MG RV8

Mit­te der 90er nicht eben der Ren­ner, of­fen­bart sich der MG RV8 heu­te als Glücks­griff: Ro­ver-V8-Po­wer ge­paart mit 60er-Jah­re-Flair und mo­der­nen Qua­li­täts­stan­dards

AUTO ZEITUNG Classic Cars - - INHALT - k laus Ross­hu­ber

Es ge­schieht nicht all­zu oft, dass ein Re­tro-Car selbst zum Klas­si­ker auf­steigt. Dem MG RV8 der ehe­ma­li­gen Ro­ver-Group ge­lingt dies auf­grund aus­ge­reif­ter Tech­nik, gu­ter Ver­ar­bei­tung, ge­lun­ge­nen De­signs, re­la­ti­ver Sel­ten­heit und nicht zu­letzt dank sei­nes wie­der­be­leb­ten, gro­ßen Na­mens. MG – das ist der In­be­griff er­folg­rei­chen Sport­wa­gen­baus im En­g­land der 1960er-Jah­re. Die Na­mens­pa­tro­ne der Mar­ke mit dem ro­ten Ok­t­a­gon konn­ten An­fang der 90er auf ein mo­der­nes Ent­wick­lungs- und Fer­ti­gungs­we­sen zu­rück­grei­fen, um dem Wunsch der Mar­ke­ting­ab­tei­lung nach ei­nem klas­si­schen of­fe­nen Sport­wa­gen schnell und kos­ten­güns­tig zu ent­spre­chen. Das Pro­jekt Wie­der­be­le­bung setz­te bei ei­nem der er­folg­reichs­ten Mo­del­le der Roads­ter-Ge­schich­te, dem seit 1962 ge­bau­ten MGB, an. Dank selbst­tra­gen­der Ka­ros­se­rie bot er einst erst­mals die Vor­aus­set­zung für ei­ne ra­tio­nel­le Groß­se­ri­en­pro­duk­ti­on. Knapp 524.000 MGB roll­ten bis 1980 vom Band. An­fang der 90er nah­men sich die De­si­gner der Auf­ga­be an, die For­men­spra­che des Ahn­herrn neu zu in­ter­pre­tie­ren. Sie be­wahr­ten des­sen Gr­und­zü­ge, mo­der­ni­sier­ten ihn ge­fühl­voll mit mus­ku­lö­se­ren Schul­tern, aus­ge­stell­ten Rad­häu­sern für ei­ne brei­te­re Spur und stär­ker ge­schwun­ge­nen Li­ni­en. Kern des Pro­jekts war in­des der 190 PS star­ke 4,0-Li­ter-V8 aus dem Ro­ver-Re­gal, der statt des ver­gleichs­wei­se schmal­brüs­ti­gen B-Se­ries-Vier­zy­lin­ders un­ter der Front­hau­be Platz nahm, ver­bun­den mit dem LT 77- Fünf­gang- Ge­trie­be aus dem Land Ro­ver. Da­mit er mit der Zu­sat­zPo­wer zu­recht­kam, wur­de der MG RV8 ent­spre­chend ver­stärkt. So lie­ßen die In­ge­nieu­re der Blatt­fe­der­be wehr­ten Hin­ter­ach­se zu­sätz­li­che Mo­ment stüt­zen an­ge­dei­hen, da­mit sie dem Zu­griff hef­ti­ger 318 New­ton­me­ter Dreh­mo­ment stand­hal­ten konn­te. Es ist ge­nau die Ent­fal­tung die­ser ur­tüm­li­chen Kraft, un­ter­malt vom gut­mü­ti­gen Ge­pol­ter des V8, die das Fas­zi­no­sum des Re­tro-MG im We­sent­li­chen aus­macht. Das neue De­sign so­wie der von Le­der und Holz do­mi­nier­te In­nen­raum las­sen zu­dem ein Ge­fühl von au­to­mo­bi­ler Ober­klas­se auf­kom­men. Der RV8 ist ei­ne Wucht auf Land­stra­ßen, wo es gilt, aus en­gen Ecken her­aus sou­ve­rän zu be­schleu­ni­gen. Dies er­le­digt der RV8, oh­ne das die 205 Mil­li­me­ter schma­len 15-Zöl­ler die Con­ten­an­ce ver­lie­ren: Ei­ne Quai­fe-Dif­fe­ren­ti­al­sper­re ver­hin­dert Schlupf er­freu­lich wir­kungs­voll. Al­ler­dings trägt der schwe­re V8 hin­ter der Vor­der­ach­se nicht eben zu wil­li­gem Ein­len­ken bei. Die bes­ten Er­geb­nis­se las­sen sich in der här­tes­ten Stel­lung der ein­stell­ba­ren Ko­ni-Dämp­fer er­zie­len. Wer sich mit dem Ge­dan­ken an die An­schaf­fung ei­nes RV8 trägt, wird auf dem Ni­schen­markt für

