Mia­auuu!

Rat­ge­ber Kat­zen schmu­sen ger­ne, kön­nen aber auch ag­gres­siv wer­den. Wer ge­bis­sen wird, muss schnell sein

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Geld & Leben - Tan­ja War­ter ist Tier­ärz­tin. Seit zehn Jah­ren ver knüpft sie die Lei­den­schaft für die Tier­me­di­zin mit dem Spaß am Schrei­ben.

Ihr Spei­chel ent­hält ei­ne Mi­schung aus über 60 ver­schie­de­nen Er­re­gern. Und das ist nur ein Grund, war­um es so ge­fähr­lich ist, wenn ei­ne Kat­ze zu­beißt. Geht es um Biss­ver­let­zun­gen, denken die meis­ten eher nicht an Kat­zen. Mei­ne Freun­din Gun­di bis vor we­ni­gen Wo­chen üb­ri­gens auch nicht. Da­mals be­such­te sie ei­ne Alm in Ti­rol. Dort trieb sich ei­ne hüb­sche Kat­ze her­um. Sie schnurr­te, rieb ihr Ge­sicht an Gun­dis Fü­ßen und sprang auf ih­ren Schoß. Für Gun­di lau­ter An­zei­chen, dass sich das net­te Kätz­chen ein paar Strei­chel­ein­hei­ten ab­ho­len woll­te.

Es kam an­ders. Kaum hat­te Gun­di ih­re Hand zum Krau­len auf das Rü­cken­fell ge­legt, dreh­te sich die Kat­ze wie von der Ta­ran­tel ge­sto­chen um, krall­te sich seit­lich in Gun­dis Un­ter­arm und biss sie mit vol­ler Wucht in die Hand. War­um? Über die Fra­ge von Ag­gres­sio­nen bei Kat­zen im All­ge­mei­nen zer­b­re- chen sich Ver­hal­tens­for­scher und Tier­psy­cho­lo­gen bis heu­te die Köp­fe. Die Re­ak­ti­on ei­ner Kat­ze vor­aus­zu­sa­gen, ist um ein Viel­fa­ches schwie­ri­ger als bei ei­nem Hund. Sie gibt nicht im­mer ein­deu­ti­ge Warn­si­gna­le, und ein klas­si­sches Fehl­ver­hal­ten des Men­schen wie „in die En­ge trei­ben“oder „Fest­hal­ten ge­gen ih­ren Wil­len“hat es in Gun­dis Fall nicht ge­ge­ben. Nur Mü­he konn­te sie die Kat­ze ab­schüt­teln.

Da­mit war für sie die Sa­che zu­nächst ab­ge­hakt. Ge­blu­tet hat die Wun­de kaum, al­ler­dings war sie schmerz­haft und die Hand ge­schwol­len. Ein ty­pi­sches Bild nach ei­nem Kat­zen­biss. Des­halb denken sich in die­ser Si­tua­ti­on die meis­ten Op­fer: Rei­ni­gen, küh­len, dann passt die Sa­che wie­der. Weit ge­fehlt. Mehr als die Hälf­te al­ler Kat­zen­bis­se in­fi­ziert sich und kann da­mit schwer­wie­gen­de Fol­gen ha­ben – von Blut­ver­gif­tung über le­bens­lan­ge Ein­schrän­kun­gen der Be­weg­lich­keit der Fin­ger bis hin zu Am­pu­ta­tio­nen. Zum Ver­gleich: Hun­de­bis­se in­fi­zie­ren sich höchs­tens in 20 Pro­zent der Fäl­le.

Zwei Fak­to­ren ma­chen Kat­zen­bis­se so ge­fähr­lich: Zum ei­nen bei­ßen Kat­zen in den al­ler­meis­ten Fäl­len in die Hand. Hier lie­gen Seh­nen, Bän­der und Knor­pel, lau­ter Struk­tu­ren mit schlech­ter Im­mun­ab­wehr, nur knapp un­ter der Haut. Zum an­de­ren boh­ren sich die spit­zen Zäh­ne tief in die Hand hin­ein. Im Spei­chel von Kat­zen wur­den über 60 ver­schie­de­ne Er­re­ger ge­fun­den, die das Tier mit den Zäh­nen in das Ge­we­be bringt.

Beim Her­aus­zie­hen der Zäh­ne ver­schließt sich die Haut über dem recht klei­nen Loch fast voll­stän­dig, wes­halb die Ver­let­zung we­nig blu­tet. Aber im Un­ter­grund bro­delt es. Wenn Kat­zen mit­ein­an­der rau­fen, ist es ganz ähn­lich. Nach dem Biss ei­nes Art­ge­nos­sen ist äu­ßer­lich beim Op­fer oft­mals nichts zu er­ken­mit nen, doch dann bil­det sich nach und nach ein Abszess un­ter der Haut.

Auch Gun­di hat­te ih­re Sor­gen, ob sie sich mit ei­nem Kat­zen­biss dem Spott des Arz­tes aus­set­zen wür­de. Doch Schwel­lung und Schmer­zen lie­ßen sie das Spi­tal auf­su­chen. Ei­ne klu­ge Ent­schei­dung. Die Ärz­te ver­sorg­ten sie so­fort mit An­ti­bio­ti­ka und Wund­spü­lun­gen und stell­ten den Arm mit ei­nem Gips ru­hig. Es folg­ten täg­li­che Kon­trol­len, um ei­ne mög­li­che Aus­brei­tung der In­fek­ti­on zu unterbinden. Stu­di­en zu­fol­ge wird je­des drit­te Op­fer ei­nes Kat­zen­bis­ses zu ei­nem me­di­zi­ni­schen Not­fall. Da­her auch der Spruch: „Über ei­nem Kat­zen­biss darf die Son­ne nicht auf- oder un­ter­ge­hen.“Beißt der Stu­ben­ti­ger, soll­te man al­so kei­nes­falls bis zum nächs­ten Tag war­ten, son­dern so­fort zum Arzt ge­hen.

Foto: Konsti­an­tyn, Fo­to­lia

Mehr als die Hälf­te al­ler Kat­zen­bis­se in­fi­ziert sich und kann dann sehr ge­fähr­lich für den Ge­bis­se­nen wer­den.

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