Hab kei­ne Angst

20 be­ru­hi­gen­de Grün­de, kei­ne Angst vor dem Tod zu ha­ben

Auszeit - - DOSSIER - Kei­ne Angst vor dem Tot­sein

Si­cher, je­dem fal­len auf An­hieb ein paar Grün­de ein, die hel­fen, ei­nem die Angst vor dem Tod und dem Ster­ben zu neh­men. Aber sel­ten ha­ben wir die­se Grün­de so aus­führ­lich und kom­pakt zugleich vor­ge­fun­den, wie auf dem In­ter­net-Por­tal von Nor­man Bren­ner. Wir do­ku­men­tie­ren ei­nen Aus­zug sei­nes Ar­ti­kels.* 1. NICHT LE­BEN IST NICHT SCHLIMM

Er­in­nerst du dich an die Zeit vor dei­ner Ge­burt? Na­tür­lich nicht. Du hast ja nicht ge­lebt.

Wenn du ehr­lich zu dir selbst bist, musst du dir ein­ge­ste­hen, dass es Mil­lio­nen und Mil­li­ar­den von Jah­ren gab, in de­nen du nicht ge­lebt hast. War das schlimm? Nein. Du hast kei­ne schlim­me Er­in­ne­rung an die­se Zeit, ge­nau­so we­nig wie die ge­sam­te Mensch­heit. War­um soll­te es al­so ein Un­ter­schied sein, ob du nicht (mehr) lebst, weil du ge­stor­ben bist, oder ob du (noch) nicht lebst weil du noch nicht ge­bo­ren bist?

Nicht zu le­ben ist nichts schlim­mes. Es ist die Re­gel. Le­ben ist die Aus­nah­me.

2. DER TOD IST REI­NE GE­WÖH­NUNGS­SA­CHE

Die Ge­wöh­nung ist ei­ne un­se­rer mensch­li­chen Su­per­kräf­te.

Wir ge­wöh­nen uns ein­fach an al­les! Selbst an den Tod und das Ster­ben ge­wöhnst du dich. War­um soll­te es hier auch ei­ne Aus­nah­me ge­ben? Du hast be­stimmt schon von tod­kran­ken Kin­dern ge­hört. Ich ha­be erst kürz­lich ei­ne Reportage dar­über ge­se­hen und da fiel es mir wie Schup­pen von den Au­gen: Selbst die­se un­schul­di­gen Kin­der, de­nen nur ein ge­rin­ger Teil der durch­schnitt­li­chen Le­bens­er­war­tung ver­gönnt ist, ge­wöh­nen sich an den Tod. Und teil­wei­se noch viel bes­ser als Er­wach­se­ne.

Ich war wirk­lich ver­blüfft mit wel­cher Selbst­ver­ständ­lich­keit die­se Kin­der ih­ren na­hen­den Tod an­ge­nom­men ha­ben und wie ge­las­sen sie dar­über re­den konn­ten.

Wenn es die­se Kin­der kön­nen, dann kannst du es auch!

3. DER TOD IST NA­TÜR­LICH

Die Na­tur hat es gut mir dir ge­meint, weil du ge­bo­ren wur­dest. War­um soll­te sie es nun schlecht mit dir mei­nen, wenn sie dich ster­ben lässt? Der Tod ist kein Ge­gen­spie­ler des Le­bens, er ist ein Teil von ihm! Ja, wir brau­chen ihn so­gar, wie du an den fol­gen­den Punk­ten un­schwer er­ken­nen wirst:

4. DEIN TOD IST EI­NE CHAN­CE FÜR AN­DE­RE

Ja, ganz recht.

Ich weiß, dass es schwer ist, das so zu se­hen. Aber es ist nun ein­mal ein Grund, der für den Tod spricht.

Durch den Tod ei­nes ge­lieb­ten Men­schen ver­än­dert sich oft das gan­ze Le­ben sei­ner Fa­mi­lie und Freun­de. Na­tür­lich ist da erst mal Trau­er und vi­el­leicht so­gar auch Wut und Un­ver­ständ­nis. Aber nicht sel­ten führt der Tod ei­nes ge­lieb­ten Men­schen sei­nen An­ge­hö­ri­gen vor Au­gen, wie kost­bar das Le­ben ist. Das hat manch­mal weit­rei­chen­de Fol­gen.

