Scha­de um Scholl

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport - VON AN­TON SCHWANKHART as@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Ex­per­ten kön­nen ei­nen ja furcht­bar ner­ven. Das gilt noch mehr für Ex­per­ten im Stand des be­glei­ten­den Fuß­ball-TV-Kom­men­ta­tors. Er­klä­ren ei­nem doch nur, was man mit der Er­fah­rung aus vie­len Kreis­li­ga-Jah­ren schon lan­ge weiß.

Um­so er­freu­li­cher ist es, wenn ein Sen­der ein Ex­per­ten­ta­lent ent­deckt, das gar nichts Ex­per­ten­haf­tes an sich hat. Meh­met Scholl war ein sol­ches Ta­lent. Ein ehe­ma­li­ger Edel­tech­ni­ker, der al­le wun­der­ba­ren Ei­gen­schaf­ten, die ihn am Ball aus­ge­zeich­net ha­ben, auch am Mi­kro­fon aus­ge­spielt hat. Scholl war lo­cker und leicht, schlitz­oh­rig und frech, kom­pe­tent und un­an­ge­passt. Er wirk­te auch nach neun ARD-Jah­ren un­ver­braucht und sah zu­dem so aus, als kön­ne ihn der Bun­des­trai­ner im Not­fall so­fort ein­wech­seln. Er­freu­lich zu­dem, dass er sich nicht ge­scheut hat, sei­nem Ar­beit­ge­ber Är­ger zu be­rei­ten. Scholl zu mö­gen, fällt nicht schwer. Das ging so lan­ge, bis er sein ei­ge­nes Spiel spie­len woll­te. Ei­nes, in dem er auf die In­hal­te der Sen­dung ein­wirkt. Da­für hat ihn die ARD nicht auf­ge­stellt. Scholl war als Ex­per­te vor­ge­se­hen, nicht als Re­dak­teur. Das ist aus­ein­an­der­zu­hal­ten. Die Tren­nung wä­re spä­tes­tens bei der nächs­ten Grenz­über­schrei­tung ge­kom­men. Bes­ser jetzt. Trotz­dem scha­de um Scholl.

Fo­to: mis

Ab­ge­schminkt: Meh­met Scholl kehrt nicht mehr vor die ARD Ka­me­ras zu­rück.

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