TO­YO­TA MR2

In zwei Jah­ren er­hal­ten die ers­ten MR2 (Typ W2) das H-Kenn­zei­chen. Grund ge­nug, sich den quir­li­gen Mit­tel­mo­tor-Ja­pa­ner ein­mal ge­nau­er an­zu­se­hen

AUTO ZEITUNG Classic Cars - - RATGEBER -

Mit dem sti­lis­ti­schen Um­bruch des To­yo­ta MR2-De­signs von den 80er-Jah­re-Kan­ten zur rund­li­chen Form des Nach­fol­gers W2 wuch­sen auch die Mo­to­ren des Mit­tel­mo­tor-Sport­lers aus Ja­pan. Ab 1989 wa­ren statt 1,6-Li­terVier­zy­lin­der nur noch 2,0-Li­ter-Ag­gre­ga­te er­hält­lich. Für den deut­schen Markt lag die Leis­tungs­ab­ga­be zwi­schen 156 und 175 PS, wäh­rend ja­pa­ni­sche Ver­sio­nen mit Tur­bo-Po­wer bis zu 245 PS mo­bi­li­sier­ten. Hat­te sich die ers­te Ge­ne­ra­ti­on noch mit klei­nen Tar­gas wie dem Fi­at X1/9 ge­mes­sen, war der W2 deut­lich schwe­rer ge­wor­den. Das grund­le­gen­de Kon­zept hat­te sich hin­ge­gen nicht ver­än­dert, der MR2 (Mid-En­gi­ne, Re­arWheel-Dri­ve, 2-Sea­ter) war im­mer noch ei­ne spa­ßi­ge Fahr­ma­schi­ne mit T-Top-Targ­adach. Sei­ner­zeit wur­de der To­yo­ta be­son­ders für sei­ne Dreh­freu­de ge­lobt. Auch die elek­tri­sche Ser­vo­len­kung und das er­go­no­mi­sche Cock­pit über­zeug­te die Fach­pres­se. Bei­de in Deutsch­land an­ge­bo­te­nen Mo­tor­leis­tun­gen sind emp­feh­lens­wert, das 175-PS-Trieb­werk nutzt sein Leis­tungs­plus erst ab 5500 Tou­ren. Ab 1996 muss­te die Leis­tung der 175 PS-Ma­schi­ne we­gen ver­schärf­ter Ab­gas­be­stim­mun­gen um fünf PS ge­dros­selt wer­den. Ins­ge­samt be­geis­ter­ten sich in Deutsch­land 6000 Käu­fer für den MR2. Das wa­ren nur we­ni­ge In­ter­es­sen­ten, setzt man die Zahl in Re­la­ti­on mit der glo­ba­len Pro­duk­ti­on von 135.000 Stück. Wie vie­le ja­pa­ni­sche Mar­ken setz­te auch To­yo­ta En­de der 90er-Jah­re aus Image-Grün­den auf tech­nisch an­spruchs­vol­le Sport­wa­gen. Ei­ne Be­schleu­ni­gungs­zeit von 0 auf 100 km/h in gut acht Se­kun­den und ei­ne Höchst­ge­schwin­dig­keit von 225 km/h un­ter­mal­ten den sport­li­chen An­spruch des dank Mit­tel­mo­tor mit ei­nem agi­len Hand­ling auf­war­ten­den To­yo­tas.

Klei­ne Pro­blem­stel­len trü­ben den Spaß an dem Mit­tel­mo­tor­sport­ler

Bei ei­nem Tar­ga wie dem MR2 soll­ten be­son­ders die Dich­tun­gen des Da­ches über­prüft wer­den. Wenn es hin­ter den Sit­zen und un­ter den St­au­fä­chern feucht ist, kann dies auch an un­dich­ten Tü­ren lie­gen. Rost bil­det sich vor al­lem in den un­te­ren Tür­fal­zen, wenn die Ab­läu­fe von Schmutz ver­stopft wer­den. Auch die Un­ter­bo­den­stre­ben und der Küh­ler wer­den ge­le­gent­lich von der brau­nen Pest be­fal­len. Wer die seit­li­chen Luft­ein­läs­se ent­fernt, kann auch die Schwel­ler auf Rost­pro­ble­me un­ter­su­chen. Im In­te­ri­eur soll­ten die elek­tri­schen Schal­ter an der Fah­rer­tür auf ih­re Funk­ti­on hin über­prüft wer­den, dort hängt näm­lich ein Ka­bel­baum, der ger­ne bricht. Bei der op­tio­na­len Le­der­aus­stat­tung schwank­te sei­ner­zeit die Qua­li­tät des Ma­te­ri­als. Ein be­son­de­rer Freund des klei­nen Tar­gas ist das Mo­tor­öl. Auf 1000 Ki­lo­me­ter gön­nen sich be­son­ders die frü­hen Ex­em­pla­re ger­ne mal ei­nen Li­ter. Un­dich­tig­kei­ten am Mo­tor sind kei­ne Sel­ten­heit, meis­tens sind die Ven­til­de­ckel­dich­tun­gen der Ur-

