Ford Mustang I Cou­pé

Als gro­ße Über­ra­schung wur­de der Mustang 1964 prä­sen­tiert. Das V8-Cou­pé, hier mit 200 PS, ist durch­aus ein Tipp, denn die Tech­nik ist pro­blem­los. Und es be­rei­tet Freu­de beim Fah­ren

AUTO ZEITUNG Classic Cars - - INHALT - Wer­ner Mül­ler

Hier kommt Kurt, oh­ne Helm und oh­ne Gurt.“Im­mer, wenn ich den durch­ge­knall­ten Song von Frank Zan­der hö­re, den­ke ich an Kurt, mei­nen Be­kann­ten. Da­mals, En­de der 60er-Jah­re, fuhr Dis­co-Be­sit­zer Kurt ei­nen Mustang in Weiß mit blau­en Shel­by-Strei­fen. Kurt hat­te schon da­mals tie­ri­schen Spaß an sei­nem Ge­fährt und gönn­te sei­nem Mustang V8-Cou­pé öf­ter mal „was Gu­tes“: Er kipp­te bei je­der Be­tan­kung ein Dö­schen Li­qui Mo­ly-Mo­ly­ko­te in den Sprit. Das roch un­be­schreib­lich aus dem Aus­puff, wenn der durch­ge­knall­te Kurt vol­le Pul­le und mit V8-Bol­lern vom Hof roll­te. Ein biss­chen Spaß muss­te da­mals schon sein. Mustang, solch ein Au­to ver­gisst man nie. Mustang, ein Au­to­na­me für die Ewig­keit, 1964 von der Lei­ne ge­las­sen, zu­nächst als weiß la­ckier­tes Ca­brio­let, we­nig spä­ter als Cou­pé. Noch spä­ter als le­gen­dä­rer Fast­back, sprich Schräg­heck- Mo­dell. Für rund 20.000 Eu­ro und et­was mehr gibt es heu­te al­ler­dings nur ein Mustang Cou­pé. Fast­back und Ca­brio kos­ten im Zu­stand 2 fast das Dop­pel­te. Das schnör­kel­lo­se Cou­pé ist je­doch der Mustang-Klas­si­ker. Er hielt an den ins­ge­samt ver­kauf­ten fast 1,3 Mil­lio­nen Ex­em­pla­ren des Ur-Mustangs mit über ei­ner Mil­li­on Stück den Lö­wen­an­teil – und wird dem­ent­spre­chend auch häu­fi­ger und deut­lich güns­ti­ger an­ge­bo­ten. Das Cou­pé des Mustang I zeich­net sich durch das cha­rak­te­ris­ti­sche, kan­ti­ge De­sign aus. Die Front­par­tie mit den klas­si­schen Rund­schein­wer­fern und dem nach vor­ne her­aus­ste­hen­den Grill mit ein­ge­bet­te­tem, ga­lop­pie­ren­dem Mustang macht den Ami- Sport­ler un­ver­wech­sel­bar. Die Sei­ten­per­spek­ti­ve mit kan­ti­gem Kof­fer­raum- Über­gang und die Heck­par­tie mit den chark­te­ris­ti­schen Rück­leuch­ten sind eben­falls mar­kan­te De­sign-Merk­ma­le. Der Wunsch von Ol­die-und vor al­lem Ami-Freaks, ei­nen sol­chen V8-Bal­ler­mann zu be­sit­zen, ist all­zu ver­ständ­lich. Das An­ge­bot – auch im gro­ßen An­zei­gen­markt von Clas­sic Cars – ist für ei­nen 50-jäh­ri­gen er­staun­lich groß. Vie­le der Mustang wer­den da­bei von US-Fir­men oder als US-Re­im­port an­ge­bo­ten. Hier ist al­ler­dings Vor­und Um­sicht ge­bo­ten.

