Por­sche 944 S2

Als Kon­trast­pro­gramm zum hit­zi­gen 911 ist der coo­le Drei­li­ter-Vier­zy­lin­der un­über­trof­fen: Sei­ne fi­na­le Fas­sung ver­bin­det her­vor­ra­gen­de Fahr­dy­na­mik mit gran­dio­ser Lang­zeit­qua­li­tät

AUTO ZEITUNG Classic Cars - - INHALT - Kars­ten Reh­mann

Sein Kof­fer­raum fasst sechs Ge­trän­ke­kis­ten, er ver­braucht bei in­tel­li­gen­ter Fahr­wei­se kaum mehr als zehn Li­ter Su­per auf 100 Ki­lo­me­ter, sei­ne Sport­sit­ze ge­stat­ten auch ZweiMe­ter-Män­nern ei­ne halb­wegs kom­mo­de Hal­tung am Lenk­rad, sein Fe­de­rungs­ver­hal­ten und sein Ge­räusch­kom­fort sind ab­so­lut lang­stre­ck­en­taug­lich, und wenn er in ei­ner gut ge­lüf­te­ten Ga­ra­ge über­nach­ten darf, wird es sehr lan­ge dau­ern, bis er an ir­gend­ei­ner Stel­le Rost an­setzt. Doch das al­les trifft auch auf die letz­te Ver­si­on des Au­di 100 (C4) zu, und für den gab es ei­nen fa­mo­sen Sechs­zy­lin­der­mo­tor mit 174 PS. Al­so war­um um al­les in der Welt emp­feh­len wir hier die­sen Por­sche? Die Ant­wort ist sim­pel: Weil der 944 S2 un­ter al­len klas­si­schen Por­sche zur­zeit das bes­te Wert- Leis­tungs-Ver­hält­nis auf­weist und weil es mar­ken­über­grei­fend kaum ei­nen sta­bi­le­ren und viel­sei­ti­ger nutz­ba­ren Sport­wa­gen gibt. Por­sche hat mit die­ser letz­ten Fas­sung des 944 selbst ein op­ti­ma­les Kon­trast­pro­gramm zum 911 auf Rä­der ge­stellt: Der 944 S2 bringt ver­gleich­ba­re Fahrleistungen, zeigt da­bei aber deut­lich we­ni­ger Hang zum Dra­ma. Un­ter den schnells­ten Sport­wa­gen sei­ner Zeit be­fin­det sich kaum ein so un­kom­pli­ziert und ent­spannt zu fah­ren­des Mo­dell wie die­ser gro­ße Tran­sax­le-Vier­zy­lin­der. Aus­ge­rech­net sei­ne Tu­gen­den ge­rie­ten dem 944 in Fan-Krei­sen lan­ge zum Nach­teil: Es feh­le der Ner­ven­kit­zel, mo­nier­ten selbst­er­nann­te 911-Lenk­rad- Akro­ba­ten, das Fau­chen des luft­ge­kühl­ten Sechs­zy­lin­der-Bo­xers im Na­cken und im Kur­ven­grenz­be­reich stets mit dem Ge­fühl un­ter­wegs, ein ge­fähr­li­ches Tier zu bän­di­gen. Al­le an­de­ren durf­ten sich dar­über freu­en, dass Por­sche auch ei­nen leicht be­herrsch­ba­ren Sport­wa­gen von höchs­ter All­tags­taug­lich­keit zu­stan­de brach­te. Was den 944 als Young­ti­mer weit über die meis­ten sei­ner ehe­ma­li­gen Ri­va­len er­hebt, ist sein Qua­li- täts­ni­veau. Vor­aus­ge­setzt, die Vor­be­sit­zer ach­te­ten spä­tes­tens nach sechs Jah­ren auf den tur­nus­mä­ßig fäl­li­gen Wech­sel des Zahn­rie­mens, dann gibt es bei gu­ter Be­hand­lung nichts, was ei­nem S2 Cou­pé sein lan­ges Le­ben ver­bau­en könn­te. 9352 Ex­em­pla­re wur­den ge­baut, da­von wa­ren rund ein Drit­tel für die nord­ame­ri­ka­ni­schen Märk­te be­stimmt. Hin­zu ka­men ab Som­mer 1989 noch 6980 Ca­brio­lets mit dem glei­chen Mo­tor. Ge­gen­über dem zu­vor an­ge­bo­te­nen 2,7-Li­ter-Trieb­werk ar­bei­ten die Schmie­de­kol­ben im S2 mit zehn Mil­li­me­ter mehr Hub, je­der die­ser mit 10,9 recht hoch ver­dich­ten­den Vier­ven­til-Ein­töp­fe kommt da­mit auf 750 Ku­bik­zen­ti­me­ter Ein­zel­hub­raum. Die Mas­sen­kräf­te zwei­ter Ord­nung wer­den durch zwei ge­gen­läu­fig ro­tie­ren­de Aus­gleichs­wel­len kom­pen­siert. Das Re­sul­tat ist ein un­ver­wech­sel-

