Soul Food

Auszeit - - NEWS - ALEX­AN­DRA SIEBERT

Es heißt ja, man soll im Mo­ment le­ben. Im Hier und Jetzt sein. Nun ja, die­ser Mo­ment in dem ich mei­nen Ar­ti­kel über Soul-Food be­gann, er­öff­ne­te mir blitz­ar­tig ein le­ben­di­ges Pan­ora­ma von Ge­fühls­re­gun­gen mit al­len er­denk­li­chen Wet­ter­la­gen. Gut. Das The­ma er­öff­net Raum zur In­ter­pre­ta­ti­on. An­ge­nehm. Es­sen liebe ich, See­le le­be ich. Da wird mir schon was da­zu ein­fal­len. Aber erst mal re­cher­chie­ren.

Spare­ribs & Meat Balls

Was wird denn ei­gent­lich all­ge­mein mit der Be­zeich­nung „Soul Food“as­so­zi­iert, fra­ge ich mich? Chi­cken Wings, Spare­ribs, Meat Balls, Och­sen­schwanz­sup­pe und ge­koch­te Schwei­ne­fü­ße wür­den ei­nem da wohl kaum in den Sinn kom­men. „Oh doch!“tönt die welt­weit ver­brei­te­te, (fehl)mei­nungs­bil­den­de On­li­ne-En­zy­klo­pä­die und möch­te zwei­fels­oh­ne ei­nes an­de­ren be­leh­ren, denn der ein­zi­ge nich­tMe­di­en-be­zo­ge­ne Ein­trag mit dem Ti­tel „Soul Food“be­zeich­net die tra­di­tio­nel­le Küche der Afro­ame­ri­ka­ner in den USA. Nun, ihr Lie­ben, von die­ser See­len­kost möch­te ich euch ganz si­cher nicht be­rich­ten. Wohl­wis­send, dass ich an die­ser Stel­le nicht fün­dig wer­de wür­de, be­ge­be ich mich zu mei­nen ei­ge­nen ku­li­na­ri­schen Er­fah­run­gen.

Der Mann in der Küche

Mei­ne Kind­heit war ge­prägt von Pa­pas rie­si­gen Sup­pen­pöt­ten, die über die Wo­che hin­weg auf­ge­ges­sen wer­den muss­ten. Am Koch­tag füll­te sich der Pott wie­der mit ei­ner neu­en Sup­pe. Oh, wie ha­be ich die­se zu To­de ver­koch­te Spei­se ver­ab­scheu­te! Im­mer das Glei­che – ei­ne schma­le Pa­let­te von fünf Sup­pen im Wech­sel – und fri­sche Sa­chen gab es so­wie­so so gut wie nie. Ob mei­ne Mut­ter über­haupt ge­kocht hat? Er­in­nern kann ich mich dar­an nicht. Das ist aber auch un­we­sent­lich, denn ge­fühlt war die Küche Pa­pas Re­vier. Ko­mi­scher­wei­se zog sich die­ses Mus­ter ganz pla­ka­tiv auch durch mei­ne ei­ge­nen Be­zie­hun­gen. Es ist nicht so, dass ich mir selbst nie et­was zu Es­sen be­rei­tet hät­te, doch es­sen al­lei­ne war im­mer eher ne­ben­säch­lich auf die Schnel­le.

Das ge­mein­sa­me Din­ner mit dem Part­ner hat­te na­tür­lich ganz an­de­re An­sprü­che. Da wur­de ich al­ler­dings meis­tens mehr oder we­ni­ger lie­be­voll aus der Küche ge­drängt. Wenn das ein­mal nicht der Fall war, dann hat­te sei­ne Ma­jes­tät trotz­dem im­mer das Koch­löf­fel-Zep­ter in der Hand. Kurz ge­sagt: mei­ne Krea­ti­vi­tät in der Küche konn­te sich zum da­ma­li­gen Zeit­punkt noch nicht ent­fal­ten.

