„Fin­de dei­ne Mu­sik! “

Auszeit - - HEILSAM -

Schon Pla­ton sag­te, die Mu­sik „schenkt un­se­ren Her­zen ei­ne See­le, ver­leiht den Ge­dan­ken Flü­gel, lässt un­se­re Phan­ta­sie er­blü­hen“. Aber so un­ter­schied­lich die Men­schen sind, so un­ter­schied­lich ist auch die Mu­sik, die sie be­wegt – sagt Abi Lin­den.

Herr Lin­den, Sie ha­ben sich die Welt der Klän­ge zum Be­ruf ge­macht. Geht da der Zau­ber der Klän­ge ein we­nig ver­lo­ren, oder ent­deckt man erst so vie­les mehr für sich?

Es ist wie mit vie­len Din­gen im Le­ben. So­bald man sich mit In­ter­es­se mit ih­nen be­schäf­tigt, brei­tet sich die gan­ze Viel­falt aus. Wenn es ge­lingt, die ers­ten Hür­den zu über­win­den, war­tet da­hin­ter oft­mals ei­ne Be­loh­nung. Als Mu­si­ker muss man sich beim Üben auch selbst zu­hö­ren kön­nen. Das ist nicht im­mer schön, be­son­ders zu Be­ginn. Da­mit sen­si­bi­li­siert sich aber die Wahr­neh­mung, und die in­ne­woh­nen­de Schön­heit der Tö­ne wird deut­li­cher er­kenn­bar.

In die­ser Aus­ga­be der AUS­ZEIT spre­chen wir un­ter an­de­rem auch über See­len­stim­mun­gen, die eher dun­kel und be­drü­ckend auf ei­nem las­ten. Gibt es da­ge­gen ein mu­si­ka­li­sches Re­zept?

Wir al­le fin­den uns im­mer wie­der in den un­ter­schied­lichs­ten Stim­mun­gen. In düs­te­ren Stim­mun­gen möch­te man sich nicht oh­ne Wei­te­res auf po­si­ti­ve Ge­füh­le ein­las­sen. So kann es die Mu­sik aber lang­sam und be­hut­sam tun, in­dem sie auch das Dun­kel und die Tie­fen be­rührt. Im Lau­fe ei­ner Me­di­ta­ti­ons­mu­sik ge­be ich den Tie­fen ei­nen stär­ken­den und er­den­den Cha­rak­ter für das Hel­le und Freund­li­che.

Auch für mich wäh­le ich Mu­sik, die mei­ner je­wei­li­gen Stim­mung na­he kommt. Die gibt es in fast al­len Gen­res. Heu­te möch­te ich fried­lich sit­zen und lau­schen, und mor­gen dann wie­der tan­zen.

Gibt es ei­gent­lich ei­ne ganz spe­zi­el­le Art von Mu­sik und Klän­gen, ein ganz spe­zi­el­les In­stru­ment, das Sie emp­feh­len wür­den, um in die dunk­len Ta­ge ein klei­nes Licht hin­ein zu brin­gen?

Wer ger­ne sen­si­ble oder spi­ri­tu­el­le Mu­sik hört, hat meist ein of­fe­nes Ohr für schön klin­gen­de Flö­ten. Ge­ra­de In­stru­men­te aus warm klin­gen­den Ma­te­ria­li­en wie Holz

oder Bam­bus sind sehr ober­ton­reich und da­mit viel­fäl­tig im Klang. Sie wär­men das Ge­müt.

Wenn ich „akus­tisch“Licht in die See­le brin­gen will und es ru­hig auch ein we­nig spi­ri­tu­ell sein darf, dann geht der Stil die­ser Klän­ge ganz of­fen­sicht­lich in ei­ne ganz be­stimm­te Rich­tung. Ist das so? Und wir­ken Klän­ge, Mu­sik oder auch Ge­sang hier un­ter­schied­lich?

