… es geht um die eh­re …“

AUTO ZEITUNG - - SPECIAL -

In der Sta­tis­tik ha­ben Sie Mar­cus Grön­holm mit 31 Sie­gen über­holt. Wie wich­tig sind Ih­nen Sta­tis­ti­ken?

Es gab ei­ne Zeit zu Be­ginn mei­ner Kar­rie­re, in der Re­kor­de und Sta­tis­ti­ken für mich sehr wich­tig wa­ren. Ich dach­te, dass es mich glück­lich macht, ganz oben zu ste­hen. Aber mit der Zeit und mit der Er­fah­rung ha­be ich ge­merkt, dass die­se Zah­len al­lein eben nicht glück­lich ma­chen. Klar, es ist ein tol­les Ge­fühl zu wis­sen, ne­ben welch gro­ßen Na­men des Ral­lye­sports man ge­nannt wird. Aber am En­de geht es doch bei je­der Ral­lye ein­zig um die Eh­re. Das Ge­fühl, um den Sieg zu kämp­fen und zu ge­win­nen – das ist es, was mich an­treibt und glück­lich macht.

Sie lie­gen gut im Zeit­plan, um zu Ih­rem Lands­mann Sé­bas­ti­en Lo­eb auf­zu­schlie­ßen, der al­ler­dings neun WM-Ti­tel ge­holt hat. Wer­den Sie das auch mal schaf­fen?

Dar­über den­ke ich noch nicht nach, ich bin erst­mal mit mei­nem drit­ten Ti­tel­ge­winn hap­py– nächs­tes Jahr geht die Sai­son wie­der bei null los. Wie ge­sagt, Re­kor­de und Sta­tis­ti­ken ha­ben für mich ge­ne­rell kei­ne gro­ße Be­deu­tung, auch wenn ich na­tür­lich ei­nen rie­si­gen Re­spekt vor Lo­ebs Leis­tung ha­be. Mir ist wich­tig, auf dem Bo­den zu blei­ben und ei­nen Schritt nach dem an­de­ren zu ge­hen. Lo­eb könn­te ich frü­hes­tens in sechs Jah­ren ein­ho­len. Ich weiß aber heu­te noch nicht mal, ob ich in sechs Jah­ren über­haupt noch Ral­lyes fah­re.

Wie ver­glei­chen Sie Ih­ren drit­ten Ti­tel mit den ers­ten bei­den von 2013 und 2014?

Grund­sätz­lich ist je­der Welt­meis­ter­Ti­tel für mich et­was Be­son­de­res, denn da­hin­ter ste­cken im­mer viel Ar­beit und ein groß­ar­ti­ges Team. Na­tür­lich wird der ers­te Ti­tel 2013 für mich im­mer der Wich­tigs­te blei­ben – weil man Jah­re dar­auf hin­ar­bei­tet und nicht si­cher ist, ob man es je schaf­fen wird. Dass es dann mit dem Ti­tel­ge­winn da­mals aus­ge­rech­net bei der Ral­lye Frank­reich ge­klappt hat, war das Sah­ne­häub­chen oben­drauf. Beim zwei­ten Ti­tel war es die Be­stä­ti­gung, dass wir beim ers­ten nicht nur Glück hat­ten. Und der Hattrick? Die­ser drit­te Ti­tel er­füllt mich mit Stolz. Wir fuh­ren ei­ne na­he­zu per­fek­te Sai­son, ha­ben kei­ne Feh­ler ge­macht. Und: Es ist im­mer schwe­rer, an der Spit­ze zu blei­ben, als an die Spit­ze zu kom­men.

Sie ha­ben sich über die Start­rei­hen­fol­ge bei den Ral­lyes im ver­gan­ge­nen und in die­sem Jahr be­schwert …

Mei­ne Mei­nung da­zu hat sich nicht ge­än­dert. Es ist Fakt, dass der­je­ni­ge be­nach­tei­ligt ist, der zu­erst star­tet. Aber ich ma­che nicht die Re­geln. Ju­li­en und ich muss­ten da­mit klar­kom­men – und wir ha­ben es ja auch ge­schafft.

Die Re­gel wird ab kom­men­dem Jahr noch ver­schärft, wenn die am Vor­tag aus­ge­schie­de­nen WRC-Au­tos erst hin­ter dem Feld star­ten. Ist das noch fair?

Wie ge­sagt, wir müs­sen uns al­le da­mit ar­ran­gie­ren und al­les ge­ben. Es wird nicht ein­fa­cher, so viel steht fest.

Was ist an Ih­rem Ein­satz­team von Volks­wa­gen Mo­tor­sport so be­son­ders?

Das ist ja wohl ganz klar: Es ist das er­folg­reichs­te Team im Ral­lye­sport. Die Art, wie wir zu­sam­men­ar­bei­ten und zu­sam­men­hal­ten, ist et­was ganz Be­son­ders. Wir al­le ha­ben das Ziel zu ge­win­nen. Das schweißt uns eng zu­sam­men. Die­ser Team­spi­rit lässt uns die bes­ten Leis­tun­gen er­brin­gen.

Der Po­lo wird 40. Wie ist Ihr Ver­hält­nis zu die­sem Au­to?

Die Ent­wick­lung vom ers­ten Mo­dell bis zum Po­lo R WRC ist ex­trem groß, und ich bin froh, dass ich nicht mit dem al­ten Po­lo ge­fah­ren bin (lacht). Aber Spaß bei­sei­te: Der Po­lo hat be­wie­sen, dass er ei­ne sehr gu­te Grund­la­ge für das mo­men­tan bes­te Ral­lye­au­to der Welt bie­tet.

Wie wich­tig sind wei­te­re Her­stel­ler in der Ral­ly­eWM, et­wa To­yo­ta, die 2017 an­tre­ten?

Her­stel­ler sind ge­ne­rell sehr wich­tig für den Ral­lye­sport – wo sonst im Mo­tor­sport sind so vie­le nam­haf­te Her­stel­ler am Start? Mit Volks­wa­gen, Hy­un­dai, Ci­tro­ën, Ford und künf­tig To­yo­ta sind fünf gro­ße Na­men ver­tre­ten. Ein kla­res Zei­chen, dass der Ral­lye­sport dort ei­ne Zu­kunft hat.

Sie sind mit ei­ner Deut­schen ver­hei­ra­tet. Wie gut spre­chen Sie Deutsch?

Mein Deutsch wird bes­ser und bes­ser. Aber da ich vor­her kein Deutsch konn­te, ist es für mich sehr schwer zu ler­nen. Andrea und ich ar­bei­ten dar­an, dass es täg­lich ein biss­chen bes­ser wird …

Wel­che Zie­le ha­ben Sie noch im Mo­tor­sport? Wä­ren die For­mel 1 und die 24 St­un­den von Le Mans auch ein The­ma für Sie?

Für ei­ne Kar­rie­re in der For­mel 1 bin ich si­cher­lich zu alt, aber ein Test wä­re auf je­den Fall ein Traum. Die For­mel 1 ist im­mer­hin das Schnells­te, was man im Renn­sport er­le­ben kann. Die 24 St­un­den von Le Mans wür­den mich in­ter­es­sie­ren, die LMP1-Au­tos sind fas­zi­nie­rend. Es wür­de für mich aber nur Sinn ma­chen, wenn ich vor­her aus­rei­chend tes­ten könn­te. Ein Start in Le Mans kä­me für mich nur in Fra­ge, wenn ich wett­be­werbs­fä­hig wä­re.

Das Ge­spräch führ­te Gre­gor Mes­ser

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