Ich ha­be schon von Men­schen ge­hört, die ihr kom­plet­tes Le­ben auf den Kopf ge­stellt ha­ben, weil sie plötz­lich rea­li­sier­ten, dass sie gar nicht ihr ei­ge­nes

Le­ben ge­lebt ha­ben. Sie kün­dig­ten vi­el­leicht ih­ren ver­hass­ten Job und leb­ten fort­an viel glück­li­cher und er­füll­ter. Oh­ne das schreck­li­che Er­eig­nis wä­re es wahr­schein­lich nicht so­weit ge­kom­men. Des­halb lässt sich dar­aus auch ein wei­te­rer be­ru­hi­gen­der Grund für dich selbst ab­lei­ten:

5. DU BIST NICHT AB­HÄN­GIG VON DER ZU­KUNFT!

Le­be dein Le­ben heu­te und du hast mor­gen nichts zu ver­säu­men!

Oft kommt die Angst vor dem Tod näm­lich auch da­her, dass Men­schen ihr Le­ben nicht so le­ben kön­nen, wie sie es ei­gent­lich wol­len!

Dar­aus ent­steht auch zum größ­ten Teil die Reue im Al­ter, et­was im Le­ben ver­säumt zu ha­ben.

Wenn du dein Le­ben je­den Tag so lebst, wie du es wirk­lich willst, musst du auch am En­de nichts be­reu­en und kannst in Frie­den ge­hen.

6. DER TOD GIBT DEI­NEM LE­BEN EI­NEN SINN

Er er­in­nert dich dar­an, dich auf das We­sent­li­che im Le­ben zu kon­zen­trie­ren. Dein Le­ben ist kurz und üch­tig. Wenn un­ser Le­ben end­los wä­re, hät­ten wir doch gar kei­ne Mo­ti­va­ti­on, heu­te et­was dar­aus zu ma­chen. Es gä­be doch im­mer ein Mor­gen… und ein Über­mor­gen…

Nur da­durch, dass uns im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes ei­ne „De­ad­line“ge­setzt wird, fan­gen wir doch über­haupt erst et­was mit un­se­rem Le­ben an! Und ge­nau aus die­sem Grund hat der Tod auch noch zahl­rei­che wei­te­re Vor­tei­le im Ge­päck:

7. DER TOD MACHT DICH GLÜCK­LICH

War­um ge­nie­ßen wir et­was? Weil es end­lich ist. Das Le­ben ist end­lich – dem Tod sei dank – nur des­halb kön­nen wir es ge­nie­ßen! Uns­terb­lich­keit wür­de doch den gan­zen Spaß aus der Sa­che neh­men. Neh­men wir zum Bei­spiel das Ach­ter­bahn­fah­ren. Denkst du ein Uns­terb­li­cher könn­te sich dar­an er­freu­en? Kein Ner­ven­kit­zel, kein Ad­re­na­lin, ja nicht ein­mal Ver­liebt­heit (Gruß an al­le Twi­light-Fans) wä­re für den Uns­terb­li­chen drin, denn er hät­te sie ja gar nicht nö­tig.

Wenn al­so Uns­terb­lich­keit den Spaß nimmt, kann man dann vi­el­leicht so­gar be­haup­ten, dass der Tod erst den Spaß ins Le­ben bringt?

8. DER TOD HILFT DIR, PRIO­RI­TÄ­TEN IM LE­BEN ZU SET­ZEN

Er zeigt uns, wor­auf es im Le­ben wirk­lich an­kommt und wor­auf nicht. Ist es sinn­voll den größ­ten Teil sei­ner kost­ba­ren Le­bens­zeit da­mit zu ver­brin­gen, für Geld und ma­te­ri­el­le Be­sitz­tü­mer zu schuf­ten?

Nein? Den­ke ich auch nicht. Aber wo­her wis­sen wir das?

Weil uns klar ist, dass wir ma­te­ri­el­le Din­ge nicht mit­neh­men kön­nen, wenn wir ster­ben. Sie kön­nen al­so nicht der End­zweck un­se­res Le­bens sein.