Le­bens­ge­schen­ke

In mei­nen spä­ten Zwan­zi­gern, ei­ni­ge Be­zie­hun­gen, ei­ne dra­ma­tisch be­en­de­te Ehe und ein bis auf die Grund­mau­ern ab­ge­brann­tes Le­ben spä­ter, fand ich mich wie­der auf ei­ner wun­der­vol­len von Hip­pies über­lau­fe­nen sub­tro­pi­schen In­sel. Mal wie­der mit Voll­gas ge­gen die Wand fah­rend. Da mach­te ich ei­ne Be­geg­nung mit ei­ner dort le­ben­den Künst­le­rin, die mich mit den fol­gen­den Wor­ten tief be­rühr­te: „Nun ist es gut, mei­ne Liebe. Reiß dich jetzt mal zu­sam­men. Es wä­re scha­de um all dei­ne wun­der­ba­ren Qua­li­tä­ten, die du nie voll ent­fal­ten wirst, wenn du dich wei­ter­hin mit dem selbst ge­stal­te­ten Le­bens­dra­ma ab­lenkst. Wenn du nun be­reit bist dei­nen wah­ren Weg zu ge­hen, wer­de ich dich ein Stück be­glei­ten und dich die Kunst der Ein­fühl­sam­keit leh­ren, so­dass du lernst das wun­der­ba­re Ge­schenk des Le­bens in der Tie­fe zu er­fah­ren.“„Ja, das möch­te ich.“sag­te ich. Sie sprach wei­ter: „Die Kunst der Ein­fühl­sam­keit ist ei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form mit

al­lem was ist. Durch die­se Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form weiß ich, was mir be­geg­net, weil ich es er­spü­re. Ich ge­he in Re­so­nanz mit dem an­de­ren und er­füh­le die Wahr­haf­tig­keit von al­lem. „Se­hen und ge­se­hen wer­den“. Erst wenn ich mich selbst se­he, se­he ich den an­de­ren und erst wenn ich mich selbst füh­le, füh­le ich den an­de­ren. Aus der Si­cher­heit des Er­füh­lens und Mit­ge­fühls kann ich mir selbst mehr ver­trau­en. So wer­de ich sta­bi­ler und kann an­de­ren mehr ver­trau­en, weil ich sie durch Füh­len wahr­haf­tig „se­hen“kann. Das wah­re Mit­ge­fühl be­freit uns von Mit­leid und gibt die Frei­heit uns auf den Weg zu ma­chen, um den Men­schen und der Welt aus be­din­gungs­lo­ser Liebe zu be­geg­nen.“Und so lehr­te sie mich die Acht­sam­keit und die Ein­fühl­sam­keit... mit den Men­schen um mich her­um, mit der Na­tur und den Tie­ren, mit al­lem Le­ben­di­gen und vor al­lem mit mir selbst.

Nah­rung für die See­le

Viel­leicht fragt ihr euch, was die­se Ge­schich­te mit „Soul Food“zu tun hat. In mei­nen Au­gen je­de Men­ge. Was macht denn un­ser Le­ben aus und gibt un­se­rer See­le Nah­rung, wenn nicht das Ge­fühl, das mit dem Ge­leb­ten ein­her geht. Das La­chen und Wei­nen, das Stau­nen und Be­sin­nen, der Ge­nuss ei­nes be­son­de­ren Mo­ments und nicht zu­letzt die Gau­men­freu­den. Und je tie­fer wir fä­hig wer­den un­se­re Um­welt und uns selbst zu emp­fin­den und zu spü­ren, des­to er­füll­ter er­le­ben wir un­ser Le­ben in Ein­fühl­sam­keit mit al­lem, was ist. Und des­to bes­ser kön­nen wir ko­chen. Ganz im Ernst. Wenn man sich da­für öff­net der Kar­tof­fel mit Liebe und Ein­fühl­sam­keit in all ih­ren Fa­cet­ten zu be-

