Freu dich!

Auszeit - - HEILSAM - SA­B­RI­NA LIEB

„Ich wür­de am liebs­ten die gan­ze Welt um­ar­men!“Le­bens­freu­de ist die Nah­rung un­se­rer See­le und die Ba­sis für ein glück­li­ches Le­ben. So­fern sie in letz­ter Zeit zu kurz ge­kom­men ist, hier die gu­te Nach­richt: Sie ist trai­nier­bar.

Wer wünscht sich das nicht, die­ses Ge­fühl von tie­fer Freu­de und über­flie­ßen­der Ener­gie. Am liebs­ten täg­lich. Vie­le Men­schen über­kommt vor al­lem im Früh­ling ein Emo­ti­ons­hoch, sie spü­ren neue Kraft, Hoff­nung und Zu­ver­sicht. Al­les er­scheint plötz­lich viel leich­ter, man fühlt sich be­schwing­ter. Das Lä­cheln kommt leich­ter von den Lip­pen. So weit so gut. An die­ser Stel­le mag der Lenz al­ler­dings ein schlech­tes Bei­spiel da­für sein, so mit­ten im grau­en, kal­ten No­vem­ber. „Le­bens­freu­de ist trai­nier­bar“hört man im­mer wie­der, doch wie funk­tio­niert das wirk­lich? Wie ent­steht Le­bens­freu­de? Was kann sie dar­an hin­dern, bei uns ein­zu­keh­ren? Und mit wel­chen Tricks kön­nen wir ihr wie­der auf die Sprün­ge hel­fen?

Sich des Le­bens freu­en

Viel­leicht kennst du die­se Mo­men­te: Du bist un­glück­lich, stellst al­les in Fra­ge und fühlst dich ein­fach nicht gut. Dann blickst du auf dein Le­ben und sagst dir „Ei­gent­lich soll­te es mir doch pri­ma ge­hen.“Ob­wohl du schein­bar al­les hast, was es für ein Le­ben in Freu­de braucht – Ge­sund­heit, Lie­be, Geld oder was auch im­mer du für dich hier de­fi­niert hast – hät­test du in sol­chen Mo­men­ten ger­ne ei­ne ul­ti­ma­ti­ve Pil­le ge­gen schlech­te Lau­ne. „Sich des Le­bens freu­en“ist ein sehn­li­cher Wunsch, der in den meis­ten Men­schen Zu­hau­se ist, aber so eher sel­ten for­mu­liert wird. Viel­mehr wird Freu­de an Wün­sche ge­kop­pelt, de­ren Er­fül­lung

un­ser Ge­müt schließ­lich be­frie­di­gen sol­len. Dass die­se Rech­nung nicht auf­geht, zeigt sich spä­tes­tens dann, wenn ein Wunsch in Er­fül­lung geht. Nur kurz sind wir zu­frie­den. We­nig spä­ter stre­ben wir schon nach dem nächs­ten. Mit je­dem er­füll­ten Wunsch wach­sen nun mal zwei wei­te­re – sagt der Volks­mund. Wer dau­ernd mehr will und mit sei­nem „Jetzt“par­tout nicht zu­frie­den ist, sich selbst nicht die Chan­ce gibt, hier und heu­te bei sich und sei­nem Le­ben an­zu­kom­men, bei dem wird sich auch in Zu­kunft kei­ne Le­bens­freu­de ein­stel­len. So sehr er die­se auch her­bei zwin­gen mag.

Ba­lan­ce fin­den – ein­fa­cher ge­sagt als ge­tan. Der Wil­le ist da, doch häu­fig sind wir von äu­ße­ren Um­stän­den ge­ra­de­wegs um­zin­gelt, die uns ge­nau das er­schwe­ren. Den­noch und ge­ra­de dar­auf soll­ten wir un­ser Au­gen­merk rich­ten: Es gibt vie­le Fak­to­ren, auf die wir di­rek­ten Ein­fluss neh­men kön­nen, um un­se­re Le­bens­freu­de wie­der neu zu ent­de­cken. Ich spre­che des­halb von

Die Ba­sis fur Le­bens­freu­de ist die Ba­lan­ce zwi­schen Wunsch, Ge­nuss und Zuf­rie­den­heit mit dem, was wir er­rei­chen. Zu­letzt Zuf­rie­den­heit mit uns selbst.

der Neu­ent­de­ckung un­se­rer Le­bens­freu­de, weil sie ganz ein­fach schon im­mer da war!