Ich ver­su­che, mich al­len Mu­sik­rich­tun­gen ge­gen­über zu öff­nen. Selbst im Jazz oder Hea­vy Me­tal fin­den sich ver­wend­ba­re Ele­men­te. Der Wohl­klang, die to­na­le Viel­falt, die har­mo­ni­sche Ur­kraft, die Freu­de an der Me­lo­die, am Rhyth­mus und vie­les mehr. All dies kann auch spi­ri­tu­ell oder er­hel­lend wir­ken. Zur Zeit ar­bei­te ich zu­sam­men mit Ro­land Wäsch­le (spi­ri­tu­el­ler Leh­rer) an ei­ner CD, die po­pu­lä­re Hou­se-Beats mit luf­tig, leich­ten EGi­tar­ren und elek­tro­ni­scher Mu­sik ver­bin­det. Auf Ro­lands Se­mi­na­ren ha­ben wir das schon er­folg­reich aus­pro­bie­ren dür­fen. Die Men­schen tan­zen zur Mu­sik, und es stellt sich auf leich­te Art ei­ne in­ne­re Freu­de ein – ähn­lich wie es vom scha­ma­ni­schen Tanz seit Ur­zei­ten be­kannt ist.

So­wohl „Klän­ge“als auch „Mu­sik“kön­nen die Zu­hö­rer über­for­dern. Wenn et­was nur klingt, nicht aber auch ein biss­chen tanzt oder Me­lo­die hat, wird es selbst beim schöns­ten Wohl­klang lang­wei­lig oder nervt gar. An­de­rer­seits sind zu kom­ple­xe Mu­sik­struk­tu­ren oder Dis­so­nan­zen schnell ei­ne Be­las­tung, so­fern man die Mu­sik zur in­ne­ren Ein­kehr hö­ren möch­te. Hier hel­fen Ru­he, Ge­las­sen­heit und Har­mo­nie. Die mensch­li­che Stim­me be­rührt uns am meis­ten. Nicht oh­ne Grund läuft im Ra­dio fast nur Mu­sik mit Ge­sang. Die Stim­me ist uns nah. Im­mer neh­men wir sie im Ver­gleich zu un­se­rer Stim­me wahr. So ist sie ein Spie­gel des Le­bens mit un­se­ren Mit­men­schen und weckt da­her die größ­ten Emo­tio­nen al­ler In­stru­men­te.

Wie wich­tig ist ei­gent­lich die „Hör­si­tua­ti­on“für die­se Art Mu­sik? Brau­che ich schon ei­ne ge­wis­se äu­ße­re Ru­he oder gar Dun­kel­heit, um durch die­se Klän­ge auch ei­ne in­ne­re Ru­he zu fin­den?

Op­ti­ma­ler­wei­se ist der Raum, in dem man zur Mu­sik me­di­tiert, frei von Bal­last, ru­hig, freund­lich und in schö­nem Licht. Falls in der Um­ge­bung kei­ne Ru­he ist, kann auch ein Kopf­hö­rer Wun­der wir­ken. So­bald wir die Au­gen schlie­ßen, bleibt der woh­li­ge Ein­druck der äu­ße­ren Um­ge­bung und die in­ne­re Rei­se kann be­gin­nen. Auch mit of­fe­nen Au­gen ist Me­di­ta­ti­on gut mög­lich. Zum Bei­spiel beim Blick auf ei­ne bren­nen­de Ker­ze, oder ein­fach ins Freie aus dem Fens­ter.

Die Wir­kung ei­ner Me­di­ta­ti­on mit Mu­sik ist oft­mals auch nach­hal­tig. In spä­te­ren Stress­si­tua­tio­nen, wie z. B. in ei­ner über­füll­ten U-Bahn, kann schon die Er­in­ne­rung an die Mu­sik zu ei­nem in­ne­ren Lä­cheln und mehr Ge­las­sen­heit füh­ren.

Was emp­feh­len Sie den­je­ni­gen, die bis­her mit eher spi­ri­tu­el­len, me­di­ta­ti­ven Klän­gen we­nig an­fan­gen konn­ten, es aber mal aus­pro­bie­ren wol­len?

Ver­su­chen Sie zu­erst die Mu­sik zu fin­den, die Ih­ren ei­ge­nen Vor­stel­lun­gen am nächs­ten kommt. Sie muss gar nicht un­be­dingt als Me­di­ta­ti­ons­mu­sik de­kla­riert sein. Es kann z. B. ei­ne Film­mu­sik sein, die Sie po­si­tiv be­rührt. Ich pro­du­zie­re seit ei­ni­ger Zeit Mu­sik ver­schie­de­ner Stil­rich­tun­gen, meist Film- oder Pop­mu­sik. Ir­gend­wann tauch­te der in­ne­re Wunsch auf, auch Me­di­ta­ti­ons­mu­sik zu schrei­ben. Die An­nä­he­rung und das Ver­ständ­nis brauch­ten dann aber ei­ni­ge Zeit und dau­ern im­mer noch an. Wie so Vie­les im Le­ben. <

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