| Angst

Ängs­te durch Me­di­ta­tio­nen auf­lö­sen

Auszeit - - INHALT -

Angst­stö­run­gen über­win­den # Me­di­ta­ti­on als Hel­fer # Mein Weg zu­rück ins Le­ben # Angst als Über­le­bens­hel­fer

Angst – was ist das ge­nau? Angst ist ein ne­ga­ti­ves Grund­ge­fühl, das sich vor al­lem in sol­chen Si­tua­tio­nen äu­ßert, die als be­droh­lich oder ge­fähr­lich emp­fun­den wer­den. Ängs­te sind in In­ten­si­tät und Er­le­ben un­ter­schied­lich. Fol­gen­de hier­ar­chi­sche Auf­lis­tung gibt ei­nen Über­blick:

Vier von zehn Deut­schen lei­den un­ter leich­ten Ängs­ten. Je­der Zehn­te wird im All­tag durch sei­ne Angst stark ein­ge­schränkt. Die­se Zah­len be­stä­ti­gen, dass Ängs­te über­aus prä­sent sind.

Angst als Ur­ge­fühl

Angst ist ei­gent­lich ein sinn­vol­les (Ur-)Ge­fühl, das uns vor Ge­fah­ren warnt. Wir wer­den alar­miert und be­rei­ten uns auf Kampf oder Flucht vor. Der Über­le­bens­trieb schal­tet sich ein und schärft al­le Sin­ne. Durch gu­te und schnel­le Re­ak­tio­nen wur­de so frü­her das Über­le­ben un­se­rer Spe­zi­es ge­si­chert. Emp­fin­den wir je­doch in Si­tua­tio­nen Angst, von de­nen ei­gent­lich kei­ne rich­ti­ge Ge­fahr aus­geht, spre­chen wir von un­an­ge­mes­se­ner Angst, die schäd­lich auf uns wirkt und un­se­re Le­bens­qua­li­tät enorm be­ein­träch­tigt. Wir fürch­ten uns vor et­was, was kei­ne Be­dro­hung dar­stellt.

Die Gr­und­fä­hig­keit, Angst zu emp­fin­den, ist ei­ne an­ge­bo­re­ne. Je­der Mensch trägt sie in sich. Da­zu kommt er­lern­tes Ver­hal­ten. Wem sug­ge­riert wird, dass ei­ne be­stimm­te Si­tua­ti­on angst­aus­lö­send ist oder wer solch ei­ne Si­tua­ti­on er­le­ben muss­te, spei­chert die­se mit dem Ge­fühl Angst ab. Auch trau­ma­ti­sche Er­leb­nis­se wie Miss­brauch, schwe­re Un­fäl­le oder er­leb­te Kriegs­si­tua­tio­nen sor­gen da­für, dass wir be­stimm­te Si­tua­tio­nen als über­aus be­droh­lich und ge­fähr­lich an­se­hen. Oft­mals rech­nen Be­trof­fe­ne fort­an stän­dig mit der Mög­lich­keit ei­ner Wie­der­ho­lung und tra­gen die­se be­las­ten­den Ge­dan­ken im­mer mit sich her­um. Auch von über­ängst­li­chen El­tern kön­nen Kin­der mit der Zeit ler­nen, Si­tua­tio­nen als ge­fähr­lich an­zu­se­hen, ob­wohl die­se es in Wirk­lich­keit gar nicht sind. Län­ger an­hal­ten­de star­ke An­span­nungs­ge­füh­le kön­nen eben­so in ver­schie­de­ne For­men der Angst mün­den.

Je­der Mensch hat ein ei­ge­nes, per­sön­li­ches Angst­le­vel. Wäh­rend für den ei­nen der Zahn­arzt­be­such kein Pro­blem dar­stellt, lei­det der an­de­re schon Wo­chen da­vor an Ängs­ten und geht schließ­lich als psy­chi­sches Wrack zum Ter­min. Wäh­rend der ei­ne Spin­nen liebt und ei­ni­ge Pracht­ex­em­pla­re zu Hau­se hält, be­kommt der an­de­re fast ei­nen Herz­in­farkt, wenn er ei­ne bei sich zu Hau­se ent­deckt.

