Su­ba­ru XT Tur­bo 4W D

Leicht­flug­zeug-Old­ti­mer trifft auf fu­tu­ris­ti­schen Acht­zi­ger­jah­re-Keil: Die­se Paa­rung birgt mehr Ge­mein­sam­kei­ten, als man ver­mu­tet – nicht nur, weil bei­de vom sel­ben Her­stel­ler stam­men

AUTO ZEITUNG Classic Cars - - INHALT - [ TEXT Ger­rit Rei­chel FO­TOS Wim Wo­eber ]

Keil-Cou­pé mit Bo­xer­mo­tor trifft Leicht­flug­zeug von Fu­ji

All­rad­an­trieb plus Bo­xer­mo­tor ist gleich Ral­lye- Er­folg: So könn­te man die DNA der Mar­ke Su­ba­ru in Kurz­form um­schrei­ben. Wer sei­ne au­to­mo­bi­le So­zia­li­sie­rung im Young­ti­mer-Zeit­al­ter er­fah­ren hat, muss un­will­kür­lich an die wil­den Neun­zi­ger den­ken, als der se­li­ge Co­lin McRae erst im Le­ga­cy und dann im Im­p­re­za die World Ral­lye Cham­pi­ons­hips auf­misch­te. Wer sich wei­ter zu­rück­er­in­nern kann, hat vi­el­leicht noch die Mo­del­le Su­ba­ru 1000 und Leo­ne vor Au­gen. Der ei­ne fei­er­te 1966 Pre­mie­re und kom­bi­nier­te den ers­ten Bo­xer der Mar­ke mit dem bis da- hin in Ja­pan un­üb­li­chen Front­an­trieb. Der an­de­re be­saß 1972 als ers­ter Su­ba­ru ei­nen se­ri­en­mä­ßi­gen All­rad­an­trieb. Nur die we­nigs­ten wer­den je­doch wis­sen, dass die Ur­sprün­ge von Su­ba­ru be­reits 100 Jah­re zu­rück­lie­gen: Am 10. De­zem­ber 1917 grün­de­te Chi­ko­hei Na­ka­ji­ma in Ota, ei­ne gu­te Au­to­stun­de von To­kio ent­fernt, ein Ver­suchs­la­bor für Flug­zeug­bau. Dar­aus ent­wi­ckel­te sich mit den Jah­ren ein über­aus er­folg­rei­cher Kon­zern, der die ja­pa­ni­sche Luft­waf­fe mit Mo­to­ren und Flug­zeu­gen be­lie­fer­te. Nach dem Krieg wur­de das Un­ter­neh­men zer­schla­gen, ehe es sich 1953 als Fu­ji Hea­vy In­dus­tries durch den Zu­sam-

menschluss von fünf üb­rig ge­blie­be­nen Fir­men wie­der neu grün­de­te. Da­zu ge­hör­te auch ei­ne Au­to­mo­bil­spar­te.

Im Ja­pa­ni­schen steht Su­ba­ru für Ver­ei­ni­gung

Die­se Vor­ge­schich­te muss man ken­nen, um den Na­men und das Lo­go von Su­ba­ru zu ver­ste­hen: Die sechs Ster­ne der Mar­ke ste­hen für die fünf Ur­sprungs­fir­men und den neu ge­grün­de­ten Mut­ter­kon­zern, das Wort Su­ba­ru steht im Ja­pa­ni­schen für Ver­ei­ni­gung. Die Vor­ge­schich­te ist aber auch von Be­deu­tung für ein sehr spe­zi­el­les Zu­sam­men­tref­fen, dass Clas­sic Cars auf ei­nem Sport­flug­platz in der Nä­he der Su­ba­ru Deutsch­lan­dZen­tra­le in Fried­berg ar­ran­giert hat: Dort trifft ein Leicht­flug­zeug-Old­ti­mer von Fu­ji auf das eben­falls schon in Wür­de ge­reif­te Acht­zi­ger­jah­re-Cou­pé Su­ba­ru XT. Wie sich her­aus­stellt, ha­ben die Fu­ji FA-200 mit dem li­met­ten­grü­nen Rü­cken und der wei­ße All­ra­dKeil weit mehr ge­mein­sam als nur den Mut­ter­kon­zern. Das fängt an beim Mo­tor­kon­zept: Bei­de be­her­ber­gen ei­nen Vier­zy­lin­der-Bo­xer un­ter der Hau­be. In der FA-200 stammt er vom US-ame­ri­ka­ni­schen Her­stel­ler Ly­co­m­ing und hat sat­te 5,9 Li­ter Hu­b­raum, im XT sind es be­schei­de­ne­re 1,8 Li­ter, die al­ler­dings von ei­nem Ab­gas­tur­bo­la­der druck­voll be­at­met wer­den. Im In­nen­raum set­zen sich die Par­al­le­len fort. Das Cock­pit

