an­spruch

AUTO ZEITUNG - - VERGLEICHSTEST · KOMPAKT-SUV -

Der ers­te BMW X1 hat seit sei­ner Markt­ein­füh­rung im Jahr 2009 ei­ne be­acht­li­che Kar­rie­re hin­ge­legt. Ins­ge­samt fan­den mehr als 750.000 Ein­hei­ten des in­tern E84 ge­nann­ten Kom­pakt-SUV welt­weit ei­nen Käu­fer – trotz ei­ni­ger Schwä­chen, wie bei­spiels­wei­se der mit­tel­präch­ti­gen Raum­aus­nut­zung oder der an­fäng­lich eher mau­en Ma­te­ri­al­qua­li­tät im In­te­ri­eur. Nun steht der Nach­fol­ger (Typ F48) in den Start­lö­chern, der mit ver­bes­ser­tem Platz­an­ge­bot, ef­fi­zi­en­ten Mo­to­ren so­wie Pre­mi­um-In­te­ri­eur auf Kun­den­fang ge­hen soll. Im ers­ten Ver­gleichs­test stellt der all­rad­ge­trie­be­ne X1 xD­ri­ve 25i mit 231 PS star­kem Tur­bo­ben­zi­ner sei­ne Fä­hig­kei­ten un­ter Be­weis. Als Geg­ner ste­hen der gleich­falls sehr be­lieb­te, erst im ver­gan­ge­nen Jahr mo­dell­ge­pfleg­te Au­di Q3 2.0 TFSI quat­tro (220 PS) so­wie der 2014 ein­ge­führ­te Le­xus NX 200t 4WD mit 238 PS pa­rat.

Ka­ros­se­rie

Au­ßer­ge­wöhn­lich in Zei­ten, in de­nen Fahr­zeu­ge von Mo­dell­ge­ne­ra­ti­on zu Mo­dell­ge­ne­ra­ti­on im­mer grö­ßer wer­den: Der neue X1 ist rund vier Zen­ti­me­ter kür­zer als sein Vor­gän­ger. Das ge­än­der­te tech­ni­sche Lay­out des kom­pak­ten SUV (quer statt längs ein­ge­bau­te Mo­to­ren, Front- statt Hin­ter­rad­an­trieb in der Ba­sis) er­mög­licht den­noch ei­ne ver­bes­ser­te Raum­aus­nut­zung. Vorn wie hin­ten zeigt der Bay­er ech­te Grö­ße und weist mit sei­nem luf­ti­gen In­te­ri­eur nicht nur den Vor­gän­ger, son­dern auch die hier ver­sam­mel­te Kon­kur­renz in die Schran­ken. Die re­la­tiv gro­ßen Fens­ter­flä­chen des BMW be­ein­flus­sen das Raum­ge­fühl glei­cher­ma­ßen po­si­tiv wie die Über­sicht­lich­keit, die im di­rek­ten Ver­gleich et­was bes­ser ist als bei der Kon­kur­renz von Au­di und Le­xus. Der ins­ge­samt recht