WIE­DER­BE­LE­BUNG EI­NES DER ER­FOLG­REICHS­TEn ROADS­TER

die­sen MGB de Lu­xe na­he­zu aus­schließ­lich Rechts­len­ker vor­fin­den: Mehr als drei Vier­tel der 1982 ge­bau­ten Ex­em­pla­re gin­gen nach Ja­pan. Al­le wa­ren schon zu ih­rer Zeit Lieb­ha­ber­stü­cke. Es gibt sie nur in ei­ner Hand­voll Far­ben, al­le ver­fü­gen über beige Le- der­aus­stat­tun­gen. Rost ist kaum ein The­ma beim Ka­ros­se­rieblech, da die Roh­bau­ten von ei­ner mo­der­nen ka­tho­di­schen Tauchla­ckie­rung (KTL) pro­fi­tier­ten. Der V8-Mo­tor weist grund­sätz­lich ei­ne an Schiffs­mo­to­ren er­in­nern­de Stand­fes­tig­keit auf. Klap­pern aus dem Kopf­be­reich si­gna­li­siert in­des ei­ne ein­ge­lau­fe­ne No­cken­wel­le, was bei ver­nach­läs­sig­ten Öl­wech­sel­in­ter­val­len vor­kom­men kann. Zu­dem soll­te auf Un­dich­tig­kei­ten an den Krüm­mer­flan­schen und Ris­se in den Krüm­mern ge­ach­tet wer­den. Die 15-Zoll-Alu­rä­der ver­die­nen Auf­merk­sam­keit, so­fern Ori­gi­na­li­tät Vor­rang ge­nießt: Sie wur­den ex­klu­siv für den RV8 her­ge­stellt, was heu­te zu Ein­schrän­kun­gen bei der Rei­fen­wahl führt. Der ele­gan­te MG RV8 ver­kör­pert ei­ne ori­gi­nel­le Art, sich dem au­to­mo­bi­len Le­bens­ge­fühl der Six­ties zu nä­hern und da­bei von den Qua­li­täts­stan­dards der 90er-Jah­re zu pro­fi­tie­ren. Den Charme ei­nes V8 gibt’s als Bo­nus oben­drauf. Vie­len war dies sei­ner­zeit kei­ne 26.000 bri­ti­sche Pfund wert – da­her sei­ne Sel­ten­heit. Die we­ni­gen Neu­käu­fer aber hiel­ten ihn in Eh­ren. Dies kommt heu­ti­gen In­ter­es­sen­ten ent­schie­den zu­gu­te.

FA­ZIT: Der MG RV8 lie­fert zu güns­ti­gen Kur­sen Sech­zi­ger­jah­re-Fee­ling mit pro­blem­lo­ser, mo­der­ner Tech­nik. Rost ist kein The­ma. Sein V8 ver­spricht je­de Men­ge Fahr­spaß und ver­sieht sei­ne Ar­beit, rich­tig ge­war­tet, klag­los über hun­dert­tau­sen­de von Ki­lo­me­tern.

Ein MGB, im Stil der 1990er-Jah­re ein­ge­klei­det und in Sa­chen Tech­nik V8-ge­recht auf­ge­rüs­tet

Wur­zel­holz steht für Wohl­fühl-At­mo­sphä­re und wer­ti­ge An­mu­tung. Im RV8 wird aus­schließ­lich von Hand ge­schal­tet Mo­der­ne Vor­sor­ge­maß­nah­men er­spa­ren dem RV8 Rost­pro­ble­me. Al­le ha­ben bei­ges Le­der-In­te­ri­eur Ro­bus­ter 4,0-Li­ter-V8 von Ro­ver mit elek­tro­ni­scher Lu­casEin­spritz­an­la­ge

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.