Ach­tung, Kopf ein­zie­hen! Mit 110 km/ h setzt die Fu­ji hin­ter dem XT zum Über­flug an

des Su­ba­ru zi­tiert zahl­rei­che De­tails aus dem Flug­zeug­bau, an­ge­fan­gen bei dem ei­gen­wil­li­gen Schalts­tock, der wie ein Steu­er­knüp­pel aus­sieht. Wei­ter geht es bei den ver­spiel­ten, rechts und links des Lenk­ra­des auf­ge­reih­ten Be­dien­ele­men­ten. Ins­ge­samt zäh­len wir 17 Knöp­fe. Als der XT neu war, ka­men sich die Kol­le­gen der AU­TO ZEI­TUNG im Test vor wie Ak­kor­de­on­spie­ler. Auch beim De­sign des XT ha­ben sich die Su­ba­ru-Sty­lis­ten von der Flie­ge­rei in­spi­rie­ren las­sen: Um ei­ne mög­lichst güns­ti­ge Ae­ro­dy­na­mik zu er­rei­chen, er­hielt das Cou­pé ei­ne ex­trem fla­che Front mit Klapp­schein­wer­fern, ver­senk­te Tür­grif­fe, ei­nen teil­wei­se ver- klei­de­ten Un­ter­bo­den und ei­ne Pas­sa­gier­ka­bi­ne, die mit ex­akt gleich ge­neig­ter Front- und Heck­schei­be nicht nur zu­fäl­lig wie ei­ne Jet-Kan­zel an­mu­tet. Das Er­geb­nis: Bei sei­nem Eu­ro­pa-De­büt im Jah­re 1985 glänz­te der XT mit ei­nem re­kord­ver­däch­ti­gen cw-Wert von 0,29. Au­ßer­dem war der Su­ba­ru das wohl fu­tu­ris­tischs­te Au­to auf der IAA. Heu­te wie da­mals freut man sich im XT über den dank der gro­ßen und fla­chen Glas­flä­chen gran­dio­sen Rund­um­blick. Wie der Su­ba­ru XT ge­hört auch die Fu­ji FA-200 heu­te zu den Exo­ten. Von dem Cou­pé ver­kauf­ten die Ja­pa­ner welt­weit 100.000 Stück. In Deutsch­land wa­ren es nur 1056 Ex­em­pla­re. Wer heu­te ei­nen XT sucht, fin­det lan­des­weit