Angst als Krank­heit

An ei­ner Pa­nik­stö­rung lei­den­de Men­schen er­le­ben pho­bi­sche Ang­st­an­fäl­le, die in be­stimm­ten

Si­tua­tio­nen (z. B. Men­schen­an­samm­lun­gen), an be­stimm­ten Or­ten (z. B. Auf­zü­gen) und bei be­stimm­ten Be­geg­nun­gen (z. B. Spin­nen) aus­bre­chen. Die­se Pa­ni­k­an­fäl­le lö­sen teil­wei­se sehr hef­ti­ge kör­per­li­che Sym­pto­me aus. Die Be­trof­fe­nen zit­tern, füh­len Schmer­zen, Druck in der Brust, star­kes Herz­klop­fen, er­le­ben Atem­not und Schwin­del­ge­füh­le. Man­che hy­per­ven­ti­lie­ren so­gar, was zu schlim­men Krämp­fen bis hin zu Ohn­mach­ten füh­ren kann.

Wer an Pa­nik­at­ta­cken lei­det oder mal ei­ne er­lebt hat, ent­wi­ckelt oft Angst vor ei­nem mög­li­chen nächs­ten An­fall und mei­det Si­tua­tio­nen, die der äh­neln, in der die Pa­nik auf­ge­tre­ten ist. Er zieht sich zu­rück und ge­rät in ei­nen Teu­fels­kreis der Angst. Die Angst vor der Angst be­herrscht sein Le­ben mehr und mehr und führt zum so­zia­len Rück­zug, der wei­te­re psy­chi­sche Pro­ble­me nach sich zieht.

Die Angst, die bleibt

Die ge­ne­ra­li­sier­te Angst macht sich schlei­chend be­merk­bar, man spürt sie in Form ei­nes mul­mi­gen Ge­fühls, als wach­sen­de in­ne­re An­span­nung und be­las­ten­de Un­ru­he. Da­bei ent­steht oft ein Druck in der Ma­gen­ge­gend und man fühlt sich wie ge­lähmt. Die Ge­dan­ken krei­sen, so dass es schwer fällt, sie in ei­ne ver­nünf­ti­ge Rich­tung zu len­ken.

Die Ur­sa­chen für schwe­re Angst­stö­run­gen kön­nen aus ganz ver­schie­de­ner Rich­tung kom­men. Wer wis­sent­lich an ei­ner schwe­ren Krank­heit lei­det, setzt sich ganz au­to­ma­tisch viel mit Ängs­ten aus­ein­an­der – der Krebs­pa­ti­ent, der weiß, dass es kei­ne Hei­lung für ihn gibt, der Herz­kran­ke, der weiß, dass er nicht all­zu vie­le Jah­re mehr le­ben wird. Angst­ge­füh­le ge­hö­ren mit­tel­bar oder un­mit­tel­bar zu den Sym­pto­men ei­ner ernst­haf­ten kör­per­li­chen Krank­heit. Ei­ni­ge Er­kran­kun­gen des Ner­ven­sys­tems im Ge­hirn - z. B. Mul­ti­ple Sk­le­ro­se, Par­kin­son, De­menz - kön­nen in un­ter­schied­li­chen Krank­heits­pha­sen eben­falls Ängs­te be­wir­ken. Aber auch sucht­er­zeu­gen­de Sub­stan­zen för­dern Ängs­te. Al­ko­hol und Dro­gen grei­fen in den Ge-

Die Angst vor der Angst be­herrscht sein Le­ben mehr und mehr und führt zum so­zia­len Rück­zug

hirn­stoff­wech­sel ein und ver­än­dern Wahr­neh­mung, Den­ken und Psy­che. Bei chro­ni­schem Kon­sum kön­nen Ängs­te, Wahn­ide­en und tie­fe De­pres­sio­nen ent­ste­hen. Bei Ent­zug der Dro­ge tre­ten oft noch hef­ti­ge­re Angst­ge­füh­le auf.

Nicht zu­letzt kön­nen Stress, Bur­nout und star­ke see­li­sche Be­las­tun­gen an­hal­ten­de Angst­ge­füh­le oder Pa­ni­k­an­fäl­le be­wir­ken.

Die Angst be­sie­gen

Ganz wich­tig ist, die Hil­fe ei­nes The­ra­peu­ten in An­spruch zu neh­men. Hier wird vor al­lem mit Psy­cho­the­ra­pie ge­ar­bei­tet, ins­be­son­de­re der ko­gni­ti­ven Ver­hal­tens­the­ra­pie. Ei­ne deut­li­che Bes­se­rung, die auch sta­bil bleibt, wird mit die­sem An­satz bei 80–90 % der Be­han­del­ten er­zielt. Wich­tig ist, die The­ra­pie auf je­den ein­zel­nen Pa­ti­en­ten in­di­vi­du­ell zu­zu­schnei­den und da­bei sei­ne ge­nau­en Ängs­te zu be­rück­sich­ti­gen. Ei­ne Angst­be­hand­lung mit der ko­gni­ti­ven Ver­hal­tens­the­ra­pie braucht Zeit, In­ten­si­tät und Fle­xi­bi­li­tät. Pa­ti­en­ten müs­sen sich ih­ren Ängs­ten stel­len, sie ver­ste­hen und dar­über spre­chen, war­um sie vor be­stimm­ten Si­tua­tio­nen oder Din­gen sol­che Angst ha­ben.

Er­reich­te Ver­bes­se­run­gen des kör­per­li­chen Zu­stan­des so­wie der Stress­be­wäl­ti­gung, der Selbst­ein­schät­zung und der Selbst­wahr­neh­mung stär­ken die Per­sön­lich­keit des Pa­ti­en­ten. Ge­ar­bei­tet wird mit Kör­per­the­ra­pie, Sport und Ent­span­nungs­trai­ning.

Die zwei ef­fek­tivs­ten Be­hand­lungs­me­tho­den bei schwe­re­ren Angst­stö­run­gen sind die Kon­fron­ta­ti­ons­the­ra­pie und die Ex­po­si­ti­on als wich­ti­ger Teil der ko­gni­ti­ven The­ra­pie­me­tho­den.

Kon­fron­ta­ti­on

Ziel der Kon­fron­ta­ti­ons­the­ra­pie ist, dass der Pa­ti­ent die Er­fah­rung macht, dass auch ein Le­ben oh­ne Angst mög­lich ist. Durch ei­ne pro­vo­zier­te Kon­fron­ta­ti­on mit der Angst er­zeu­gen­den Si­tua­ti­on wer­den al­le kör­per­li­chen Angst­sym­pto­me zu­erst stär­ker und in­ten­si­ver, doch nach ei­ner Wei­le, wenn man die Si­tua­ti­on aus­hält und die Pa­nik­ge­füh­le zu­lässt, wer­den die kör­per­li­chen Angst­sym­pto­me, dann die emo­tio­na­len und die ge­dank­li­chen Angs­tre­ak­tio­nen ge­rin­ger.

Das Zau­ber­wort heißt „Ha­b­itua­ti­on“(Ge­wöh­nung) und be­schreibt ei­nen kör­per­li­chen Vor­gang. Be­vor die Kon­fron­ta­ti­on statt­fin­den kann, müs­sen al­le Ver­mei­dungs­stra­te­gi­en des Pa­ti­en­ten ana­ly­siert wer­den, da­mit ei­ne ech­te Ex­po­si­ti­on statt­fin­den kann.