Der Tod ist al­so so et­was wie ei­ne Glas­ku­gel, die uns hilft, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen.

9. DER TOD HILFT DIR ZU VER­ZEI­HEN

Er führt dir vor Au­gen, wie klein­lich und stur du in man­chen Si­tua­tio­nen warst/bist. Wenn der Tod ge­lieb­ter Men­schen her­an­naht, nei­gen wir da­zu ih­nen zu ver­zei­hen. Wir wol­len, dass sie in Frie­den ge­hen kön­nen. Ge­nau­so ver­zei­hen aber auch ster­ben­de meist an­de­ren Men­schen, da­mit sie selbst ru­hi­gen Ge­wis­sens ge­hen kön­nen. Die­se po­si­ti­ve Ei­gen­schaft des To­des kann und soll­te man sich am Bes­ten schon zu Nut­ze ma­chen, wenn man noch voll im Le­ben steht.

Zum Ei­nen kann der Tod ei­nen na­tür­lich je­der­zeit über­ra­schen.

Zum An­de­ren ha­ben wir aber doch auf je­den Fall mehr da­von, un­se­ren Lie­ben schon zu Leb­zei­ten zu ver­ge­ben und Frie­den zu schlie­ßen. So kön­nen wir noch viel mehr po­si­ti­ve Mo­men­te mit ih­nen er­le­ben und ha­ben am En­de noch viel mehr Grün­de um dank­bar zu sein.

10. DER TOD IST NUR DER GROS­SE BRU­DER DES SCHLAFES

Was ha­ben Schla­fen­de und To­te ge­mein­sam? Sie neh­men nicht be­wusst am Welt­ge­sche­hen teil. Und fin­dest du Schla­fen schlimm? Hat es nicht eher et­was be­ru­hi­gen­des?

Na­tür­lich kann kein le­ben­di­ger Mensch sa­gen, ob tot sein dem Schla­fen ähn­lich ist. Im Schlaf pas­siert zu­min­dest ei­ni­ges im Ge­hirn, was ja bei To­ten nicht mehr der

Fall ist. Aber es ist Fakt, dass du, wäh­rend du schläfst, nicht be­wusst auf der Welt exis­tierst. Du exis­tierst vi­el­leicht be­wusst in den Au­gen von wa­chen Men­schen, die dich se­hen oder du exis­tierst be­wusst in dei­nem ei­ge­nen Traum, aber du exis­tierst nicht be­wusst in der Welt.

Ich per­sön­lich schla­fe ziem­lich ger­ne und fin­de die­sen Ge­dan­ken be­son­ders tröst­lich.

11. DU BIST MEHR, ALS DAS WAS STIRBT

Was ist ei­gent­lich dein Ich?

Ist es dein Kör­per? Oder dein Ver­stand? Oder die Kom­bi­na­ti­on aus bei­dem? Nein, es muss mehr sein. Denn wenn es nicht mehr ge­ben

wür­de, dann könn­te ich den Spruch „Dies ist mein Ver­stand“gar nicht sa­gen und nie­mand wür­de ihn ver­ste­hen. Ich wä­re ja mein Ver­stand und der Satz hät­te kei­nen Sinn.

Es muss al­so et­was hin­ter Ver­stand und Kör­per ge­ben, das in der La­ge ist, die­se zu er­ken­nen und als ei­nen Teil von sich zu be­zeich­nen.

Das ist das, was ich schon des Öf­te­ren als wah­res Selbst be­zeich­net ha­be. Es ist der Le­bens­fun­ke, der un­se­rem Kör­per und un­se­rem Ver­stand bei der Ge­burt ein­ge­haucht wird. Da die­ses wah­re Selbst nicht ein­fach ge­bo­ren wird, son­dern schon vor un­se­rer Ge­burt exis­tiert ha­ben muss, wird es auch nicht mit un­se­rem Tod ster­ben. Dass du dich selbst frei­wil­lig ein­zig und al­lein auf dein Ego re­du­zierst, ist im Prin­zip auch der ein­zig wah­re Grund, war­um du ster­ben musst. Wenn du dir nicht dar­über be­wusst bist, dass du mehr als dein Kör­per und Geist bist, kann der Tod schon ziem­lich be­ängs­ti­gend sein. Denn dann blie­be ja rein gar nichts von dir üb­rig. Wenn du aber weißt, dass es da noch mehr gibt, ist das ein wirk­lich be­ru­hi­gen­der Ge­dan­ke, der dem Tod ei­ni­ges an Schre­cken neh­men kann.