schmal ge­schnit­te­ne Q3 geizt vor al­lem hin­ten auf­grund der fast schon cou­pé­haft ab­fal­len­den Dach­li­nie mit Kopf­frei­heit, wäh­rend im Le­xus der mäch­ti­ge Mit­tel­tun­nel den Bein­raum auf den vor­de­ren Plät­zen ein­schränkt. Al­ler­dings bie­tet der NX mit Ab­stand das größ­te Kof­fer­raum­vo­lu­men. Die im Nor­mal­fall zur Ver­fü­gung ste­hen­den 580 Li­ter Ge­päck­raum so­wie die ma­xi­ma­le Zu­la­dung von 561 Ki­lo­gramm eig­nen sich durch­aus für län­ge­re Ur­laubs­fahr­ten mit der gan­zen Fa­mi­lie. Ein wei­te­rer Vor­zug des BMW ist des­sen aus­ge­präg­te Va­ria­bi­li­tät. So ge­hört ei­ne drei­tei­lig um­leg­ba­re Rü­cken­leh­ne im Fond bei al­len Mo­del­len zur Se­ri­en­aus­stat­tung. Für 300 Eu­ro Auf­preis lässt sich die Rück­bank zu­sätz­lich längs ver­schie­ben. We­der der Au­di, des­sen zwei­tei­lig um­leg­ba­re Rück­bank auf Wunsch im­mer­hin mit ei­ner Durch­rei­che be­stückt wer­den kann, noch der Le­xus, der auch hier­auf ver­zich­ten muss, wei­sen ei­ne ähn­li­che Wan­del­bar­keit im In­nen­raum auf. Im Zu­ge des Mo­dell­wech­sels ha­ben die Münch­ner bei ih­rem po­pu­lä­ren Kom­pakt-SUV zu­dem mas­siv die Si­cher­heits­aus­stat­tung auf­ge­rüs­tet. So ste­hen für den X1 nun bei­spiels­wei­se As­sis­ten­ten zum Spur­hal­ten und -wech­seln oder auch ein Ci­ty-Not­brems­as­sis­tent zur Ver­fü­gung – wenn auch ge­gen Auf­preis. Der Au­di wie­der­um ver­fügt als ein­zi­ger im Test über Sei­ten­air­bags für die Fond­pas­sa­gie­re (350 Eu­ro), wäh­rend der Le­xus ex­klu­siv mit ei­nem PreCrash-Sys­tem zu ha­ben ist, das im Fal­le ei­nes dro­hen­den Un­falls die Gur­te strafft oder den ma­xi­ma­len Brems­druck vor­ein­stellt. In Sa­chen In­nen­raum­qua­li­tät setzt aber der Q3 die Maß­stä­be. Ul­tra­so­li­de wir­ken­de Ma­te­ria­li­en und die ab­so­lut per­fek­te Ver­ar­bei­tung si­chern ihm ei­nen Vor­sprung – wenn­gleich der BMW in die­sem Punkt deut­lich auf­ge­holt hat und nun eben­falls über ein eben­so ed­les wie ge­fäl­li­ges In­te­ri­eur ver­fügt. Auch der Le­xus recht­fer­tigt sei­nen Pre­mi­um­an­spruch mit

Der Au­di Q3 2.0 TFSI ist in die­sem Test­feld mit ei­nem Grund­preis von 41.100 Eu­ro das güns­tigs­te An­ge­bot

ei­ner sehr gu­ten Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät und ei­ner sehr or­dent­li­chen Ma­te­ri­al­gü­te. Ein ku­rio­ses De­tail am Ran­de sind al­ler­dings die sicht­ba­ren In­nen­sechs­kant-Schrau­ben seit­lich der Mit­tel­kon­so­le. So et­was ken­nen wir heut­zu­ta­ge nur noch aus dem Low-Bud­get-Seg­ment.

Fahr­kom­fort

BMW bie­tet den X1 seit dem Mo­dell­wech­sel erst­mals auch mit elek­tro­nisch va­ria­blen Dämp­fern an. Un­ser Test­wa­gen geht al­ler­dings mit dem be­tont auf Fahr­dy­na­mik aus­ge­leg­ten M Sport­fahr­werk (340 Eu­ro) an den Start. Die­se werks­sei­tig vor­ge­nom­me­ne Kon­fi­gu­ra­ti­on be­ein­träch­tigt den Fe­de­rungs­kom­fort auf schlech­ten Stra­ßen merk­lich. In tie­fe Bo­den­wel­len sackt der BMW-SUV spür­bar hin­ein und gibt sich auf Kan­ten und Qu­er­fu­gen et­was höl­zern. Auf der Au­to­bahn ge­fällt der BMW in­des mit ei­ner sat­ten Stra­ßen­la­ge und ge­rin­ger Sei­ten­nei­gung in schnel­len Kur­ven. Den an­ge­nehms­ten Ein­druck auf Stra­ßen­schä­den hin­ter­lässt der Au­di Q3, des­sen 980 Eu­ro teu­ren ad­ap­ti­ven Dämp­fer für ei­nen har­mo­ni­schen Fe­de­rungs­kom­fort sor­gen. Trotz der gleich­falls eher straf­fen Gr­und­ab­stim­mung schluckt der In­gol­städ­ter Schlag­lö­cher, Qu­er­fu­gen oder Ähn­li­ches klag­los und bie­tet da­zu den bes­ten Ab­roll­kom­fort. Beim Le­xus ver­hin­dert die un­har­mo­ni­sche Ab­stim­mung zwi­schen Vor­der- und Hin­ter­ach­se, dass er sich trotz ad­ap­ti­ver Dämp­fer in punc­to Fahr­kom­fort bes­ser in Sze­ne set­zen kann. Wäh­rend der Vor­der­wa­gen Bo­den­wel­len, Kan­ten oder Qu­er­fu­gen noch recht pas­sa­bel ver­ar­bei­tet, rum­pelt die Hin­ter­ach­se hilf­los über Une­ben­hei­ten und gibt sel­bi­ge als tro­cke­ne Stö­ße an die In­sas­sen wei­ter. Ein Um­stand, der sich bei ma­xi­ma­ler Be­la­dung üb­ri­gens kei­nes­wegs zum Po­si­ti­ven ver­än­dert, wie man even­tu­ell ver­mu­ten könn­te. Da­für ist der Ja­pa­ner das lei­ses­te Au­to im Feld.

