Ral­lye-WM: Ent­schei­dung in Aus­tra­li­en

Sé­bas­ti­en Ogier be­stimm­te auch den zehn­ten WM-Lauf in Aus­tra­li­en und si­cher­te sich zum drit­ten Mal in Fol­ge vor­zei­tig den WM-Ti­tel

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gregor Mes­ser

Al­ler gu­ten Din­ge sind drei, sagt der Volks­mund. Im Fal­le von Volks­wa­gen be­deu­tet das: Al­le drei Ti­tel der Ral­lye-WM 2015 wur­den er­neut vor­zei­tig un­ter Dach und Fach ge­bracht. Fah­rer-, Bei­fah­rer- und Her­stel­ler­ti­tel – wie schon 2013 und 2014. Dies­mal so­gar un­er­hört früh vier Läu­fe vor Sai­son­en­de. Die Pace, die Sé­bas­ti­en Ogier vor­gibt, er­in­nert an den Größ­ten des Sports, Sé­bas­ti­en Lo­eb. Der Fran­zo­se schaff­te von 2004 bis 2012 das Kunst­stück, sich neun­mal hin­ter­ein­an­der die WM-Kro­ne auf­zu­set­zen. Sein Lands­mann und Nach­fol­ger scheint ihm kaum nach­zu­ste­hen. „Wir ha­ben ei­ne wun­der­ba­re Sai­son“, sag­te Ogier so eu­pho­risch wie es sei­ne we­nig ex­tro­ver­tier­te Per­sön­lich­keit zu­lässt. „Wir ha­ben den Ti­tel hier schon klar­ma­chen kön­nen. Wir hät­ten nie ge­dacht, dass wir in Aus­tra­li­en ei­ne Sieg­chan­ce ha­ben.“Das kann man glau­ben oder nicht – aber an­ge­sichts sei­nes un­glaub­li­chen Ta­l­ents, sei­ner fah­re­ri­schen Prä­zi­si­on und sei­nes Ehr­gei­zes war dem 31-Jäh­ri­gen der Ge­sam­sieg auch in die­ser Sai­son nicht mehr zu neh­men. Dank der WM-Füh­rung als Ers­ter auf die stau­bi­gen und rut­schi­gen Schot­ter­pis­ten rund um das Küs­ten­städt­chen Coffs Har­bour ge­hen zu müs­sen, war ein Man­ko, von dem Ogier – wie schon so oft in die­ser Sai­son – nicht glaub­te, es wett­ma­chen zu kön­nen. „Dau­ernd muss ich den Stra­ßen­fe­ger spie­len“, be­klag­te er sich bei je­dem der acht WM-Läu­fe, die nicht auf As­phalt aus­ge­tra­gen wur­den. Der Nach­teil als Start­fah­rer im Nor­den des Bun­des­staa­tes New South Wa­les wiegt in­des be­son­ders schwer: Nir­gend­wo sonst im Ral­ly­eWM-Ka­len­der müs­sen die Erst­ge­star­te­ten so­viel Schot­ter von der Pis­te wir­beln. Den­noch schaff­te es

Ogier schon am ers­ten Ver­an­stal­tungs­tag, den Rück­stand in über­schau­ba­ren Gren­zen zu hal­ten. Mit nur 4,6 Se­kun­den auf Rang 3 ge­le­gen, drif­te­te der Mann aus den fran­zö­si­schen See­al­pen am Sams­tag­abend sou­ve­rän an die Spit­ze – dank zwei wei­te­rer Best­zei­ten auf Prü­fungs­stre­cken, die ein zwei­tes Mal be­fuh­ren wur­den. „Sé­bas­ti­en will je­de Ral­lye ge­win­nen. Und je­de Son­der­prü­fung. Er hält sich nicht zu­rück. Nie“, stöhn­te Team­kol­le­ge Ja­ri-Mat­ti Lat­va­la, dem wohl an­ge­sichts des star­ken Kon­kur­ren­ten das Stig­ma des ewi­gen Zwei­ten im ei­ge­nen La­ger auf­ge­bür­det ist. Am Sonn­tag dis­tan­zier­te Ogier den Fin­nen um wei­te­re 9,7 Se­kun­den, und er war da­bei auf je­der der fünf Prü­fun­gen der schnells­te Pi­lot im Feld – in­klu­si­ve der Po­wer Sta­ge, was ihm wie­der mal drei WM-Punk­te ex­tra ein­ge­bracht hat. „Un­fass­bar“, ver­zwei­fel­te der fünft­plat­zier­te Neu­see­län­der Hay­don Pad­don. „Wer soll Ogier ei­gent­lich je­mals auf­hal­ten?“„Wir müs­sen ver­dammt hart ar­bei­ten, um über­haupt dran zu blei­ben“, sieht auch der Ire Kris Mee­ke nur ru­di­men­tä­re Chan­cen. „Ich woll­te nicht zu­viel über den Ti­tel nach­den­ken“, gab Ogier im Ziel zu. „Aber ich hat­te schon das gan­ze Wo­che­n­en­de ein gu­tes Ge­fühl.“Volks­wa­gen-Sport­chef Jost Ca­pi­to muss­te den er­neu­ten WM-Tri­umph erst mal sa­cken las­sen. Da­nach mein­te er: „Un­ser Ge­heim­nis ist die Kon­ti­nui­tät. Wir wech­seln we­der un­se­re Fah­rer noch die Te­am­mit­glie­der. Des­halb ha­ben wir so ei­nen star­ken Te­am­geist. Und das wird auch in Zu­kunft so blei­ben.“Der wei­te­ren Jagd auf den Re­kord des Ral­ly­eDenk­mals Sé­bas­ti­en Lo­eb steht für Ogier al­so auch 2016 nichts im We­ge.

Der Po­lo hat 31 Sie­ge bei 36 Starts her­aus­ge­fah­ren – ei­ne Sieg­quo­te von 86 Pro­zent

Mit Tro­phäe: Co­pi­lot Ju­li­en In­gras­sia fei­er­te sei­nen Ti­tel als Welt­meis­ter der Bei­fah­rer

Fei­er mit „Pa­pa Schlumpf“: VW-Sport­chef Jost Ca­pi­to er­schien im Ziel ver­klei­det

Drit­ter: Kris Mee­ke im Ci­tro­ën fei­er­te sein zweit­bes­tes Sai­son­re­sul­tat

Em­si­ger Samm­ler: Ford-Youngs­ter Evans flog zum sieb­ten Mal in die Punk­te

Hef­ti­ger Un­fall bei der so­ge­nann­ten Rec­ce: Ci­tro­ën-Pi­lot Mads Øst­berg prall­te beim Er­stel­len des Stre­cken­auf­schriebs mit ei­nem Truck zu­sam­men und er­litt Rip­pen­brü­che. Nach­wuchs­pi­lot Sté­pha­ne Le­ve­b­v­re er­setz­te ihn

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