noch ge­nau ein ein­zi­ges An­ge­bot. Die Fu­ji wie­der­um wur­de nach ih­rem Erst­flug am 12. Au­gust 1965 nur 299 Mal ge­baut. Die Be­sit­zer der we­ni­gen er­hal­te­nen Ma­schi­nen ha­ben sich 1983 in Deutsch­land zu ei­nem Club zu­sam­men­ge­schlos­sen, un­ter an­de­rem, um die Er­satz­teil­ver­sor­gung zu fai­ren Prei­sen si­cher­zu­stel­len. Dass sich das lohnt, steht für die Fu­ji-Fans au­ßer Zwei­fel: Das Flug­zeug gilt als sehr ro­bust, hält auch Kunst­flug­ma­nö­vern bis 6 g stand und ist für den Se­gel­flug als Schlepp­ma­schi­ne zu­ge­las­sen. Als Be­son­der­heit darf die Fu­ji oben­drein mit ge­öff­ne­ter Kan­zel flie­gen, was den Pas­sa­gie­ren ein ziem­lich zu­gi­ges Flug­er­leb­nis be­schert. Al­ler­dings darf sie nicht dau­er­haft über Kopf flie­gen, auch nicht mit ge­schlos­se­ner Kan­zel – da­bei wür­de ir­gend­wann der Öl­film im Mo­tor ab­rei­ßen. Mit die­sem Hin­weis, den wir äu­ßer­lich un­be­ein­druckt, innerlich sehr er­leich­tert auf­neh­men, klet­tern wir zu ei­nem Rund­flug in die FA-200. All­zu ge­wag­te Ma­nö­ver sind auch nicht die Sa­che des Su­ba­ru. Sein Luft­fahr­werk bet­tet die In­sas­sen wie auf Wol­ken. Da­zu kommt ein Brems­pe­dal, das sich but­ter­weich an­fühlt. Un­ser Fo­to­mo­dell, zur Ver­fü­gung ge­stellt vom All­rad­ex­per­ten und lang­jäh­ri­gen Su­ba­ruHänd­ler Ro­land Heinz in Mös­sin­gen, ver­fügt zu­dem über die elek­tro­ni­sche Vier­gang-Au­to­ma­tik ACT4. Die­se bremst den aus heu­ti­ger Sicht oh­ne­hin über­schau­ba­ren Punch des 136-PS-Bo­xers auf ein un­spek­ta­ku­lä­res Ni­veau ein. Wirk­lich sport­lich fühlt sich das nicht an. Von der Schalt­ver­si­on des XT be­rich­te­ten die Kol­le­gen der AU­TO ZEI­TUNG einst im­mer­hin noch von ve­he­men­tem Tur­bo-Ein­satz und durch­dre­hen­den Vor­der­rä­dern – wohl­ge­merkt oh­ne per ro­tem Knopf am Joy­stick zu­ge­schal­te­tem Hin­ter­rad­an­trieb. Zwar gab es den XT in den USA auch mit ei­nem 2,7-Li­ter-Sechs­zy­lin­der-Bo­xer, aber auch der bot mit 145 PS kaum spür­bar mehr Po­wer. Ta­lent be­weist der XT da­für, eher un­er­war­tet, im Ge­län­de: Die Bo­den­frei­heit lässt sich auf Knopf­druck vor­ne um 30 und hin­ten um 35 Mil­li­me­ter ver­grö­ßern. „Dank die­ses hö­hen­ver­stell­ba­ren Fahr­werks konn­te ich so schon mal ei­nem Su­zu­ki-Ge­län­de­wa­gen fol­gen“, er­in­nert sich Ro­land Heinz. Der XT hat ihn von Be­ginn an fas­zi­niert, zum Bei­spiel auch we­gen der aus­ge­klü­gel­ten Lenk­rad­ver­stel­lung. Sie er­laubt das Ver­schie­ben nach oben und un­ten, aber auch in Längs­rich­tung, wo­bei der ge­sam­te In­stru­men­ten­trä­ger ein­schließ­lich der Be­dien­sa­tel­li­ten mit­wan­dert. Als wir den XT nach un­se­rer Test­fahrt wie­der ne­ben der FA-200 ab­stel­len, zischt er zum Ab­schied lei­se aus dem Kom­pres­sor des Luft­fahr­werks und den luft­ge­füll­ten Fe­der­bäl­gen. Mit 35.000 Eu­ro war der XT Tur­bo 4WD 1985 ver­mut­lich schlicht zu teu­er, um ein gro­ßer Er­folg zu wer­den. Vi­el­leicht kam er auch ein­fach zu früh. Die ge­ball­te Tech­nik, ge­paart mit dem ei­gen­wil­li­gen De­sign, mag die Au­to­käu­fer hier­zu­lan­de über­for­dert ha­ben. Heu­te da­ge­gen ist er schon cool, ir­gend­wie.

Vi­el­leicht ka­men die ge­ball­te Tech­nik und das ei­gen­wil­li­ge De­sign zu früh

Hier wird der Fah­rer zum Pi­lo­ten: Cock­pit mit ku­rio­sem Au­to­ma­ti­kWähl­he­bel und ei­ner Art Zwei­spei­chen-Lenk­rad

Aus dem Kas­set­ten­spie­ler kom­men Fahr­tipps von Ke­ke Ros­berg

Ins­ge­samt 17 Knöp­fe ver­tei­len sich auf den Be­dien­sa­tel­li­ten links und rechts des Lenk­ra­des

Eng, aber be­quem: In der FA-200 fin­den vier Per­so­nen Platz

Die Sechs Ster­ne im Su­ba­ru-Lo­go er­in­nern an die Ein­zel­un­ter­neh­men von Fu­ji Hea­vy In­dus­tries

Der 5,9-Li­ter-Bo­xer vom Typ O-360 von Ly­co­m­ing wird im­mer noch ge­baut

Für Au­to­fah­rer kaum zu über­bli­cken­de Viel­falt an In­stru­men­ten. Nur ei­nen Schalt­he­bel gibt es nicht

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