sach­lich blei­ben

Der Volks­wa­gen-Skan­dal schlägt ho­he Wel­len – wenn in ei­nem deut­schen Vor­zei­ge­un­ter­neh­men be­tro­gen wur­de, ist das ver­ständ­lich. Und doch soll­te die Dis­kus­si­on nicht mit Emo­tio­nen, son­dern mit Ver­stand ge­führt wer­den

AUTO ZEITUNG - - MEINUNG - Vol­ker Ko­erdt, Chef­re­dak­teur

Nie­mand stellt in Fra­ge, dass Ver­ant­wort­li­che im VW-Kon­zern be­tro­gen und die Ab­gas­wer­te fri­siert ha­ben. Den­noch al­les in ei­nen Topf zu schmei­ßen und al­les zu ver­un­glimp­fen, was der Volks­wa­gen-Kon­zern je ge­leis­tet hat – wie in man­chen Le­ser­brie­fen, die wir der­zeit er­hal­ten –, wird der Sa­che nicht ge­recht. Noch im­mer soll­te man tren­nen zwi­schen den ju­ris­ti­schen Fol­gen und den Pro­duk­ten. Der Volks­wa­genKon­zern hat sich mit sei­nen Mar­ken VW, Au­di, Sko­da, Seat und wie sie al­le hei­ßen durch gu­te Au­tos an die Spit­ze der Au­to­mo­bil­her­stel­ler ge­schwun­gen. Si­cher­heits­tech­nik, As­sis­tenz­sys­te­me, Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät, Fahr­dy­na­mik und vie­les mehr und vor al­len Din­gen auch ei­ne An­zahl mo­der­ner und gu­ter Mo­to­ren prä­gen das Image und das Bild der Mar­ken. Des­halb sind die Pro­duk­te auch so er­folg­reich und be­gehrt. Mil­lio­nen von Kun­den, die sich für die­se Au­tos ent­schie­den ha­ben und mit den Pro­duk­ten zu­frie­den sind, sind kei­ne Dep­pen. Ge­nau­so we­nig wie die Tes­ter der AU­TO ZEI­TUNG, die jetzt in Ge­ne­ral­ver­dacht ge­nom­men wer­den, sie hät­ten den Schwin­del schon vor­her ent­de­cken kön­nen. Es ist mit­nich­ten ei­ne deutsch ge­färb­te Hof­be­richt­er­stat­tung, wenn Volks­wa­gen-Pro­duk­te in den Tests ge­win­nen. Dies kommt üb­ri­gens nicht nur in der AU­TO ZEI­TUNG, son­dern auch bei un­se­ren Wett­be­wer­bern vor. Und zur Klar­stel­lung: Die AU­TO ZEI­TUNG kann kei­ne fah­ren­de Ab­gas­mes­sung vor­neh­men, die not­wen­dig wä­re, um ei­ne Ver­feh­lung wie im Fall von VW fest­zu­s­tel- len. Zu­nächst ein­mal gibt es die­ses Ver­fah­ren erst seit kur­zer Zeit, und es wä­re zu teu­er und zeit­lich zu auf­wen­dig, um die Au­tos wäh­rend der Tests die­sen Mes­sun­gen zu un­ter­zie­hen. Schließ­lich tes­tet die AU­TO ZEI­TUNG im Schnitt knapp 500 Au­tos pro Jahr. Zum an­de­ren gibt es für die mo­bi­le Mes­sung bis heu­te kei­nen fest­ge­leg­ten Zy­klus, der für ver­gleich­ba­re Er­geb­nis­se Vor­aus­set­zung ist. Na­tür­lich mes­sen wir die Ver­bräu­che und stel­len be­reits seit Jah­ren bei al­len Her­stel­lern gro­ße Ab­wei­chun­gen in der Pra­xis ge­gen­über den EU-Wer­ten fest. Das ist kein Ge­heim­nis und müss­te je­dem auf­ge­klär­ten Bür­ger schon seit Jah­ren be­kannt sein. Volks­wa­gen ist mit dem Scha­den, der jetzt ent­stan­den ist, ge­straft ge­nug. Das Un­ter­neh­men um den neu­en VW-Chef Mat­thi­as Müller meint es ernst mit der Auf­klä­rung. Wich­ti­ge Füh­rungs­per­so­nen sind er­setzt oder be­ur­laubt, an den tech­ni­schen Lö­sun­gen wird mit Hoch­druck ge­ar­bei­tet. Hin­zu kommt ne­ben dem fi­nan­zi­el­len Fi­as­ko ein gro­ßer Ima­ge­scha­den, der Volks­wa­gen lan­ge be­glei­ten wird. Üb­ri­gens se­hen vie­le Käu­fer der­zeit in Deutsch­land kei­nen An­lass, vom Kauf von VW-Kon­zern­pro­duk­ten Ab­stand zu neh­men, wie Re­cher­chen im Han­del und beim Wett­be­werb er­ga­ben. Al­ler­dings ge­ben die Händ­ler durch­weg hö­he­re Ra­bat­te als in frü­he­ren Zei­ten. Und oh­ne das Ver­ge­hen klein zu re­den: Bei an­de­ren Her­stel­lern gab es für die Kun­den schon we­sent­lich schlim­me­re Din­ge zu be­kla­gen: So sind we­gen de­fek­ter Zünd­schlös­ser bei Ge­ne­ral Mo­tors-Mo­del­len, von de­nen die Ver­ant­wort­li­chen üb­ri­gens lan­ge Zeit ge­wusst und sie den­noch ver­baut ha­ben, über 120 Men­schen ums Le­ben ge­kom­men. Und auch bei an­de­ren Her­stel­lern gab es Vor­fäl­le, et­wa zu früh oder gar nicht aus­lö­sen­de Air­bags oder blo­ckier­te Gas­pe­da­le. Al­les klar, kein Be­trug, aber für die Kun­den den­noch mit gra­vie­ren­den Fol­gen. Was sagt uns das? Meist kom­men die­se tech­ni­schen Feh­ler auf­grund des ho­hen Kos­ten­drucks zu­stan­de. Dies soll kei­nes­falls ei­ne Ent­schul­di­gung, son­dern nur ei­ne Er­klä­rung sein. Wer nun aber das Aus des Die­sels for­dert, setzt die Her­stel­ler noch mehr un­ter Druck.

Mit mo­bi­len Mess-Sys­te­men wie der PEM5 (por­ta­bles Emis­si­ons-Mess­Sys­tem) sol­len künf­tig pra­xis­na­he Er­geb­nis­se er­mit­telt wer­den. Doch da­zu muss noch ein ver­gleich­ba­rer Zy­klus de­fi­niert wer­den

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