50 JAH­RE AU­DI 100

Ent­wi­ckelt wur­de er 1967, ge­baut ab En­de 1968: Vor 50 Jah­ren ent­stand der Au­di 100, der den In­gol­städ­tern die Ei­gen­stän­dig­keit ret­te­te. Ein Rück­blick

AUTO ZEITUNG Classic Cars - - JUBILÄUM -

Ein schö­ner Wa­gen.“Wer heu­te mit ei­nem der sel­te­nen Au­di 100 Mo­dell­jahr 1969 und spä­ter auf Ol­die-Fans trifft, dürf­te die­ses Kom­pli­ment öf­ter hö­ren. Die klas­si­sche Li­mou­si­ne macht auch heu­te noch was her. Und doch führt der 100 als Old­ti­mer ein eher un­schein­ba­res Da­sein. Da­bei spre­chen die Zah­len ei­ne an­de­re Spra­che. Von den vier Ge­ne­ra­tio­nen des Au­di 100 wur- den bis zur Na­mens­än­de­rung in A6 über drei Mil­lio­nen Stück pro­du­ziert. Je­de Mo­dell-Ge­ne­ra­ti­on kam na­he an die Mil­lio­nen­gren­ze oder dar­über. Al­le Mo­del­le sind statt­li­che Li­mou­si­nen mit meist aus­ge­reif­ter Tech­nik. Das Fah­ren mit dem Front­an­trieb – der in der Ober­klas­se 1970 her­um ver­pönt war – zeigt auch heu­te noch das Kön­nen der Au­di-In­ge­nieu­re. Aber viel­leicht sind ge­ho­be­ne Mit­tel­klas­se-Li­mou­si­nen ja nicht der Traum der Old­ti­mer-Fans. Zu­dem raff­te der Zahn der Zeit die meis­ten Au­di 100 da­hin. Das KBA re­gis­trier­te zum 1. Ja­nu­ar 2017 nur noch 8444 Au­di 100 im Be­stand. Da­bei ist die 100-Ära ei­ne wah­re Er­folgs­ge­schich­te, die al­ler­dings eher heim­lich zu­stan­de kam. Denn der Au­di 100, in­tern F104 ge­nannt, ent­stand als Plas­ti­lin­mo­dell zu­nächst oh­ne Kennt­nis des Vor­stands und der Kon­zern­spit­ze in Wolfs­burg. Der ge­nia­le

Kon­struk­teur Dr. Lud­wig Kraus tüf­tel­te. ge­tarnt durch Vor­hän­ge, heim­lich an die­sem Pro­jekt – bis der da­ma­li­ge Au­di-Chef Ru­dolf Lei­ding mal hin­ter den Vor­hang schau­te. Nun muss­te man nur noch den VW-Kon­zern­chef Hein­rich Nord­hoff über­zeu­gen. Des­sen State­ment nach der Prä­sen­ta­ti­on En­de 1966: „Ein schö­ner Wa­gen. Grü­nes Licht für die Pro­duk­ti­on.“Der Au­di 100 er­hielt mit dem Code EA 803 ei­ne of­fi­zi­el­le Ent­wick­lungs­num­mer. In­ter­ner Na­me: C1. Der Au­di 100 avan­cier­te so zum Top­mo­dell des VW-Kon­zerns, was sich spä­ter, oh Wun­der, auch bei den Di­enst­wa­gen in Wolfs­burg wi­der­spie­gel­te. Den von De­zem­ber 1968 bis 1976 in In­gol­stadt, Neckar­sulm (ab 1971) und Wolfs­burg (1970/71) pro­du­zier­ten C1 gab es in fünf Leis­tungs­stu­fen. Ba­sis­mo­tor war ein 1,8-Li­ter-Vier­zy­lin­der mit 80 PS. Da­mit war das 4,60-Me­terGe­fährt 156 km/h schnell. Der Drit­tel­mix-Ver­brauch lag bei 8,9 l/100 km. 1974 kam ein neu­er 1,6-Li­ter-Mo­tor mit 85 PS zum Ein­satz. Das Top­mo­dell 100 GL hat­te ei­nen 1,9-Li­ter-Vier­zy­lin­der mit 112 PS un­ter der Hau­be. Das brach­te ihn auf 179 km/h. Der Mo­tor dien­te auch als An­trieb für das 1971 vor­ge­stell­te bild­hüb­sche Au­di 100 Cou­pé. Die AU­TO ZEI­TUNG-Tes­ter cha­rak­te­ri­sier­ten den neu­en Au­di 100 im April 1970 noch als „Bie­der- man­nes liebs­tes Au­to“. Spä­tes­tens je­doch der Sieg des Au­di GL über die Ri­va­len aus Mün­chen und Stutt­gart An­fang 1972 nö­tig­te der Re­dak­ti­on ge­hö­ri­gen Re­spekt ab: „Der Au­di ge­winnt durch sei­nen aus­ge­wo­ge­nen Cha­rak­ter.“Dem schnör­kel­lo­sen C1 folg­te 1976 ein Au­di 100-Mo­dell, das we­sent­lich prä­sen­ter und dy­na­mi­scher da­her kam. Au­di misch­te beim C2, der bis 1982 in In­gol­stadt und Neckar­sulm ge­baut wur­de, auf Rat­schlag des In­nen­ar­chi­tek­ten Pao­lo Nest­ler be­ru­hi­gen­de Lack­far­ben mit de­zent-far­bi­gen In­nen­räu­men. Das Mot­to: „Op­tisch-äs­the­ti­sches Wohl­be­fin­den.“Der Ba­sis­mo­tor mit 1,6 Li­ter Hub- raum und 85 PS (Spit­ze 160 km/h, Ver­brauch 9,2 l/100 km) war ei­ner von fünf Ben­zi­nern. Das Top­mo­dell 100 5E wur­de mit dem von Fer­di­nand Piëch kre­ierten Fünf­zy­lin­der­mo­tor mit Ein­sprit­zung an­ge­trie­ben. Da­mit war der C2 im­mer­hin 190 km/h schnell und fuhr dank sei­ner au­ßer­or­dent­li­chen Fahr­si­cher­heit als Fünf­zy­lin­derMo­dell im Früh­jahr 1978 ei­nen über­zeu­gen­den Sieg ge­gen die Sechs­zy­lin­der BMW 525 und Mer­ce­des 250 ein. Als Ant­wort auf die Mer­ce­des-D-Do­mi­nanz leg­te Au­di zu­dem 1979 ein Die­sel­mo­dell mit 2,0 Li­ter Hu­b­raum, fünf Zy­lin­dern und 70 PS auf. Die C2-Rei­he wur­de 1978 durch ein Schräg­heck­mo­dell mit Na­men Avant er­gänzt. Eben­falls zur C2-

