Sy­rer woll­te IS nar­ren

Jus­tiz 39-Jäh­ri­ger we­gen Be­trugs statt we­gen ver­such­ter Mord­be­tei­li­gung ver­ur­teilt

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik -

Saar­brü­cken Mit ei­ner Über­ra­schung ist am Frei­tag ein Pro­zess ge­gen ei­nen Ter­ror­ver­däch­ti­gen vor dem Land­ge­richt Saar­brü­cken zu En­de ge­gan­gen. Der an­ge­klag­te 39-jäh­ri­ge Sy­rer wur­de we­gen ver­such­ten Be­tru­ges zu zwei­ein­halb Jah­ren Haft ver­ur­teilt. Die An­kla­ge hat­te ihm den „Ver­such der Be­tei­li­gung an ei­nem Mord“zur Last ge­legt und zehn Jah­re Haft ge­for­dert, da sie da­von aus­ging, dass es An­schlags­plä­ne gab.

Der 39-Jäh­ri­ge hat­te per In­ter­net­chat Kon­takt zur Ter­ror­mi­liz IS ge­sucht, um Geld für At­ten­ta­te mit Au­tos und Spreng­stoff in Deutsch­land und den Nach­bar­län­dern zu er­hal­ten. Er hat­te aus­ge­sagt, er ha­be den IS le­dig­lich um das Geld be­trü­gen und nicht wirk­lich An­schlä­ge be­ge­hen wol­len. Kon­kre­te Hin­wei­se auf Kom­pli­zen und Au­tos zum Aus­füh­ren der Plä­ne gab es nicht, auch war bei dem Mann nach sei­ner Ver­haf­tung am 31. De­zem­ber kein Spreng­stoff ge­fun­den wor­den.

„Das Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me war ein­deu­tig, da hat­te die Kam­mer nicht den ge­rings­ten Zwei­fel“, sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Bernd Wa­gner. „Der An­ge­klag­te war we­der fä­hig noch wil­lens, die an­ge­kün­dig­ten An­schlä­ge durch­zu­füh­ren.“

Zwar sah das Ge­richt den Tat­be­stand des „Ver­suchs der Be­tei­li­gung an ei­nem Mord“nicht er­füllt, der Fri­seur aus Da­mas­kus ha­be sich aber we­gen ver­such­ten Be­tru­ges schul­dig ge­macht. Den Kon­takt zum IS hat­te der Mann per In­ter­net­chat her­zu­stel­len ver­sucht. Zu ei­ner Geld­über­ga­be kam es aber nie. „Er ist kein Ter­ro­rist, son­dern, wie er selbst ver­deut­licht hat, ein Be­trü­ger“, bi­lan­ziert Wa­gner. „Und für die­se Tat wur­de er auch ver­ur­teilt.“

Der Ver­tei­di­ger, der Frei­spruch ge­for­dert hat­te, kün­dig­te Re­vi­si­on an. Auch für den Ober­staats­an­walt liegt dies nach ei­ge­ner Aus­sa­ge „mehr als na­he“. Un­ab­hän­gig da­von ist of­fen, wie es mit dem Mann wei­ter­geht. Das Ge­richt geht da­von aus, dass er un­ter Ent­zug sei­nes Flücht­lings­sta­tus in Deutsch­land nicht mehr in Frei­heit kom­me, son­dern ab­ge­scho­ben wer­de.

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