Trump droht Nord­ko­rea mit Mi­li­tär­ein­satz

Mer­kel kri­ti­siert Sä­bel­ras­seln scharf

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Erste Seite - VON DET­LEF DRE­WES

Wa­shing­ton US-Prä­si­dent Do­nald Trump hat Nord­ko­rea un­ver­hoh­len mit ei­nem Mi­li­tär­schlag ge­droht. „Die mi­li­tä­ri­schen Lö­sun­gen sind nun voll­stän­dig vor­be­rei­tet.“Der Prä­si­dent ver­glich die Ein­satz­be­reit­schaft der USA in­di­rekt mit ei­nem Colt, der „ge­la­den und ent­si­chert“sei, „soll­te Nord­ko­rea sich un­klug ver­hal­ten“. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel warn­te da­ge­gen vor ei­ner Es­ka­la­ti­on. „Ich se­he kei­ne mi­li­tä­ri­sche Lö­sung des Kon­flik­tes“, be­ton­te sie in Berlin. Ei­ne mi­li­tä­ri­sche Ant­wort hal­te sie in dem Kon­flikt mit Nord­ko­rea „nicht für ge­bo­ten“, sag­te sie auf die Fra­ge, wie sie Trumps neue Dro­hun­gen be­wer­te und ob Deutsch­land im Kriegs­fall an der Seite der USA ste­he. Sie füg­te hin­zu: „Ei­ne Es­ka­la­ti­on der Spra­che hal­te ich für die fal­sche Ant­wort.“Der rus­si­sche Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row nann­te das Ri­si­ko in dem Kon­flikt „sehr hoch, vor al­lem we­gen der Rhe­to­rik“. Die Re­gie­rung sei „sehr be­un­ru­higt“, un­ter­strich er in Mos­kau, wie Sie auf der

Ein Miss­ver­ständ­nis könn­te ei­ne Ka­ta­stro­phe aus­lö­sen

Brüs­sel Die Es­ka­la­ti­on ist un­ge­bremst. Ganz of­fen hat Do­nald Trump Nord­ko­rea mit ei­nem Mi­li­tär­schlag ge­droht. Doch wäh­rend sich Nord­ko­reas Dik­ta­tor Kim Jong Un und der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent Do­nald Trump ge­gen­sei­tig mit im­mer wüs­te­ren Dro­hun­gen über­zie­hen, gibt sich Eu­ro­pa, aber auch das west­li­che Ver­tei­di­gungs­bünd­nis, of­fi­zi­ell un­be­ein­druckt. Der Na­to-Ge­ne­ral­se­kre­tär Jens Stol­ten­berg weilt eben­so im Ur­laub wie die Füh­rungs­spit­ze der EU. Nur Chef­di­plo­ma­tin Fe­de­ri­ca Mo­g­her­i­ni be­müh­te sich auch in die­sen Ta­gen am Ran­de ei­nes Asi­en-Auf­ent­hal­tes, in Ge­sprä­chen mit US-Au­ßen­amts­chef Rex Til­ler­son so­wie den Ver­tre­tern Chi­nas, Russ­lands und Süd­ko­reas, das Pro­blem auf ei­ne di­plo­ma­ti­sche Schie­ne zu zie­hen.

„Wir brau­chen drin­gend Ge­sprä­che mit Pe­king, mit Mos­kau, mit Seo­ul“, sag­te der au­ßen­po­li­ti­sche Ex­per­te der christ­de­mo­kra­ti­schen Frak­ti­on im Eu­ro­pa-Par­la­ment, El­mar Brok, ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. „Der Bö­se ist Kim, nicht Trump.“

Doch die Di­plo­ma­tie kämpft mit un­er­war­te­ten Pro­ble­men, wie Ex­per­ten jetzt ent­hüll­ten. Wäh­rend der ame­ri­ka­ni­sche, rus­si­sche und chi­ne­si­sche Prä­si­dent im Kri­sen­fall zum „ro­ten Te­le­fon“(ei­ner dau­er­haft er­reich­ba­ren Di­rekt­lei­tung) grei­fen kön­nen, ken­nen of­fen­bar vie­le west­li­che Re­gie­run­gen nicht ein­mal die Num­mer des nord­ko­rea­ni­schen Füh­rers. Es gibt kein Si­cher­heits­netz, war­nen Fach­leu­te, so­dass be­reits ein Miss­ver­ständ­nis oder ein falsch ver­stan­de­nes Wort in ei­ne Ka­ta­stro­phe mün­den könn­te. „Man wird die­se Kri­se nicht mit Tweets und öf­fent­li­chen State­ments lö­sen“, be­tont Jo­seph Ci­rin­cio­ne, Prä­si­dent der Rüs­tungs­kon­troll­grup­pe Ploughs­ha­res Fund, mit Blick auf Trumps Vor­lie­be für den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter.