Auf­ma­chen und Zu­las­sen

Wenn wir von Le­bens­freu­de spre­chen, weiß je­der von uns, was da­mit ge­meint ist und doch kön­nen wir die­ses Ge­fühl nur schwer be­schrei­ben. Das liegt dar­an, dass es für je­den ei­ne ganz ei­ge­ne De­fi­ni­ti­on gibt. Die ei­nen mö­gen sich ru­hig und ent­spannt da­bei füh­len, die an­de­ren von Wär­me durch­flu­tet, ein

an­de­rer fühlt ein woh­li­ges Krib­beln im Kör­per, bei dem nächs­ten formt sich ein über­schwäng­li­ches, fast schon ek­sta­ti­sches Ge­fühl. Eben­so­we­nig, wie wir bei dem Ge­fühl der Le­bens­freu­de auf ei­nen ge­mein­sa­men Nen­ner kom­men, fin­den wir auch ei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort dar­auf, was in uns das Ge­fühl der Le­bens­freu­de zum Vor­schein brin­gen kann. Zwei­fels­oh­ne kön­nen äu­ße­re Fak­to­ren, Men­schen und Si­tua­tio­nen ih­ren Teil da­zu bei­tra­gen. Viel wich­ti­ger ne­ben den äu­ße­ren Um­stän­den ist al­ler­dings, dass Le­bens­freu­de aus uns selbst her­aus ent­steht. Auf­ma­chen und Zu­las­sen: Wir kön­nen le­bens­froh sein, oh­ne das Zu­tun an­de­rer Men­schen oder die Er­fah­rung be­son­de­rer Um­stän­de. Und auch hier die Fra­ge an dich: Bist du be­reit, dein Po­ten­ti­al zu ent­de­cken und dich aus dir selbst her­aus zu freu­en? Zwei Her­an­ge­hens­wei­sen, die Freu­de im Le­ben wie­der zu ent­de­cken, die aber ei­nes ge­mein­sam ha­ben: Nur dann, wenn wir ein Er­leb­nis, ei­ne Er­fah­rung, ei­nen Men­schen und am wich­tigs­ten – uns selbst – als an­ge­nehm, wohl­tu­end, wün­schens­wert und po­si­tiv be­wer­ten, kann dar­aus Freu­de für uns ent­ste­hen.

Wer­de wie­der Kind!

Kannst du dich noch an dei­ne un­ge­zü­gel­te kind­li­che Le­bens­freu­de er­in­nern? Wie bei den meis­ten Men­schen ist es so, dass sie das Ma­xi­mum ih­rer Le­bens­freu­de als Kind hat­ten. Dann fin­det oft ein Rück­schritt statt, im Lau­fe ih­rer Jah­re geht im­mer mehr Freu­de ver­lo­ren. Wor­an liegt es, dass wir schein­bar mit un­bän­di­ger Freu­de im Her­zen und gren­zen­lo­ser Frei­heit im Kopf ge­bo­ren wer­den, dies aber im Lau­fe un­se­re Jah­re im­mer wei­ter ver­lie­ren? Le­bens­freu­de ist ei­ne Ei­gen­schaft, mit der wir be­reits ge­bo­ren wer­den. Sie ist bei Kin­dern be­din­gungs­los vor­han­den, um­so mehr müs­sen wir tun, da­mit sie uns auch in fort­schrei­ten­dem Al­ter nicht ab­han­den kommt. Wer­fen wir ei­nen Blick auf die wich­tigs­ten Ei­gen­schaf­ten von Kin­dern: Sie le­ben im Mo­ment. Sie er­freu­en sich an klei­nen, all­täg­li­chen Din­gen. Sie ma­chen sich kei­ne Ge­dan­ken dar­über, was an­de­re über sie den­ken. Sie blei­ben stets neu­gie­rig. Blei­ben wir es auch! <

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