Der BMW X1 ist im Ver­gleich zum Vor­gän­ger noch va­ria­bler ge­wor­den

Mo­tor/Ge­trie­be

Al­le drei Kon­tra­hen­ten wer­den von mo­der­nen Vier­zy­lin­der-Tur­bo­ben­zi­nern mit zwei Li­tern Hu­b­raum be­feu­ert. Der BMW X1 xD­ri­ve 25i ver­traut auf die 231 PS star­ke Va­ri­an­te des in zahl­rei­chen Mo­del­len des Kon­zerns ein­ge­setz­ten Trieb­werks vom Typ B48. Auch im neu­en Mo­dell ist der Di­rekt­ein­sprit­zer für mun­te­re Fahr­leis­tun­gen gut. Die Kraft­ent­fal­tung wirkt über den ge­sam­ten Dreh­zahl­be­reich druck­voll und gleich­mä­ßig. Be­reits knapp über dem Leer­lauf steht dem Fah­rer aus­rei­chend Po­wer zur Ver­fü­gung. Der lauf­ru­hi­ge Vier­zy­lin­der scheut aber auch kei­ne ho­hen Dreh­zah­len. Klei­ner Kri­tik­punkt: Die se­ri­en­mä­ßi­ge Au­to­ma­tik agiert spe­zi­ell im un­te­ren Dreh­zahl­be­reich et­was trä­ge. Den sprit­zigs­ten Ein­druck hin­ter­lässt die 220 PS star­ke An­triebs­quel­le des Au­di Q3, die mit ex­plo­si­ons­ar­ti­gem An­tritt und aus­ge­präg­ter

Dreh­freu­de be­geis­tert. Die Mess­wer­te un­ter­strei­chen den sub­jek­ti­ven Ein­druck: Im Stan­dard­sprint von null auf hun­dert lässt der In­gol­städ­ter, der für die­se Übung le­dig­lich 6,4 Se­kun­den be­nö­tigt, sei­ne Wett­be­wer­ber hin­ter sich. Al­ler­dings nervt der se­ri­en­mä­ßig mit ei­nem Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be be­stück­te Q3 beim An­fahren mit ei­nem recht kräf­ti­gen Ru­cken, das sich kaum un­ter­bin­den lässt. Die bes­ten Ma­nie­ren legt der mit 238 PS stärks­te Mo­tor im Feld an den Tag, der im Le­xus sei­nen Di­enst ver­rich­tet. Al­ler­dings kann der Flüs­ter-Vier­zy­lin­der sei­nen Leis­tungs­vor­sprung nicht in die bes­ten Be­schleu­ni­gungs­wer­te um­mün­zen, woran das trä­ge Au­to­ma­tik­ge­trie­be ei­nen ho­hen An­teil hat. Wei­te­re Punk­te kos­tet die un­ver­ständ­li­cher­wei­se auf 200 km/ h be­grenz­te Höchst­ge­schwin­dig­keit. Au­ßer­dem ge­neh­migt sich der Ja­pan-Tur­bo mit 9,6 Li­tern pro 100 Ki­lo­me­ter über 0,5 Li­ter mehr Sprit als die bei­den Deut­schen.