sprung. Wei­ße Abla­ge­run­gen im Ölein­füll­de­ckel deu­ten auf ver­mehr­ten Kurz­stre­cken­be­trieb hin, kön­nen aber auch ei­nen Scha­den an der Zy­lin­der­kopf­dich­tung be­deu­ten. An­sons­ten soll­te der MR2 auf Kühl­was­ser­ver­lust ge­prüft wer­den, da­für muss die Un­ter­bo­den­ab­de­ckung ent­fernt wer­den. Weil der Tank für ei­ne Re­pa­ra­tur ent­fernt wer­den muss, ist ei­ne sol­che re­la­tiv auf­wän­dig. Die Ser­vo­len­kung, die ab dem zwei­ten Mo­dell­jahr Serie war, zickt bei nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren ger­ne rum, Ur­sa­che da­für ist für ge­wöhn­lich das Re­lais. Be­kannt sind – bei ho­hen Ge­schwin­dig­kei­ten – Luft­ver­wir­be­lun­gen an der Front des To­yo­ta, die zu un­ge­wöhn­li­chen Vi­bra­tio­nen am Lenk­rad füh­ren kön­nen. Zur Be­he­bung die­ses Pro­blems bie­tet To­yo­ta ei­gens kon­stru­ier­te An­bau­tei­le an. Er­höh­ter Ver­schleiß an den hin­te­ren Rei­fen ist bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad nor­mal. Bei ei­ner Pro­be­fahrt soll­te ein be­son­de­res Au­gen­merk auf der Gän­gig­keit des Ge­trie­bes lie­gen. Ver­schlis­se­ne Syn­chron­rin­ge kün­di­gen sich durch un­schö­ne Ge­räu­sche und schwe­re Schalt­bar­keit be­son­ders in den un­te­ren Gän­gen an, ei­ne Re­pa­ra­tur ist nicht gera­de bil­lig. Pol­tert die Vor­der­ach­se, sind wahr­schein­lich die Dom­la­ger ver­schlis­sen. Sind klap­pern­de Ge­räu­sche beim Fah­ren zu hö­ren, sind die Sta­bi­li­sa­to­ren meist aus­ge­schla­gen. Be­son­ders soll­te auch auf ein even­tu­el­les Ras­seln aus dem Mo­tor­raum ge­ach­tet wer­den – hier lö­sen sich zu­wei­len die Hit­ze­schutz­ble­che. Die Er­satz­teil­ver­sor­gung wird von To­yo­ta zwar weit­ge­hend ab­ge­deckt, doch die Tei­le sind nicht im­mer ganz bil­lig. In Deutsch­land fin­den sich mitt­ler­wei­le auch vie­le Im­por­te aus den USA und Ja­pan, die­se sind auf­grund teil­wei­se feh­len­der Aus­stat­tung nicht un­be­dingt zu emp­feh­len. Auf­fäl­lig ist aber, wie we­ni­ge MR2-Ex­em­pla­re zwei­fel­haf­ten Tu­ning-Maß­nah­men zum Op­fer ge­fal­len sind. Die Tu­ner ver­grif­fen sich in der Re­gel lie­ber an dem gleich­zei­tig ge­bau­ten To­yo­ta Su­pra.

FA­ZIT: Wie vie­len ja­pa­ni­schen Sport­w­wa­gen der 90er fehlt dem MR2 ein­fach das II­mage. Da­füfr be­kokmmtm­tan FFahrl­reis­tun­gen, für die man bei an­de­ren Mar­ken ger­ne mal das Dop­pel­te zah­len muss. Targ­adach und agi­les Fahr­ver­hal­ten dank Mit­tel­mo­tor sind wei­te­re Ar­gu­men­te, dem Ja­pan-Sport­ler ei­ne Chan­ce zu ge­ben.

Der To­yo­ta MR2 der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on bie­tet tol­le Dy­na­mik und ei­nen dreh­freu­di­gen Mo­tor

Wenn die bei­den Dach­hälf­ten hin­ter den Sit­zen ver­staut wer­den, steht nur noch der Mit­tel­steg, dem der Tar­ga-Auf­bau den Na­men T-Top ver­dankt

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