Sou­ve­rä­ner Sieg: Der Au­di 100 GL ge­wann 1972 ei­nen Ver­gleichs­test ge­gen Mer­ce­des und BMW

Fa­mi­lie zäh­len noch die 51.282 Au­di 200 und 200 Avant. Der C3 wur­de ein „Ae­ro­dy­na­mi­kWelt­meis­ter“– welch ein Ti­tel. Au­di form­te ihn so wind­schlüp­fig, dass da­bei der ex­trem gu­te cwWert von 0,30 her­aus kam. Den Vor­tei­len beim Ver­brauch und den sehr gu­ten Fahrleistungen stand ei­ne star­ke In­nen­raum-Auf­hei­zung („Fah­ren­de Sau­na“) ge­gen­über. Der C3 brach­te es in In­gol­stadt und Neckar­sulm auf fast 1,1 Mil­lio­nen Ex­em­pla­re. Die Mo­to­ri­sie­rung die­ses 100 be­gann bei 75 PS und en­de­te bei 165 PS für den 100 Tur­bo. Tech­nik-Sch­man­kerln des C3: Voll­ver­zin­kung, quat­troAll­rad­an­trieb, Pro­con-ten-Rück­hal­te­sys­tem und der ers­te Tur­bo­die­sel-Di­rekt­ein­sprit­zer TDI. 1990 star­te­te der C4. Er war zwar we­ni­ger avant­gar­dis­tisch als sein Vor­gän­ger, aber eben­so ele­gant. Gleich­zei­tig gab es ei­ne Avan­tVer­si­on, die zu ei­nem ech­ten Edel-Kom­bi ge­wor­den war. Sie­ben Mo­tor­va­ri­an­ten, vom 101-PSEin­stiegs­vier­zy­lin­der bis zum 290 PS star­ken V8 im Sport­mo­dell S4, wa­ren im An­ge­bot, dar­un­ter zwei Fünf­zy­lin­der-Die­sel mit 82 und (dank Tur­bo) 115 PS. Be­son­ders ge­lun­gen: Die kul­ti­vier­ten, neu­en V6-Mo­to­ren mit 2,6 und 2,8 Li­ter Hu­b­raum – Au­di war in der no­blen Mit­tel­klas­se an­ge­kom­men. Nach 493.202 pro­du­zier­ten C4 hieß es 1994 dann je­doch: „Der 100 ist tot. Es le­be derA6.“Doch das ist ei­ne an­de­re Ge­schich­te.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.