DU­ELL der Mit­tel­feld­stars

Der A4 Avant ist für Au­di die wich­tigs­te Neu­er­schei­nung des Jah­res. Den ers­ten Här­te­test hat er ge­gen ei­nen der welt­bes­ten Mit­tel­klas­se-Kom­bis zu be­ste­hen: den VW Pas­sat Va­ri­ant

AUTO ZEITUNG - - NEUHEITEN · TOKYO MOTOR SHOW - [ TEXT Mar­cel Küh­ler

End­lich steht er in den Start­lö­chern, der neue Au­di A4 Avant. Und so­mit ist es nun an der Zeit zu che­cken, ob er sei­nen zahl­rei­chen Vor­schuss­lor­bee­ren als be­son­ders in­no­va­ti­ver tech­ni­scher Vor­rei­ter un­ter den Mit­tel­klas­seKom­bis ge­recht wird. Der Weg zum Test­sieg führt in die­sem Fahr­zeug­seg­ment nur über den VW Pas­sat Va­ri­ant, der sei­ne un­be­strit­te­nen Qua­li­tä­ten schon mehr­fach un­ter Be­weis ge­stellt hat. