ZEI­TEN ÄN­DERN SICH

Auszeit - - NEWS - Uwe Funk, Chef­re­dak­teur

Ken­nen Sie das auch? Je äl­ter wir wer­den, des­to schnel­ler scheint die Zeit zu ver­ge­hen, qua­si so ein we­nig an uns vor­bei­zu­zie­hen. Wir tre­ten et­was zu­rück, bei­na­he wie je­mand, der nur zu­schaut. Und wir sa­gen Sät­ze wie: „Mein Gott, ist die Klei­ne groß ge­wor­den!“Oder: „Was? Mor­gen ist schon wie­der Frei­tag?“Und schlim­mer noch – der Mon­tag scheint gleich auf den Frei­tag zu fol­gen ...

Nun­ja, man muss es nicht dra­ma­ti­sie­ren, es hat auch sei­ne Vor­tei­le. Wir wer­den mit dem Al­ter deut­lich ge­las­se­ner. An­ders als noch in der Kind­heit lei­den wir zum Bei­spiel nicht mehr dar­an, dass die Ta­ge bis Weih­nach­ten so quä­lend lang­sam ver­ge­hen. Und wir sind vol­ler Er­in­ne­run­gen – im Kopf und im Her­zen, in Fo­to­al­ben, al­ten Brie­fen oder den Ord­nern un­se­rer Smart­pho­nes und Ta­blets. Manch­mal fra­ge ich mich al­ler­dings, wie weit wir un­se­ren Er­in­ne­run­gen noch trau­en kön­nen. Oder ob sie sich mit der Zeit im­mer mehr ver­klä­ren, re­la­ti­vie­ren, an na­he­ge­le­ge­ne Deu­tungs­mus­ter an­pas­sen. Aber das ist ja auch ganz nor­mal. Wenn man als Kind in den lang er­sehn­ten Som­mer­fe­ri­en je­den Tag ein neu­es Aben­teu­er er­lebt hat, dann prä­gen sich ge­nau die­se über­deut­lich ein. Und so kommt es, dass man sich ir­gend­wann da­bei er­wischt, nun sel­ber öf­ter zu sa­gen:

„Frü­her war al­les bes­ser . ...

Frü­her durf­ten wir noch drau­ßen spie­len und al­les es­sen ... Das hat­ten wir frü­her doch auch schon al­les und ha­ben uns nicht be­schwert ...“und lau­ter sol­cher Sprü­che. Sei­en Sie ehr­lich: Rutscht Ih­nen nicht auch manch­mal so ein Satz raus?

Aber so­lan­ge das nicht ins viel zu ver­brei­te­te Nör­geln ab­glei­tet, ist das schon in Ord­nung. Denn manch­mal ist es wich­tig, wenn die äl­ter wer­den­de Ge­ne­ra­ti­on – und so lang­sam darf ich mich auch da­zu zäh­len – die Wo­gen der vie­len ak­tu­el­len Hy­pes et­was glät­tet. Es hat ei­nen gro­ßen Wert, das Le­ben im JETZT, das Aus­le­ben des Mo­ments an­zu­ra­ten, wenn man selbst die Er­fah­rung von un­zäh­li­gen JETZTs in sich trägt; wenn man die Be­deu­tung des Mo­ments des­halb glaub­wür­dig ver­mit­teln kann, weil man sel­ber schon ei­ne Un­men­ge sol­cher Mo­men­te er­lebt hat.

Aber es wä­re fa­tal, sich mit zu­neh­men­dem Al­ter dar­auf zu be­schrän­ken, die Zeit im­mer schnel­ler an sich vor­bei­rau­schen zu las­sen und ab und an mal der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on ein paar klu­ge Sprü­che auf den Weg zu ge­ben. Manch­mal ist es wich­tig, ganz ei­gen­nüt­zig aus der Rou­ti­ne her­aus­zu­tre­ten, et­was ganz Un­ge­wohn­tes zu tun, weil man es will. Sie ha­ben si­cher schon er­lebt, wie gut so et­was tut, wenn man sich dar­auf ein­lässt, oh­ne sich zu über­for­dern. Oh­ne am Tag da­nach beim Haus­arzt zu sit­zen und sich an­hö­ren zu müs­sen: „Was um al­les in der Welt ha­ben Sie ge­tan? In IH­REM Al­ter! ...“

Al­so ge­nie­ßen Sie den Mo­ment und las­sen Sie uns die Zeit wert­schät­zen – die, die hin­ter uns liegt, und die, die noch kommt. <

Herz­lichst,

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