Interview: BMW-Chef Ha­rald Krü­ger zu den Plä­nen der Pre­mi­um-Mar­ke

Seit Mai ist Ha­rald Krü­ger der neue Chef bei BMW. Vol­ker Ko­erdt sprach mit ihm über die Her­aus­for­de­run­gen der Di­gi­ta­li­sie­rung und Plä­ne für wei­te­re Mo­del­le

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BMW fei­ert 2016 sei­nen 100. Ge­burts­tag. Was sind die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen für die Zu­kunft?

Im Mit­tel­punkt ste­hen für uns De­sign, Pro­dukt­sub­stanz, Wer­tig­keit und Tech­no­lo­gie­füh­rer­schaft. Selbst­ver­ständ­lich ist auch die Mar­ken­füh­rung wei­ter­hin sehr wich­tig – un­se­re Mar­ken ha­ben ei­nen star­ken und emo­tio­na­len Cha­rak­ter. Ge­nau­so wer­den wir un­se­re Füh­rungs­rol­le beim The­ma Ver­net­zung mit Con­nec­te­dD­ri­ve wei­ter aus­bau­en. Durch die Di­gi­ta­li­sie­rung bie­ten sich hier­zu ganz neue Chan­cen. Aber sie for­dert uns ganz be­son­ders.

Wel­che Her­aus­for­de­run­gen sind das im De­tail?

Ganz neue Wett­be­wer­ber aus der IT-Bran­che wie Goog­le, App­le oder Bai­du in Chi­na zei­gen In­ter­es­se am Ge­schäft mit Mo­bi­li­tät und Au­to­mo­bi­len. Zu­dem sind die Ein­tritts­bar­rie­ren in un­se­re Bran­che durch neue Tech­no­lo­gi­en deut­lich nied­ri­ger ge­wor­den. Neh­men Sie Tes­la als Bei­spiel: Für ein Elek­tro­fahr­zeug brau­chen Sie kei­ne Ent­wick­lung und Pro­duk­ti­on von Ver­bren­nungs­mo­to­ren – bei­des Be­rei­che, die bis­lang um­fang­rei­ches Know-how und ho­he In­ves­ti­tio­nen be­nö­ti­gen.

Sie be­trach­ten App­le oder Goog­le als Wett­be­wer­ber?

Wir neh­men al­le Wett­be­wer­ber ernst. Aber wir brau­chen uns auch nicht zu ver­ste­cken: Wir ha­ben un­se­re Mar­ken mit ei­ner ein­zig­ar­ti­gen Tra­di­ti­on und durch un­se­re In­no­va­ti­ons­stär­ke ei­ne sehr ho­he Pro­dukt­sub­stanz. Künf­tig wer­den die Qua­li­tät und Leis­tungs­fä­hig­keit des Na­vi­ga­ti­ons­sys­tems und die zu­sätz­li­chen Ser­vice­an­ge­bo­te durch di­gi­ta­le Di­ens­te und Ver­net­zung aber ein eben­so wich­ti­ges Kauf­ar­gu­ment für Au­tos wer­den.

BMW i8 und i3 ha­ben viel auf das Mar­ken­image ein- ge­zahlt, aber er­folg­reich sind sie wohl we­ni­ger?

Der BMW i3 liegt heu­te auf Rang drei der welt­weit meist­ver­kauf­ten Elek­tro­fahr­zeu­ge, und der BMW i8 gilt als in­no­va­ti­ver Sport­wa­gen der Zu­kunft, für den sich BMWFans rund um den Glo­bus be­geis­tern. Bei­de i-Mo­del­le ha­ben auf die Kern­mar­ke BMW ein­ge­zahlt und uns auch tech­no­lo­gisch deut­lich vor­an­ge­bracht. Die BMW i8Tech­no­lo­gie ha­ben wir in un­se­re neu­en Plug-in-Hy­bri­de über­tra­gen, in den X5 Plug-in-Hy­brid ge­nau­so wie in den 2er Ac­tive Tou­rer mit eD­ri­ve-An­trieb. Glei­ches gilt für den CFK-Leicht­bau: BMW i3 und i8 sind die In­no­va­ti­ons­trei­ber bei der Kar­bon­ent­wick­lung, der neue 7er wä­re mit sei­ner Misch­bau­wei­se oh­ne die Er­fah­rung aus dem i3 so nicht mög­lich ge­we­sen. Mit wel­chen Mo­del­len es bei BMW i wei­ter­geht, wer­den wir im De­tail noch ent­schei­den.

