Er macht Ur­laub am Al­tar

Kir­che Jo­han­nes Bosco Kig­gun­du aus Ugan­da kommt seit 1999 als Gast­pries­ter nach Lang­weid und Stet­ten­ho­fen. Über die Jah­re sind vie­le Freund­schaf­ten ent­stan­den – und ein be­son­de­res Hilfs­pro­jekt

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Nördlicher Landkreis - VON JES­SI­CA SOCHER

Lang­weid Stet­ten­ho­fen

Ein Hahn oder Früch­te als Op­fer­ga­ben, Mes­sen auf Eng­lisch, die viel län­ger dau­ern als bei uns, vie­le Ju­gend­li­che in der Kir­che: In den Got­tes­diens­ten in Ugan­da ist ei­ni­ges an­ders als in Deutsch­land. „Der Got­tes­dienst ist dort auf­ge­hei­ter­ter“, er­zählt Pfar­rer Jo­han­nes Bosco Kig­gun­du. Er ist zur­zeit in den Pfar­rei­en Lang­weid und Stet­ten­ho­fen zu Gast.

Der Grund für sei­nen Be­such: Auch ka­tho­li­sche Pfar­rer brau­chen mal Ur­laub. Doch Got­tes­diens­te, Be­er­di­gun­gen und Trau­un­gen müs­sen wei­ter­hin statt­fin­den. Wenn kei­ne Pries­ter aus der Ge­mein­de oder der Nach­bar­schaft die Ver­tre­tung über­neh­men kön­nen, dann kom­men Gast­pries­ter wie Kig­gun­du ins Spiel. Sie kom­men aus ver­schie­de­nen Län­dern, vor al­lem aus In­di­en, Afri­ka und Ost­eu­ro­pa. In die­sem Som­mer sind 100 Pries­ter im Bis­tum Augs­burg zu Gast. Im De­ka­nat Augs­burg-Land sei­en heu­er sie­ben aus­län­di­sche Ur­laubs­ver­tre­ter im Ein­satz, fünf aus Ugan­da und zwei aus In­di­en, teilt die Diö­ze­se mit. Seit 1999 kommt Kig­gun­du als Som­mer­aus­hil­fe nach Lang­weid und Stet­ten­ho­fen. Das ma­che er gern, be­tont der 52-Jäh­ri­ge. Er ist in Ugan­da auf­ge­wach­sen, hat dort sein Abitur ge­schrie­ben und Theo­lo­gie stu­diert. Im Sep­tem­ber 1993 wur­de er zum Pries­ter ge­weiht. Den Au­gust ver­bringt der ka­tho­li­sche Gast­pfar­rer seit Jah­ren in Schwa­ben, ver­tritt Pfar­rer Ge­org Schnei­der (der im Sep­tem­ber die Pfar­rei­en ver­lässt und ins Exer­zi­ti­en­haus nach Lei­ters­ho­fen wech­selt) und hält Mes­sen, Be­er­di­gun­gen, Tau­fen und Trau­un­gen. Ne­ben­bei reist er in sei­ner Frei­zeit aber auch ger­ne durch ganz Bay­ern, fährt bei­spiels­wei­se zum Bo­den­see oder schaut sich Kir­chen und Städ­te an. Die deut­sche Spra­che be­herrscht er mitt­ler­wei­le auch schon gut.

In der lan­gen Zeit hat er auch ei­ni­ge Freun­de in dem Gast­land ge­fun­den. Ein Freund von ihm sei so- gar der Grund, war­um er spe­zi­ell in Deutsch­land Gast­pries­ter ist, er­zählt Kig­gun­du: „Mein Kol­le­ge ar­bei­te­te schon in Deutsch­land, als er mich frag­te, ob ich auch dar­an In­ter­es­se hät­te. Und seit­dem bin ich hier.“Auf die Fra­ge, ob er auch in En­g­land oder Ita­li­en ei­nen Pfar­rer ver­tre­ten wür­de, schüt­telt er den Kopf: „Über 18 Jah­re hin­weg ha­be ich ei­ne be­son­de­re Ver­bin­dung zu Deutsch­land auf­ge­baut. In En­g­land war ich auch noch gar nicht.“

Ob­wohl es ihm in Deutsch­land ge­fällt und er ger­ne als Som­mer­aus­hil­fe tä­tig ist, wür­de er nicht für im­mer hier­blei­ben wol­len. „Ich will nach mei­nem Ur­laub wie­der lie­ber heim, ei­ni­ge mei­ner Auf­ga­ben dort er­le­di­gen und das nächs­te Jahr er­neut in Deutsch­land Ur­laub ma­chen“, er­zählt er. Denn er ist in sei­nem Hei­mat­land nicht nur Pries­ter, son­dern auch Rek­tor an der ka­tho­li­schen Schu­le Ns­wan­je­re Ju­ni­or Se­mi­na­ry in Ns­wan­je­re und bil­det mitt­ler­wei­le selbst jun­ge Män­ner zum Pries­ter aus.

Im Sep­tem­ber 2002 hat Kig­gun­du zu­sam­men mit Lud­wig Pröll, Pe­ter Bau­er und Pfar­rer Ge­org Schnei­der die Ugan­da­hil­fe Stet­ten­ho­fen-Lang­weid ge­grün­det. Ent­stan­den ist das Hilfs­pro­jekt, als Kig­gun­du zum vier­ten Mal in Deutsch­land war und sich die Ge­mein­de­mit­glie­der frag­ten, was sie ihm als Gast­pries­ter und Freund ab­ge­se­hen von Ge­schen­ken Gu­tes tun könn­ten. So ka­men sie auf die Idee, Schul­pa­ten­schaf­ten an Fa­mi­li­en aus Deutsch­land für Kin­der in Ugan­da zu ver­mit­teln. So ha­ben Wai­sen, Halb­wai­sen und Kin­der aus ar­men und kin­der­rei­chen Fa­mi­li­en aus sei­nem Hei­mat­ort die Mög­lich­keit, ei­ne Schu­le zu be­su­chen.

Au­ßer­dem ha­ben die Ge­mein­de­mit­glie­der ein Was­ser­pro­jekt in­iti­iert. Da­durch wer­den nun 1500 Be­woh­ner mit ge­nü­gend Was­ser ver­sorgt. Mit der Un­ter­stüt­zung aus Lang­weid und Stet­ten­ho­fen wur­de ein 73 Me­ter tie­fer Brun­nen ge­bohrt, ei­ne 1,2 Ki­lo­me­ter lan­ge Was­ser­lei­tung ver­legt und ei­nen Tank mit ei­nem Fas­sungs­ver­mö­gen von 24000 Li­tern auf­ge­stellt. Lud­wig Pröll er­klärt: „Ge­ra­de in den Tro­cken­zei­ten ist die An­la­ge ein wah­rer Se­gen für die Men­schen dort, de­nen nun ein Fuß­marsch von bis zu zwei Ki­lo­me­tern zur nächs­ten Qu­el­le er­spart wird.“

Fo­to: Mar­cus Merk

Jo­han­nes Bosco Kig­gun­du aus Ugan­da macht seit vie­len Jah­ren Ur­laubs­ver­tre­tung in Lang­weid und Stet­ten­ho­fen.

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