SPORT­WA­GEN MIT STAR­KEM CHA­RAK­TER – AL­SO TY­PISCH POR­SCHE

ba­res Kraftpaket, des­sen Lauf­ru­he und Vi­bra­ti­ons­ar­mut dicht an das Ni­veau gu­ter Rei­hen­sechs­zy­lin­der je­ner Jah­re her­an­reicht. Der Mo­tor­prüf­stand zeich­net beim 944 S2 ei­nen Dreh­mo­ment-Ver­lauf wie aus dem Lehr­buch auf. Die Kur­ve gip­felt im für die da­ma­li­ge Zeit bes­ten Wert al­ler frei an­sau­gen­den Mo­to­ren bis drei Li­ter Hu­b­raum: 280 Nm er­reich­ten we­der ein BMW 730i noch ein Mer­ce­des 300 SL und auch nicht der gut im Fut­ter ste­hen­de Opel Se­na­tor 3.0i 24V.

Zum Fünf­gang-Ge­trie­be gab es kei­ne Al­ter­na­ti­ve

Das nach kur­zer Auf­wärm­pha­se leicht und ex­akt schalt­ba­re Fünf­gang-Ge­trie­be war für den 944 S2 ob­li­ga­to­risch, ei­ne Au­to­ma­tik gab es nicht. Kun­den hat­ten an­triebs­sei­tig ab 1990 die Mög­lich­keit, ihr Fahr­zeug nach Art des 944 Tur­bo mit Sperr­dif­fe­ren­ti­al und/oder se­pa­ra­tem Ge­trie­be-Öl­küh­ler aus­zu­stat­ten. Wer das Po­ten­zi­al sei­nes Au­tos nicht re­gel­mä­ßig auf der Renn­stre­cke aus­lo­ten möch­te, kommt auch oh­ne die­se Ex­tras pri­ma zu­recht. Un­ser Test­wa­gen ge­hört zu den letz­ten 429 Ex­em­pla­ren, die schon in Zuf­fen­hau­sen mon­tiert wur­den. Bis da­hin wa­ren al­le Cou­pé-Roh­ka­ros­sen im Au­di-Werk Neckar­sulm vor­ge­fer­tigt und ver­zinkt wor­den. Der letz­te 944-Jahr­gang ist er­kenn­bar am di­cke­ren Lenk­rad­prall­topf für den erst ab 1991 se­ri­en­mä­ßig an­ge­bo­te­nen Air­bag.

FA­ZIT: Je äl­ter er wird, des­to kla­rer tre­ten sei­ne Qua­li­tä­ten her­vor. Der Por­sche 944 S2 ist ein in ge­rin­ger Stück­zahl ge­fer­tig­ter, sehr kom­pe­ten­ter Sport­wa­gen aus bes­tem Hau­se und für das, was er kann, im­mer noch güns­tig zu ha­ben.

Auf­ge­räum­tes Cock­pit, das Air­bag-Lenk­rad ver­rät das Mo­dell­jahr 91 Die Stoff-Sport­sit­ze mit Le­der­flan­ken ka­men schnell aus der Mo­de. Al­ter­na­tiv gab es ein­far­bi­ge Ganz­le­derAus­stat­tun­gen Das ge­konnt ab­ge­stimm­te Fahrwerk er­laubt ho­he Kur­ven­tem­pi

Der Drei­li­ter-Vier­zy­lin­der bie­tet ho­hes Dreh­mo­ment und dank Aus­gleichs­wel­len gu­te Lauf­ru­he

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.