Ko­gni­ti­ve The­ra­pie

Wenn vor al­lem ge­dank­li­che Be­fürch­tun­gen die Angst­stö­rung auf­recht­er­hal­ten, müs­sen die­se Ka­ta­stro­phen­ge­dan­ken ge­zielt be­han­delt wer­den. Die ko­gni­ti­ve The­ra­pie hilft den Be­trof­fe­nen, ih­re Ge­dan­ken bes­ser zu steu­ern, so­mit mu­ti­ger und ra­tio­na­ler ih­re Ängs­te zu be­wäl­ti­gen. Schritt für Schritt kön­nen neue, po­si­ti­ve Er­fah­run­gen ge­macht wer­den, wel­che die Angst

vor der Angst ver­rin­gern und das Selbst­be­wusst­sein stär­ken.

Denk­mus­ter än­dern

Be­stimm­te Heil­me­di­ta­tio­nen und Denk­pro­gram­me hel­fen da­bei, die Ängs­te zu be­sie­gen. So kön­nen zum Bei­spiel ge­führ­te Me­di­ta­tio­nen den Men­schen po­si­tiv be­ein­flus­sen und die Angst­stö­run­gen ein­däm­men. Un­ser Un­ter­be­wusst­sein ist äu­ßerst mäch­tig. Je­der von uns hat es, doch Zu­griff dar­auf ha­ben wir nicht. In die­ser rie­si­gen Fül­le von Da­ten fin­den sich al­le Ein­drü­cke, Er­leb­nis­se und Emo­tio­nen, al­les was wir im Le­ben er­lebt ha­ben und ge­ra­de er­le­ben. In ihm sind auch all un­se­re Le­bens- und Denk­pro­gram­me ab­ge­spei­chert. Die Prä­gun­gen, die wir an­ge­nom­men ha­ben im Lau­fe un­se­res Le­bens, un­se­rer Cha­rak­ter, die Ei­gen­schaf­ten und Glau­bens­sät­ze, die uns de­fi­nie­ren.

Auch Ängs­te ha­ben hier ih­ren Stamm­sitz. Um die­se eli­mi­nie­ren zu kön­nen, müs­sen sie im Un­ter­be­wusst­sein ge­löscht und durch neue, po­si­ti­ve For­meln, z. B.

„Ich bin mu­tig“statt „Ich ha­be Angst“, er­setzt wer­den. In tie­fen Ent­span­nungs­zu­stän­den, die durch Hyp­no­se, Au­to­ge­nes Trai­ning und Me­di­ta­ti­on ent­ste­hen kön­nen, ist es mög­lich, den Kon­takt zum Un­ter­be­wusst­sein her­zu­stel­len und mit ihm zu ar­bei­ten.

Hier kön­nen die Wei­chen für die Zu­kunft ge­stellt wer­den. Die neu­en For­meln wir­ken aus dem Un­ter­be­wusst­sein her­aus ins Be­wusst­sein und ver­än­dern so mit je­dem Tag mehr das Den­ken des Men­schen in die ge­wünsch­te Rich­tung hin, al­so in un­se­rem Fall weg von der Angst hin zu Mut und Stär­ke.

Hyp­no-Heil­me­di­ta­ti­on

Sie kom­bi­niert Ele­men­te aus der Hyp­no­se, der Au­to­ge­nen Trai­ning Ober­stu­fe, der Me­di­ta­ti­on und ei­ge­ne An­sät­ze aus un­se­rer lang­jäh­ri­gen Wis­sen­schafts- und Pra­xis­ar­beit zu ei­nem über­aus wir­kungs­vol­len Gan­zen. Der Gol­de­ne Raum fun­giert als ge­schütz­ter, ma­gi­scher Ort, wo al­les mög­lich ist. Be­ge­ben wir uns mit un­se­rer Übung in die­sen ma­gi­schen Raum hin­ein. <

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