DIE GE­NE­RA­TIO­NEN IM ÜBERLICK

AUTO ZEITUNG Classic Cars - - KAUFBERATUNG -

An der Na­se zu er­ken­nen

Luft­ein­läs­se, Schein­wer­fer und Stoß­stan­gen ge­ben ei­nen ers­ten Hin­weis auf den Pro­duk­ti­ons­Zei­t­raum: 1 Zwei Chrom­stre­ben in den Nüs­tern so­wie tief sit­zen­de Schein­wer­fer kenn­zeich­nen die frü­hen Low­ligh­tMo­del­le (1957 bis 1959)

2 Nach den Werks­fe­ri­en 1959 wur­den grö­ße­re Luft­ein­läs­se mit drei Stre­ben mon­tiert, die Schein­wer­fer sit­zen hö­her 3 Mehr Si­cher­heit ver­spra­chen die grö­ße­ren Blin­ker, die an Mo­del­len ab Au­gust 1969 zu fin­den sind 4 1971 star­te­te der Typ 14 in sei­ne letz­te Run­de, un­ter an­de­re mit deut­lich mas­si­ve­ren Stoß­fän­gern

Dreck und Was­ser an, bis es von in­nen nach au­ßen blüht. Ähn­li­ches gilt in den vor­de­ren Rad­häu­sern: Kas­ten­för­mi­ge Luft­füh­run­gen rei­chen von den „Na­sen­lö­chern“in der Fahr­zeug­front bis hin­ter das Ar­ma­tu­ren­brett. Oft sind sie ver­gam­melt oder mit Flick­werk re­pa­riert, manch­mal so­gar kom­plett ver­schwun­den. Auch das Schottblech hin­ter den Rä­dern soll­te vor­han­den und idea­ler­wei­se schwarz sein: Bei Re­stau­ra­tio­nen wird es ger­ne mit­la­ckiert. Fehlt es, sam­melt sich der Schmutz un­ge­hin­dert im Ver­bor­ge­nen.

Die Bo­den­grup­pe soll­te in ei­nem gu­ten Zu­stand sein

Wie bei al­len luft­ge­kühl­ten Volks­wa­gen gilt ein ge­nau­er Blick der Bo­den­grup­pe, und zwar von bei­den Sei­ten. St­ein­schlä­ge und Was­ser set­zen ihr von un­ten zu. Ge­ra­de beim Ca­brio ist es aber nicht aus­zu­schlie­ßen, dass sich (durch ein un­dich­tes oder zu spät ge­schlos­se­nes Ver­deck) auch von oben Was­ser an­ge­sam­melt hat und un­ter dem Tep­pich Scha­den an­rich­tet. Ver­däch­tig ist di­cker Un­ter­bo­den­schutz an den Schraub­kan­ten zwi­schen Ka­ros­se­rie und Bo­den­grup­pe. Se­ri­en­mä­ßig aus­ge­lie­fert wur­de das Typ 14 Ca­brio­let mit ei­nem Vi­nyl­dach. Bei äl­te­ren Mo­del­len ist ei­ne Kunst­stoff-Heck­schei­be ein­ge­setzt, die im Lau­fe der Zeit blind oder brü­chig wird. Mo­del­le ab 1969 sind mit ei­ner Glas­schei­be aus­ge­stat­tet, die se­pa­rat her­un­ter­ge­klappt wird. Bei der Be­sich­ti­gung ei­nes Ca­brio­lets wird das Ver­deck na­tür­lich aus­pro­biert: Das Lö­sen er­folg­te bei frü­hen Mo­del­len mit ei­ner mit­tig an­ge­brach­ten Kur­bel, bei spä­te­ren Au­tos mit je ei­nem Spann­he­bel links und rechts. Der Be­zug soll­te nicht ris­sig sein – oft wur­de er be­reits durch ein Son­nen­land-Dach er­setzt – und der Mecha­nis­mus ein­wand­frei funk­tio­nie­ren. Lässt sich die Per­sen­ning an­schlie­ßend gut an­brin­gen? Sind auch al­le Druck­knöp­fe vor­han­den? Tech­nisch bie­tet der Kar­mann die be­währ­te Kä­fer-Tech­nik sei­nes Bau­jah­res mit all ih­ren Stär­ken und Schwä­chen. So gilt es bei­spiels­wei­se dar­auf zu ach­ten, ob die Vor­der­ach­se re­gel­mä­ßig ge­schmiert wur­de. Sicht­ba­res Fett ist da­bei kein Man­gel, im Ge­gen­teil: Das neue Fett soll­te schließ­lich so lan­ge hin­ein ge­presst wer­den, bis es an den seit­li­chen Man­schet­ten sicht­bar wird. Erst dann ist ga­ran­tiert, dass die al­te „Fül­lung“kom­plett her­aus­ge­drückt wur­de. Spiel in der Len­kung kann eben­so vor­kom­men wie ein un­dich­tes Lenk­ge­trie­be. Dass die Bo­xer­mo­to­ren ölen, ist be­kannt, die Spu­ren soll­ten hin­ge­gen nicht zu hef­tig sein.

DER KAR­MANN GHIA IST AL­LES AN­DE­RE ALS EIN SPORT­LER

Kar­mann-Samm­ler und -Spe­zia­list To­bi­as Lud­wig kennt wei­te­re Stel­len, die sich bei In­ter­es­se an ei­nem Au­to schnell über­prü­fen las­sen: „Wäh­rend am Vor­der­wa­gen Dich­tungs­gum­mis zwi­schen Stoß­stan­gen­hal­tern und Ka­ros­se­rieblech ein­ge­setzt sind, gab es die­se hin­ten nicht.“Bei vie­len Re­stau­ra­tio­nen wer­den sie aber auch am Heck ein­ge­setzt. Ein wei­te­res Ori­gi­na­li­täts­merk­mal sind die Spie­gel: Die frü­hen Schwa­nen­hals-Spie­gel (bis 1960) er­kennt man am wei­ßen Plas­tik­rah­men um das Glas. Bei spä­te­ren Mo­del­len wird statt des ori­gi­na­len ger­ne ein Kä­fer-Spie­gel auf der Fah­rer­sei­te mon­tiert, weil die­ser schein­bar bes­ser zum op­tio­na­len rech­ten Au­ßen­spie­gel (mit sei­nem län­ge­ren Arm) passt.

Die Lie­be zum De­tail ist an­ge­bracht, aber teu­er

Aber wer sich be­reits um sol­che De­tails küm­mern kann, hat of­fen­bar ein gu­tes Au­to er­wischt. Als Kür der Be­sich­ti­gung lohnt der Blick auf die Mo­tor­hau­be: Ist der Schrift­zug wirk­lich kom­plett? Im In­ter­net und auf Tei­le­bör­sen wer­den oft Lo­gos an­ge­bo­ten, bei de­nen der lan­ge Schwung des „G“fehlt. Der bricht näm­lich schnell ab, was die ho­hen Prei­se für ver­meint­lich gu­te Ori­gi­nal­tei­le ad ab­sur­dum führt. Ge­ne­rell gilt: Wer ein gu­tes oder so­gar au­then­ti­sches Au­to ha­ben will, soll­te ein ent­spre­chend üp­pi­ges Bud­get für Er­satz­tei­le ein­kal­ku­lie­ren.

Der Geist der 50erJah­re lebt vor al­lem in den gra­zi­ler wir­ken­den frü­hen Mo­del­len wei­ter

Tech­nisch blieb der Kar­mann Ghia Typ 14 stets auf dem Stand des je­weils ak­tu­el­len Kä­fers mit bis zu 50 PS

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