Vor­sicht bei An­ge­bo­ten mit Ver­kaufs­du­schen

Ei­ne durch­aus üb­li­che schnel­le Neu­la­ckie­rung, sprich Ver­kaufs­du­sche, und der üp­pi­ge Ein­satz von Glas­fa­ser­mat­ten, Po­ly­est­er­harz und Spach­tel­mas­se lässt so man­chen Mustang pro­per da­ste­hen. Doch die bö­se Über­ra­schung lau­ert un­ter dem schö­nen Schein. Tür­bö­den und -kan­ten und di­ver­se Blech­tei­le (Steh­wän­de, Luft­kas­ten) soll­ten eben­so in­spi­ziert wer­den wie der kom­plet­te Un­ter­bo­den und die Auf­nah­men der Blatt­fe­dern an der Hin­ter­ach­se des Ur­va­ters der Po­ny Cars.

SELBST LAI­EN WIS­SEN, DASS DER MUSTANG EIN SPORT­WA­GEN IST

Der 4,8-Li­ter-V8 mit sei­nen an­ge­ge­be­nen 200 PS (die Mo­to­ren ha­ben aber viel­fach mehr Leis­tung) trös­tet den Mustang-Ei­g­ner aber über vie­les hin­weg. Bol­lernd und stets zum Ein­satz des ge­fühlt ge­wal­ti­gen Dreh­mo­ments be­reit, macht er den Reiz des an­fangs bei uns T5 ge­nann­ten Ami-Sport­cou­pés aus. Es macht ein­fach Spaß, mit dem Mustang über schö­ne Land­stra­ßen zu räu­bern. Al­ler­dings soll­te man die Kur­ven-Pace nicht über­trei­ben. Denn das eher sim­ple Fahrwerk und die sei­ner­zeit üb­li­chen Trom­mel­brem­sen (oh­ne Brems­ser­vo) set­zen dem mun­te­ren Kur­ven­trei­ber ein ein­deu­ti­ges Si­gnal: So schnell wie ein heu­ti­ger Sport­wa­gen ist der Mustang bei­lei­be nicht. In­nen wirkt der Mustang eher et­was nüch­tern. Es las­sen sich aber auch ver­edel­te Ex­em­pla­re fin­den. Und ein klei­ne­res Lenk­rad ver­dirbt ja noch nicht den Ori­gi­nal­zu­stand. Auf den glat­ten Kunst­le­der­sit­zen die­nen üb­ri­gens die Be­cken­gur­te als Halt in Kur­ven. Auch nach über 50 Jah­ren Markt­prä­senz hat der Ford Mustang nichts von sei­nem Reiz ver­lo­ren. Ganz im Ge­gen­teil. Wer sich den Spaß mit dem V8-Cou­pé er­lau­ben will, fährt ei­nen ech­ten Hin­gu­cker. Je ori­gi­na­ler das Ex­em­plar aus­fällt, des­to wohl­wol­len­der sind die Bli­cke der Be­trach­ter. Zu­dem fährt man ei­nen Ami, der mit sei­nem durch­zugstar­ken 4,8-Li­terV8 und gu­ter Er­satz­teil­ver­sor­gung we­nig Ri­si­ken bei der Tech­nik birgt.

FA­ZIT: Der Mustang ist ein reiz­vol­les Spaß-Ge­fährt mit bul­li­gem Mo­tor und un­ver­wech­sel­ba­rem De­sign. Kein Wun­der, dass Ford den Mustang wie­der neu auf­ge­legt hat – mit V8 und ähn­li­chem Sty­ling.

Mar­kan­te Front mit Ga­lop­per im Grill, kan­ti­ges De­sign: So kennt man den le­gen­dä­ren Ford Mustang

Sach­lich, nüch­tern, Pkw-ähn­lich: Das Mustan­gCock­pit mit gro­ßem Lenk­rad

Soll­te es im Mustang schon sein: Der V8-Mo­tor mit 4,8 Li­ter Hu­b­raum und rund 200 PS

Auch ty­pisch Mustang: Die nach in­nen ein­ge­zo­ge­ne Heck­par­tie mit den drei­ge­teil­ten Leuch­ten

War da­mals chic: Kunst­le­der­sit­ze mit we­nig Sei­ten­halt. Hin­ten kön­nen auch noch zwei sit­zen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.