geg­nen, ih­re Struk­tur und ihr Ver­hal­ten zu ent­de­cken, so lernt man die­se Kar­tof­fel, wie ei­ne Far­be, in ein wun­der­vol­les Ge­samt­kunst­werk ein­zu­bin­den. Auf die­se Wei­se kann man je­dem Ge­würz, je­dem Ge­mü­se oder Obst be­geg­nen und sei­ne ei­ge­ne Farb­pa­let­te er­wei­tern. Vie­le Far­ben er­öff­nen über­ra­schen­de neue Nuan­cen in Kom­bi­na­ti­on mit an­de­ren Far­ben oder auf ei­ner va­ri­ie­ren­den Grund­la­ge. Und so kann man im­mer wie­der neue Krea­tio­nen er­schaf­fen aus der spie­le­ri­schen Freu­de des Ein­füh­lens. Die­ses Soul Food nährt gleich­zei­tig den Kör­per und die See­le. Das We­sent­li­che da­bei zu er­ken­nen ist: die näh­ren­de Sub­stanz dar­in - die Le­bens­en­er­gie, die reins­te ur­sprüng­li­che Es­senz, die al­les durch­strömt. Es ist die uni­ver­sel­le Liebe, die be­din­gungs­lo­se Liebe Got­tes. Liebe ist un­ser Soul Food.

Al­les ist Ener­gie

...sag­te der be­rühm­te Wis­sen­schaft­ler Ni­ko­la Tes­la. Wir und al­les um uns her­um, das Sicht­ba­re so­wie das Un­sicht­ba­re, ist Ener­gie, die mit un­ter­schied­li­chen Fre­quen­zen schwingt. Nur ein klei­nes Spek­trum da­von drückt sich in Ma­te­rie aus und ist für das mensch­li­che Au­ge sicht­bar. Ich fin­de, man kann sich das am Bei­spiel Was­ser sehr gut vor­stel­len: es kann fest sein, flüs­sig und gas­för­mig. Oft se­hen wir es gar nicht, doch ei­ne ge­wis­se Luft­feuch­tig­keit ist im­mer vor­han­den. So ist es auch mit Ener­gie. Sie ist im­mer da, hat un­ter­schied­li­che Qua­li­tä­ten und wirkt im­mer auf uns ein. Ob wir uns des­sen be­wusst sind oder nicht, ist für sie völ­lig un­er­heb­lich. Für uns al­ler­dings schon, denn un­ser kör­per­li­cher, geis­ti­ger und see­li­scher Zu­stand ist maß­geb­lich da­von ab­hän­gig, in wel­chen Ener­gi­en wir uns auf­hal­ten oder zu uns neh­men. So, küm­mert euch um Eu­re See­len, räumt jeg­li­che Schla­mas­sel und Trau­ma­ta aus der Ver­gan­gen­heit auf, löst ver­al­te­te Mus­ter, auch wenn man­ches hart­nä­ckig ist, es lohnt sich. Habt euch sel­ber lieb, seid re­spekt­voll zur Na­tur und eu­ren Mit­men­schen, zeigt Mut zur Ver­ant­wor­tung, seid dank­bar, ver­brei­tet gu­te Vi­bes und um mal ganz sach­lich beim The­ma Food zu blei­ben: esst gu­tes Es­sen, bio, re­gio­nal und sai­so­nal und am bes­ten selbst an­ge­baut, auch wenn es nur die Kü­chen­kräu­ter sind oder der Sa­lat. Vie­les ist mög­lich. In­for­miert Euch, was gut, sinn- und lie­be­voll für eu­ren Kör­per ist, eu­re Um­welt und den Pla­ne­ten. Fühlt Euch. Gebt Eu­rer See­le Raum. Seid be­wuss­te Men­schen! Al­les an­de­re ist Le­bens­ver­schwen­dung. <

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.