Die Hoff­nun­gen ru­hen mehr und mehr auf der EU. Mo­g­her­i­ni müs­se, so for­dert auch Brok, auf Be­schlüs­se des UN-Welt­si­cher­heits­ra­tes drän­gen und die wich­tigs­ten Mäch­te „an ei­nen Tisch brin­gen“. Der „Druck auf Chi­na“sol­le er­höht wer­den. Denn oh­ne Pe­king wür­de Pjöng­jang we­der über aus­rei­chend Treib­stoff noch über Er­satz­tei­le für sei­ne Ra­ke­ten und an­de­re Wehr­tech­nik ver­fü­gen. Dass da­bei aus­ge­rech­net Mo­g­her­i­ni ins Spiel kommt, hat nicht nur mit ih­rer Zu­stän­dig­keit für die eu­ro­päi­sche Au­ßen­po­li­tik zu tun, son­dern mit ih­rem po­li­ti­schen Meis­ter­stück: Schließ­lich war sie es, die 2015 maß­geb­lich am Zu­stan­de­kom­men des Atom­ab­kom­mens mit dem Iran be­tei­ligt war. Da­mals ge­lang es ihr, die USA von ei­nem mi­li­tä­ri­schen Ein­grei­fen ab­zu­hal­ten.

In der Kri­se um Nord­ko­rea al­ler­dings ist bis­her von­sei­ten der EU nur we­nig zu hö­ren. Vor we­ni­gen Ta­gen be­stä­tig­te ei­ne Spre­che­rin der Kom­mis­si­on le­dig­lich, man be­ob­ach­te die Ent­wick­lung „mit gro­ßer Sor­ge“. Auch im Na­to-Haupt­quar­tier ist es noch ru­hig. Die USA ha­ben kei­ne Dring­lich­keits­sit­zung ver­langt und kei­ne Ak­tua­li­sie­rung der Be­schluss- vom Ju­li ge­for­dert. Da­mals hat­te der Kreis der Na­to-Bot­schaf­ter die „an­hal­tend pro­vo­ka­ti­ve und de­sta­bi­li­sie­ren­de Hal­tung Nord­ko­reas“ver­ur­teilt. Rein recht­lich ge­se­hen müss­te sich das Bünd­nis oh­ne­hin nicht fürch­ten, in ei­nen mi­li­tä­ri­schen Kon­flikt hin­ein­ge­zo­gen zu wer­den. Zwar könn­te Wa­shing­ton im Fal­le ei­nes An­griffs auf sein Ho­heits­ge­biet um Bei­stand nach Ar­ti­kel 5 bit­ten. Soll­te die Atta­cke aber – wie von Pjöng­jang an­ge­kün­digt – die Pa­zi­fik­in­sel Guam tref­fen, blie­be das Bünd­nis au­ßen vor. Denn Ar­ti­kel 6 des Na­to-Ver­tra­ges sieht für al­le Ge­bie­te des süd­li­chen Wen­de­krei­ses Aus­nah­men von der Bei­stands­pflicht vor. Guam ge­hört da­zu. Ei­ne an­de­re Fra­ge ist es, wie man auf ei­ne Bit­te der USA um Bei­stand re­agie­ren wür­de.

Die EU hat sich bis­her auf die Ver­schär­fung der in­ter­na­tio­na­len Sank­tio­nen be­schränkt. Erst vor we­ni­gen Ta­gen wur­den wei­te­re Ein­rei­se­ver­bo­te und Kon­to­sper­ren für nun­mehr ins­ge­samt 160 Per­so­nen aus der nord­ko­rea­ni­schen Füh­rung be­schlos­sen. Von den Maß­nah­men ist auch die in Eu­ro­pa tä­ti­ge nord­ko­rea­ni­sche Staats­bank For­eign Tra­de Bank (FTB) be­trof­fen.

Wei­ter­ge­hen­de Be­schlüs­se gibt es nicht, da sich die in­ter­na­tio­na­len Part­ner im Welt­si­cher­heits­rat ab­stim­men. Von ei­nem be­vor­ste­hen­den Krieg, in den die EU hin­ein­ge­la­ge zo­gen wer­den könn­te, spricht der­zeit nie­mand. Im Ge­gen­teil: Die Ru­fe nach ei­ner Dis­tan­zie­rung vom Kon­fron­ta­ti­ons­kurs des ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten wer­den lau­ter.

El­mar Brok: „Die Stra­te­gie von Kra­wall-Trump ist grot­ten­falsch.“Die Eu­ro­pä­er soll­ten sich im Kreis der Al­li­anz not­falls un­miss­ver­ständ­lich ge­gen ei­ne Bei­stands­bit­te wen­den. „Wir müs­sen Ver­ant­wor­tung über­neh­men und Nein sa­gen“, mein­te der CDU-Po­li­ti­ker. Nie­mand dür­fe die Es­ka­la­ti­on be­feu­ern. Ge­sprä­che, Ver­hand­lun­gen und Di­plo­ma­tie sei­en nö­tig. Vor­aus­ge­setzt, ir­gend­je­mand fin­det doch noch die Num­mer des nord­ko­rea­ni­schen Al­lein­herr­schers.

Fo­tos: Ni­cho­las Kamm, afp/dpa

Ha­ben sich in den letz­ten Ta­gen in­ein­an­der ver­bis­sen: US Prä­si­dent Do­nald Trump und der nord­ko­rea­ni­sche Dik­ta­tor Kim Jong Un über­bie­ten sich ge­gen­sei­tig mit mi­li­tä­ri schen Dro­hun­gen. In der Eu­ro­päi­schen Uni­on ist die Hoff­nung groß, dass es bei ver­ba­len Schar­müt­zeln bleibt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.