Tal­bot Sam­ba Ca­brio­let

Fran­zö­si­sches Open-AirVer­gnü­gen für vier Pas­sa­gie­re

AUTO ZEITUNG Classic Cars - - INHALT - Tim Ne­u­mann

Ein Tal­bot Sam­ba Ca­brio­let sieht man heu­te nicht mehr all­zu häu­fig. Und schon gar nicht im Schmud­del­wet­ter mit ge­schlos­se­nem Ver­deck. Ein Sa­la­man­der mit Tau­cher­bril­le wä­re we­ni­ger über­ra­schend. Aber der TÜV des Ca­bri­os läuft am nächs­ten Tag ab und der Win­ter­schlaf steht kurz be­vor – al­so die letz­te Ge­le­gen­heit, um mit die­sem sym­pa­thi­schen Exoten ganz wört­lich ei­ne Spritz­tour zu un­ter­neh­men. Der Sam­ba war ein­mal ei­nes der kleins­ten Se­ri­en-Ca­bri­os der Welt und mit ei­nem Preis von 18.850 Mark 1983 so­gar das güns­tigs­te. Denn das VW Golf I Ca­brio GL bei­spiels­wei­se kos­te­te da­mals schon 20.905 Mark. Tech­nisch ba­sier­te der klei­ne Tal­bot auf dem Peu­geot 104. Das war mög­lich, weil die Mar­ke Tal­bot nach ei­ner jah­re­lan­gen Odys­see durch die Au­to­mo­bil­wirt­schaft end­lich im PSA-Kon­zern ei­ne neue Hei­mat ge­fun­den hat­te (ehe sie 1986, drei Jah­re nach Ein­füh­rung des Sam­ba Ca­brio­lets, end­gül­tig sang- und klang­los un­ter­ging). Den Peu­geot 104 gab es nicht als Ca­brio. Für den of­fe­nen Tal­bot wur­de des­sen Rad­stand um elf Zen­ti­me­ter ver­län­gert, da­mit das Ver­deck den hin­te­ren Pas­sa­gie­ren nicht zu viel Platz weg­nimmt. In vier Jah­ren stell­te Tal­bot in Zu­sam­men­ar­beit mit dem De­sign­stu­dio Pinin­fa­ri­na 13.062 Ex­em­pla­re her. Vie­le sind da­von nicht üb­rig: Die An­zahl der of­fe­nen Sam­ba in Deutsch­land liegt wohl im mitt­le­ren zwei­stel­li­gen Be­reich. Ein na­he­lie­gen­der Grund: Au­tos der 80er ros­ten ger­ne, und der Sam­ba macht da kei­ne Aus­nah­me, bei­spiels­wei­se am Über­roll­bü­gel. Um­so er­freu­li­cher, dass Be­sit­zer Da­rio Möl­ler sei­nen Sam­ba stets gut ge­pflegt hat: „Der Wa­gen ist seit 30 Jah­ren in Fa­mi­li­en­be­sitz“, er­klärt er, „mitt­ler­wei­le ha­ben wir so­gar noch ei­nen zwei­ten.“Die Sit­ze füh­len sich weich, aber nicht durch­ge­ses­sen an, und das beige Ar­ma­tu­ren­brett ver­sprüht ty­pi­schen 80er-Jah­re- Charme. Ein Schalt­knauf aus ei­nem VW Po­lo hat mitt­ler­wei­le das zer­brö­sel­te Ori­gi­nal­teil er­setzt. Wäh­rend sich die vier Zy­lin­der des 1,4-Li­ter-Mo­tors mit sanf­tem Brum­men warm­lau­fen, fällt der Blick erst auf das Ra­dio in der Mit­tel­kon­so­le, dann auf die elek­tri­schen Fens­ter­he­ber rechts und links da­von, die auch nach 34 Jah­ren noch klag­los ih­ren Di­enst ver­rich­ten. Die Lö­cher für die Fens­ter­kur­beln in der hel­len Tür­ver­klei­dung ver­schloss Tal­bot ein­fach mit schwar­zen Plas­tik­stop­fen – ent­we­der, um zu zei­gen: „Seht her, die­ses Ca­brio hat elek­tri­sche Fens­ter­he­ber“, oder weil ei­ne ele­gan­te­re Lö­sung nie­man­dem wich­tig er­schien.

Schritt- und Zünd­fol­ge: Al­les im Sam­ba-Takt

Von der Schritt­fol­ge des na­mens­stif­ten­den La­tin-Tan­zes hat sich der Sam­ba-Mo­tor die Zünd­fol­ge

ab­ge­schaut: 1-3-4-2. Und mit ein biss­chen Fan­ta­sie und der pas­sen­den Mu­sik im Ohr kann man wäh­rend der Fahrt tat­säch­lich so et­was wie süd­ame­ri­ka­ni­sches Tem­pe­ra­ment spü­ren. Wer das Zwei­spei­chen-Vo­lant fest im Griff hat, den zie­hen die 165er Rei­fen des Front­trieb­lers leicht un­ter­steu­ernd, aber durch­aus feu­rig durch die nas­sen Kur­ven. Über­mü­ti­ge Be­schleu­ni­gungs­ma­nö­ver quit­tiert der Tal­bot gar mit durch­dre­hen­den Vor­der­rä­dern. Dem Rei­hen­vier­zy­lin­der ge­lingt es mit den 72 PS er­staun­lich gut, die 850 Ki­lo Leer­ge­wicht auf die 100 km/h-Mar­ke zu be­schleu­ni­gen. Die Tes­ter der Au­to Zei­tung er­mit­tel­ten da­für 1983 ei­ne Zeit von 12,9 Se­kun­den. Für flot­te Spritz­tou­ren mit of­fe­nem Ver­deck ist das al­le­mal aus­rei­chend. Denn das ist die wah­re Kunst des Sam­ba: Frisch­luft zu­fä­cheln, und das ger­ne auch für vier Tän­zer, par­don Pas­sa­gie­re.

Im Ge­gen­satz zu an­de­ren Ca­bri­os wirkt das De­sign des Tal­bot Sam­ba auch mit ge­schlos­se­nem Ver­deck stim­mig

Die 80er-Jah­re-Plas­tik­wüs­te kon­tras­tiert in ei­ner Kom­bi­na­ti­on aus Beige und Grau

High­tech an­no 1982: Kas­set­ten­ra­dio, flan­kiert von elek­tri­schen Fens­ter­he­bern

Der Ta­cho bis 200 km/h ist am­bi­tio­niert, der Dreh­zahl­mes­ser schlecht ab­zu­le­sen

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