Wann ein Ehe­ver­trag wirk­lich lohnt

Ei­ne Hoch­zeit ist et­was Ro­man­ti­sches. An so et­was For­ma­les wie ei­nen Ver­trag den­ken in so ei­ner Si­tua­ti­on die we­nigs­ten. Al­ler­dings kann das Do­ku­ment durch­aus sinn­voll sein

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - Sa­bi­ne Meu­ter, dpa

Ber­lin Zwei ha­ben sich ge­sucht und ge­fun­den. Al­les passt per­fekt, die Lie­be soll mit ei­ner Hoch­zeit ge­krönt wer­den. Doch trotz der Ge­wiss­heit, mit dem oder der Rich­ti­gen zu­sam­men zu sein, brennt dem ei­nen das The­ma Ehe­ver­trag auf den Nä­geln. Vie­le trau­en sich in­des nicht, mit dem an­de­ren dar­über zu spre­chen – aus Angst, den Part­ner vor den Kopf zu sto­ßen.

Paa­re soll­ten an die­ser Stel­le al­ler­dings mehr Mut ha­ben, fin­det Eva Be­cker, Fach­an­wäl­tin für Fa­mi­li­en­recht aus Ber­lin. Denn ein Ehe­ver­trag kann letzt­end­lich so­gar für mehr Ver­trau­en sor­gen. „Es ist bes­ser, wenn ein Paar in gu­ten Zei­ten fest­legt, wie sie sich im Fal­le ei­nes Schei­terns der Ehe fi­nan­zi­ell ei­ni­gen, als wenn das in schlech­ten Zei­ten mit viel Streit ge­schieht“, er­klärt Be­cker, die in der Ar­beits­ge­mein­schaft Fa­mi­li­en­recht im Deut­schen An­walt­ver­ein tä­tig ist.

Ein Ehe­ver­trag bie­tet sich vor al­lem an, wenn ei­ner im Ge­gen­satz an­de­ren über ein gro­ßes Ver­mö­gen ver­fügt oder Un­ter­neh­mer ist. Dann kann ver­hin­dert wer­den, dass im Fal­le ei­ner Schei­dung der an­de­re zu stark vom Geld oder vom Be­triebs­ver­mö­gen des an­de­ren pro­fi­tiert.

Ein Ehe­ver­trag muss im­mer von No­tar be­ur­kun­det wer­den, um rechts­gül­tig zu sein. „Vie­le ma­chen sich aber von dem Do­ku­ment völ­lig fal­sche Vor­stel­lun­gen“, sagt der Bon­ner No­tar Micha­el Uer­lings. Ein Ehe­ver­trag ist nach sei­nen An­ga­ben im­mer ei­ne in­di­vi­du­el­le An­ge­le­gen­heit, Vor­dru­cke oder ähn­li­ches exis­tie­ren nicht.

Ent­schei­det sich ein Paar für ei­nen Ehe­ver­trag, soll­ten sich bei­de im Vor­feld um­fas­send be­ra­ten las­sen. An­sprech­part­ner sind ne­ben No­ta­ren auch Fach­an­wäl­te für Fa­mi­li­en­recht. Drei Aspek­te sind beim Ehe­ver­trag wich­tig: der Zu­ge­winn, der Un­ter­halt und der Ver­sor­gungs­aus­gleich. „Der Haus­rat wird nach al­len Er­fah­run­gen, wenn über­haupt, dann eher sel­ten im Ehe­ver­trag auf­ge­lis­tet“, merkt Be­cker an.

Ha­ben Ehe­leu­te kei­nen Ehe­ver­trag, le­ben sie in ei­ner Zu­ge­winn­gez­um mein­schaft. „Sie ba­siert auf tra­di­tio­nel­len Vor­stel­lun­gen von der Ehe“, er­läu­tert Eu­ge­nié Zo­bel-Ko­wal­ski von der Stif­tung Wa­ren­test in Ber­lin. Ein Part­ner ar­bei­tet, der an­de­re nicht – er oder sie ver­sorgt Haus­halt wie Kin­der.

Des­we­gen kann er oder sie im Ge­gen­satz zum an­de­ren auch kein Ver­mö­gen auf­bau­en. Al­so muss es ei­nen Aus­gleich der er­ziel­ten Ge­win­ne ge­ben, falls die Ehe durch Schei­dung oder Tod ei­nes Part­ners en­det. „Der Zu­ge­winn wird er­mit­telt, in­dem das Ver­mö­gen zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung mit dem­je­ni­gen zum Zeit­punkt der Zu­stel­lung des Schei­dungs­an­trags ver­gli­chen wird“, so Zo­bel-Ko­wal­ski.

Hat dann ei­ner der Part­ner mehr er­wirt­schaf­tet als der an­de­re, muss es ei­nen Aus­gleich ge­ben – und zwar die Hälf­te der Dif­fe­renz des Er­wirt­ei­nem schaf­te­ten. Paa­re mit ei­nem Ehe­ver­trag kön­nen ei­ne an­de­re Aus­gleichs­quo­te ver­ein­ba­ren, et­wa statt der Hälf­te ein Vier­tel.

„Der An­spruch auf ei­nen Zu­ge­winn­aus­gleich kann auch auf ei­ne be­stimm­te Sum­me be­grenzt wer­den“, er­klärt Be­cker. Ist ei­ner der Part­ner Un­ter­neh­mer, be­steht die Mög­lich­keit fest­zu­le­gen, dass das Be­triebs­ver­mö­gen vom Zu­ge­winn­aus­gleich aus­ge­schlos­sen ist, da­mit die Fir­ma bei ei­nem Ehe-Aus wo­mög­lich nicht in die In­sol­venz schlit­tert.

Stich­wort Un­ter­halt: Laut Ge­setz steht ei­nem Part­ner, der et­wa auf­grund der Kin­der­er­zie­hung nicht selbst für sei­nen Un­ter­halt sor­gen kann, im Fall ei­ner Schei­dung ein Un­ter­halts­an­spruch ge­gen­über sei­nem

Für al­le, die ei­ne Fir­ma oder gro­ßes Ver­mö­gen be­sit­zen

Geld ver­die­nen­den Part­ner zu. In ei­nem Ehe­ver­trag kann das aus­ge­schlos­sen oder er­wei­tert wer­den.

„Mög­lich ist et­wa auch, bei sehr ho­hen Ein­künf­ten ei­nes Part­ners den Un­ter­halts­an­spruch zu de­ckeln“, sagt Be­cker. Im Ehe­ver­trag kön­nen auch in Sa­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich Än­de­run­gen vor­ge­nom­men wer­den. Hier­bei geht es um Ren­ten­an­wart­schaf­ten. Ar­bei­tet ein Part­ner und der an­de­re nicht oder nur in Teil­zeit, muss es oh­ne Ehe­ver­trag ei­nen Aus­gleich der Ren­ten­an­wart­schaf­ten ge­ben.

Fo­to: Andre­as Kir­schek, Fo­to­lia

Wer hei­ra­tet, will nicht im­mer ei­nen Ver­trag un­ter­schrei­ben. Manch­mal hat es aber Sinn.

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