­ger. Er hat zu­sam­men mit An­ton Gleich, Bür­ger­meis­ter von Bon­stet­ten und Kreis­rat, und Jas­min Berch­told, Markt­rä­tin und stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Wel­de­ner CSU, das Pa­pier ver­fasst.

Die zwei­te Sor­ge der Po­li­ti­ker ist die so­ge­nann­te Bre­chung. Das heißt: Die Busse wür­den nur noch bis zur End­hal­te­stel­le der Stra­ßen­bahn fah­ren, dort müs­sen die Gäs­te in die Tram um­stei­gen. So geht es zum Bei­spiel auch Fahr­gäs­ten, die aus Gersthofen oder Königsbrunn nach Augs­burg wol­len. Die Bus­li­ni­en wer­den dann zwar nicht ganz ge­stri­chen, die Fahr­zeit wird da­durch aber frei­lich län­ger.

Lenz­gei­ger ist es wich­tig, dass die CSU im Holz­win­kel nicht kom­plett ge­gen die Ver­län­ge­rung ist. „Die Stra­ßen­bahn ist ei­ne tol­le Sa­che“, be­tont er. Sie stei­ge­re die Mo­bi­li­tät der dor­ti­gen Bür­ger und sei sinn­voll für den Um­welt­schutz. „Aber sie hat eben nicht nur Aus­wir­kun­gen auf Neu­säß, son­dern auch auf die Re­gi­on.“Sein Ap­pell, falls die Stra­ßen­bahn kom­men soll­te: „Das fla­che Land nicht ver­ges­sen.“Der öf­fent­li­che Nah­ver­kehr sei im länd­li­chen Raum vor al­lem für Ju­gend­li­che wich­tig: Sie nutz­ten die Busse nicht nur in ih­rer Frei­zeit, für vie­le sei­en sie auch die ein­zi­ge Mög­lich­keit, zu ih­rer Aus­bil­dungs­stel­le zu ge­lan­gen. Es wä­re da­her „ab­so­lut fa­tal, wenn die An­bin­dung an den Groß­raum Augs­burg sich ver­schlech­tern wür­de“. Könn­te ei­ne ver­län­ger­te Stra­ßen­bahn al­so wirk­lich zu ei­ner „Ver­dün­nung des Fahr­plans“im Holz­win­kel füh­ren, wie es Lenz­gei­ger und sei­ne CSUKol­le­gen be­fürch­ten? Jür­gen Fergg, Spre­cher der Stadt­wer­ke, sagt: „Ob ei­ne Stra­ßen­bahn­ver­län­ge­rung nach Neu­säß Aus­wir­kun­gen auf Bus­li­ni­en in den Holz­win­kel ha­ben könn­te, kann zum der­zei­ti­gen Zeit­punkt nicht ge­sagt wer­den.“Da­zu sei es noch viel zu früh. „Jetzt hat der Stadt­rat der Stadt Neu­säß ja zu­nächst ein­mal be­schlos­sen, dass ei­ne Mach­bar­keits­stu­die in Auf­trag ge­ge­ben wird.“Fergg be­tont: Wel­che Bus­li­ni­en es gibt, das ent­schei­det die Re­gie­rung von Schwa­ben – auch, ob ei­ne Bre­chung nö­tig oder ein Par­al­lel­ver­kehr von Bus und Tram ge­recht­fer­tigt ist.

Ar­chiv­fo­to: Mar­cus Merk

An der Stra­ßen­bahnend­hal­te­stel­le in Ober­hau­sen wird die so­ge­nann­te Bre­chung deut­lich: Die Busse aus Gersthofen en­den dort, die Fahr­gäs­te müs­sen in die Tram um­stei­gen. So könn­te es auch in Neu­säß sein, wenn die Stra­ßen­bahn dort­hin ver­län­gert wird.

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