Wird es ne­ben dem i8 ei­nen „klas­si­schen“Su­per­sport­wa­gen ge­ben?

Wir müs­sen die­ses The­ma im Ge­samt­kon­text se­hen. Wir ha­ben ne­ben un­se­rer Kern­mar­ke BMW die Mar­ken BMW i und die M-Gm­bH klar po­si­tio­niert. Ge­ra­de BMW M steht ja un­be­strit­ten für höchs­te Fahr­dy­na­mik.

Al­so kommt kein Su­per­sport­wa­gen?

Na­tür­lich hat ein Su­per­sport­wa­gen ei­nen Ab­strahl­wert, aber ich bin auch ein über­zeug­ter Fan un­se­rer star­ken M-Mo­del­le. Und die sind be­reits sehr sport­lich. Am obe­ren En­de un­se­res Pro­dukt­port­fo­li­os müs­sen wir bei un­se­ren Pla­nun­gen auch Rolls-Roy­ce be­rück­sich­ti­gen. Ei­nen Rolls-Roy­ce un­ter­halb von 200.000 Eu­ro wird es nicht ge­ben. Ein re­prä­sen­ta­ti­ver BMW dar­un­ter könn­te ei­ne Al­ter­na­ti­ve sein.

Ein sehr sport­li­ches und lu­xu­riö­ses Cou­pé?

Auch dar­über den­ken wir nach. Das Au­to darf aber nicht ein­fach ein grö­ße­rer 7er sein. Das ha­ben wir aber noch nicht ent­schie­den.

Sie ha­ben viel vor ...

Wir ste­hen vor ei­ner der größ­ten Mo­dell­of­fen­si­ven un­se­rer Un­ter­neh­mens­ge­schich­te. Der BMW X7 wird kom­men. Die BMW 3er- und 5er-Rei­hen wer­den wir in den kom­men­den Jah­ren er­neu­ern – ein­schließ­lich der De­ri­va­te.

Was pas­siert bei der Mar­ke Mi­ni?

Die Mar­ke könn­te nach oben, aber wahr­schein­li­cher nach un­ten ent­wi­ckelt wer­den. Da gab es be­reits die Stu­die Ro­cket­man. Aber auch hier gilt: Die Au­tos müs­sen be­geis­tern und ren­ta­bel sein.

Mit dem 2er Ac­tive Tou­rer hat BMW im Seg­ment der Vans Neu­land be­tre­ten. Wie läuft der Ab­satz?

Der 2er ist gut ge­star­tet, noch ist er nicht in al­len Län­dern ver­füg­bar. Er­freu­lich: 70 Pro­zent sind neue Kun­den, vie­le jun­ge Fa­mi­li­en.

Den­ken Sie über ei­nen grö­ße­ren Van nach?

Nein, das ist kein The­ma.

Wer­den künf­tig al­le Kom­pakt­mo­del­le von BMW Front­an­trieb ha­ben?

Nein, wenn Sie er­le­ben, wie sport­lich ein M235i mit Heck­an­trieb fährt, wer­den wir die­se BMW-Tra­di­ti­on für sport­li­che Kom­pak­te be­wah­ren.

Der Elek­tri­fi­zie­rung ge­hört die Zu­kunft. Ist der Die­sel bald am En­de?

Für Eu­ro­pa bleibt der Die­sel län­ger­fris­tig ei­ne Lö­sung. Wir ha­ben viel in die­se Tech­no­lo­gie in­ves­tiert. Wenn wir den Die­sel ka­putt re­den, ha­ben wir ein ge­samt­po­li­ti­sches Pro­blem, die Her­stel­ler im Ba­sis-Seg­ment noch mehr als wir.

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