Fahr­dy­na­mik

Der neue X1 fährt sich so, wie es sich für ei­nen BMW ge­hört: leicht­fü­ßig und agil. Mit der prä­zi­sen wie rück­mel­dungs­freu­di­gen Sport­len­kung (250 Eu­ro) lässt er sich ziel­ge­nau durch al­le Ar­ten von Kur­ven di­ri­gie­ren. Die ge­rin­gen Lenk­win­kel so­wie die maß­vol­le Sei­ten­nei­gung der Ka­ros­se­rie tra­gen ein Üb­ri­ges zum fahr­akt i ven Ein­druck bei. Zu­dem ist der BMW mit ei­ner her­vor­ra­gen­den Trak­ti­on ge­seg­net. Die mit Ab­stand kür­zes­ten Brems­we­ge sind das i-Tüp­fel­chen der fahr­dy­na­mi­schen Vor­stel­lung. Der stets et­was kopf­las­tig wir­ken­de Au­di kann dem BMW we­der auf un­se­rem Hand­ling­kurs noch im Sla­lom Pa­ro­li bie­ten. Er lenkt nicht so gie­rig ein und schiebt frü­her über die Vor­der­rä­der als sein rund 90 Ki­lo­gramm leich­te­rer baye­ri­scher Kon­kur­rent. Da­für ge­fällt der In­gol­städ­ter Cross­over mit ei­nem lamm­from­men Fahr­ver­hal­ten, der gu­ten Trak­ti­on und fein re­geln­den Sta­bi­li­täts­sys­te­men. Die schwächs­te Vor­stel­lung in den fahr­dy­na­mi­schen Dis­zi­pli­nen lie­fert der Le­xus NX. Die sehr kon­ser­va­tiv agie­ren­de Si­cher­heits­elek­tro­nik re­gelt be­reits sehr früh, so­dass auch in harm­lo­sen Kur­ven häu­fig kaum Vor­trieb zur Ver­fü­gung steht. Die Kon­se­quenz: Un­se­ren Hand­ling­kurs um­run­det der Ja­pa­ner über sie­ben Se­kun­den lang­sa­mer als der BMW. Eben­falls kein Ruh­mes­blatt: Die Brems­we­ge sind mit über 39 Me­tern im kal­ten wie war­men Kom­po­nen­ten­zu­stand schlicht zu lang.

850 mm

750 mm

1680 mm

990 mm Dank der op­tio­na­len ad­ap­ti­ven Dämp­fer (980 Eu­ro) bie­tet der Au­di ei­nen ho­hen Rei­se­kom­fort. Da­zu tra­gen auch be­que­me Sport­sit­ze bei

Die Ver­ar­bei­tung des Q3-In­te­ri­eurs ist schlicht­weg per­fekt Au­di Q3 2.0 TFSI Das MMI-Sys­tem im Q3 ist in punc­to Be­die­nung nicht mehr auf dem neu­es­ten Stand. Den­noch sind für den Au­di mo­der­ne Fea­tu­res wie Web-An­bin­dung oder Di­gi­tal­ra­dio zu ha­ben. Ei­ne Frei­sprech­ein­rich­tung kos­tet im Ge­gen­satz zur Kon­kur­renz ex­tra

BMW X1 xD­ri­ve 25i Ein mar­ken­ty­pisch um­fang­rei­ches In­fo­tain­ment-An­ge­bot fin­det man auch im neu­en X1 vor. So sind un­ter an­de­rem ein LTE-In­ter­net­zu­gang oder ein flink rech­nen­des Na­vi­Sys­tem mit Echt­zeit-Ver­kehrs­in­fos für den Bay­ern ver­füg­bar Das mo­der­ne BMWCock­pit ist ein Mus­ter an Er­go­no­mie, die Ma­te­ri­alund Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät wirkt deut­lich bes­ser als beim Vor­gän­ger

Das M-Sport­fahr­werk schmä­lert den Kom­fort – am­bi­tio­nier­te Fah­rer wird das kaum stö­ren

1770 mm

740 mm

920 mm

1010 mm

Die drei sehr un­ter­schied­li­chen Cha­rak­te­re der SUV

ma­chen auch die Ka­ros­se­rie­for­men of­fen­sicht­lich

Die Be­die­nung des Le­xus er­for­dert et­was Ein­ge­wöh­nung. Gu­te Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät

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