Sein Herz schlägt auch für schwie­ri­ge Kin­der

Ver­ab­schie­dung 41 Jah­re lang hat Ger­hard Hor­ne­ber an evan­ge­li­schen Schu­len Wer­te ver­mit­telt

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Nachbarschaft - VON GER­LIN­DE KNOLLER

Augs­burg Pfer­see Er kann stau­nen und sich freu­en: „Was ist hier nicht al­les ent­stan­den!“, meint Ger­hard Hor­ne­ber, Rek­tor der Lich­ten­steinRo­ther-Volks­schu­le, ge­tra­gen vom Evan­ge­li­schen Schul­ver­ein Augs­burg. Die ver­gan­ge­nen zehn Jah­re hat Hor­ne­ber, 66, an der Li­ro-Schu­le, wie sie kurz ge­nannt wird, als Rek­tor mit­ge­prägt. Jetzt geht er in den Ru­he­stand, schaut aber vor­her noch ein­mal zu­rück.

Der Rek­tor er­in­nert sich an das Jahr 2009, da war er ge­ra­de zwei Jah­re an der Schu­le. Ge­grün­det 1999, fei­er­te die evan­ge­li­sche Grund­schu­le da­mals ihr zehn­jäh­ri­ges Be­ste­hen. An­ge­sie­delt ist die Li­ro-Schu­le heu­te in Pfer­see, in der Fär­ber­stra­ße. Die ers­ten Jah­re war sie in Räu­men des Klos­ters St. Ur­su­la un­ter­ge­bracht. Wenn Hor­ne­ber über sein Selbst­ver­ständ­nis als Leh­rer und Lei­ter ei­ner evan­ge­li­schen Schu­le be­rich­tet, wird deut­lich, wie sehr er sein Wir­ken, aber auch das Schul­le­ben vom christ­li­chen Geist ge­prägt sieht. 96 Schü­ler und Schü­le­rin­nen in vier Klas­sen – die Schu­le ist ein­zü­gig – ge­hen hier zur Schu­le; 75 Pro­zent sind evan­ge­lisch, 25 Pro­zent ka­tho­lisch oder oh­ne Be­kennt­nis. „Wer sein Kind auf un­se­re Schu­le schickt, drückt aus, dass ihm christ­li­che Wer­te wich­tig sind“, so Hor­ne­ber.

Ent­spre­chend der evan­ge­li­schen Aus­rich­tung wer­den hier ei­ni­ge Be­son­der­hei­ten ge­lebt. We­sent­lich, so Hor­ne­ber, sei die Er­zie­hungs­part­ner­schaft mit den El­tern. „Als Leh­rer ha­ben wir nur Ver­ant­wor­tung auf Zeit“, sagt er. El­tern wir­ken bei­spiels­wei­se mit am le­bens­prak­ti­schen Tag, der vier­mal im Jahr an­ge­bo­ten wird. Sie ge­ben et­wa Ein­bli­cke in ih­ren Be­ruf oder in ihr Hob­by, et­wa wenn sie mit den Kin­dern das Lech­was­ser un­ter­su­chen oder wie in ei­ner Apo­the­ke Sal­ben her­stel­len.

Ein fes­tes, wich­ti­ges Ri­tu­al ist an der Li­ro-Schu­le auch der Wo­chen­ab­schluss. Am En­de je­der Schul­wo­che kom­men Schü­ler, Leh­rer und ei­ni­ge El­tern zu­sam­men zu ei­ner Fei­er, mo­de­riert von den Viert­kläss­lern. Die­se sind zu­vor mit Mo­de­ra­ti­ons­zet­teln durch die an­de­ren Klas­sen ge­gan­gen und ha­ben ge­sam­melt, was die­se als Bei­trag beim Wo­chen­ab­schluss vor­stel­len wol­len – das kann ein Lied sein, ein Bild, selbst ver­fass­te Tex­te oder Wich­ti­ges aus dem Sach­un­ter­richt. Ein­an­der teil­ha­ben las­sen, wert­schät­zen, dan­ken für das, was zu­rück­liegt, um den Se­gen bit­ten für das, was vor ei­nem liegt – das ist der Sinn die­ses Wo­chen­ab­schlus­ses.

„Als Leh­rer war es mir im­mer am wich­tigs­ten, mein Herz für die Kin­der zu öff­nen“, sagt Hor­ne­ber nach ins­ge­samt 41 Schul­jah­ren – da­von 24 in der Schul­lei­tung. Für ihn hieß es, sich für die Kin­der zu in­ter­es­sie­ren. Na­tür­lich ha­be er als Päd­ago­ge er­fah­ren, „dass Kin­der ner­ven kön­nen, dass sie über die Strän­ge schla­gen“.

Den­noch sieht er in je­dem die­ser Kin­der „den von Gott ge­woll­ten und ge­lieb­ten Men­schen“. Den Men­schen, der im­mer wie­der ei­ne neue Chan­ce be­kom­men soll. An die­sem Ziel ar­bei­te­te Hor­ne­ber nicht al­lei­ne. Dank­bar ist er für sein en­ga­gier­tes, kom­pe­ten­tes Leh­rer­kol­le­gi­um an der Li­ro-Schu­le, das ihn in al­lem un­ter­stützt hat – und für die „quick­le­ben­di­gen“Kin­der.

Wenn Hor­ne­ber nun zu­sam­men mit sei­ner Frau Bri­git­te – sie war bis­her an der Schu­le Re­li­gi­ons­leh­re­rin – in die neue Frei­heit des Ru­he­stands auf­bricht, bli­cken die Schul­ver­ant­wort­li­chen schon in die Zu­kunft. Sie hal­ten Aus­schau nach ei­nem neu­en, grö­ße­ren Zu­hau­se für die Li­ro-Schu­le. Ge­plant ist, dass sie zwei­zü­gig aus­ge­baut wird. Kon­kre­tes steht noch nicht fest.

Fo­to: An­net­te Zo­epf

Der Rek­tor der evan­ge­li­schen Lich­ten­stein Ro­ther Volks­schu­le, Ger­hard Hor­ne­ber, hat stets sein Herz für die Schü­ler ge­öff­net, wie es die Zeich­nung zum Aus­druck bringt. Er geht nun nach 41 Jah­ren in den Ru­he­stand.

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