Und das führt uns auch wie­der zu dem Schluss, dass die Ve­re­de­lung die­ses ein­zi­gen uns­terb­li­chen Be­stand­tei­les in uns – un­se­res wah­ren Selbst – ei­ne der sinn­volls­ten, wenn nicht so­gar die sinn­volls­te Auf­ga­be im Le­ben sein muss!

12. DU KANNST GLAU­BEN

Gott, Bud­dha, die Macht, das wah­re Selbst oder ro­sa Ele­fan­ten auf dem Mars. Die meis­ten Men­schen glau­ben an et­was Hö­he­res. Ei­ne Kraft, die die Welt und das Uni­ver­sum in Gang hält und vi­el­leicht so­gar ge­schaf­fen hat. Es ist egal, was es letz­ten En­des auch ist, an das du glaubst. Das wich­tigs­te ist, dass du glaubst. Die­ser Glau­be gibt dir den Halt, den du brauchst, um das Le­ben ir­gend­wann los­las­sen zu kön­nen.

13. DER TOD IST NUR EI­NE UM­WAND­LUNG DEI­NER ENER­GIE

Al­les ver­läuft in Zy­klen.

Ta­ge, Jah­re, Ener­gie… nichts ver­schwin­det. Al­les wird um­ge­wan­delt und kommt wie­der. Sehr an­schau­lich ha­be ich das an­hand der Me­ta­pher des Flus­ses in mei­nem kos­ten­lo­sen eBook er­klärt:

Auch der Fluss ist Teil ei­nes sol­chen Kreis­lau­fes. Er ießt ins Meer, wo das Was­ser ver­duns­tet, um dann an­de­ren­orts wie­der nie­der­zu­reg­nen und ei­nen neu­en Fluss zu for­men.

Stell dir dein Le­ben wie die­sen Fluss vor. Sei­ne Es­senz, das Was­ser, en­det nicht mit dem En­de des Flus­ses. Es wird zu et­was Grö­ße­rem und „be­lebt“schließ­lich neue Flüs­se.

Die­se Vor­stel­lung gibt mir im­mer sehr viel Zu­ver­sicht . ...

Und war­um soll­test du nun Angst vor dem Ab­schluss die­ses Pro­zes­ses ha­ben? Das wä­re ja so, als ob je­mand mit Flug­angst schon die hal­be Stre­cke von Mün­chen nach Los An­ge­les gefl ogen wä­re und nur Angst vor der An­kunft hät­te!

18. DER TOD KOMMT MEIST UN­ER­WAR­TET

Klar kann man den Tod in ge­wis­ser Wei­se ab­schät­zen. Dass ein 85 jäh­ri­ger Krebs­pa­ti­ent nicht mehr so lan­ge le­ben wird, wird er sich den­ken kön­nen. Aber den tat­säch­li­chen Mo­ment, in dem es pas­sie­ren wird, den kann nie­mand wirk­lich vor­aus­sa­gen (es sei denn, er steht am He­bel des elek­tri­schen Stuh­les, an den du an­ge­schlos­sen bist).

Wie soll mich die­ser Um­stand be­ru­hi­gen und mir die Angst vor dem Ster­ben neh­men? Ge­ra­de dass er un­er­war­tet kommt, macht mir ja sol­che Angst! Ich sa­ge, ge­ra­de das soll­te dich be­ru­hi­gen. Wie ich schon des Öf­te­ren er­wähnt ha­be, ist das Ster­ben in den meis­ten Fäl­len nicht wirk­lich qual­voll. Qual­voll sind meist nur un­se­re Ge­dan­ken an den Tod: Wenn du nun al­so ak­zep­tierst, dass dich der Tod über­ra­schen wird, kannst du dir zu­min­dest die Ge­dan­ken über das Wann, Wie und Wo er­spa­ren. Da­mit musst du dich nicht quä­len!

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.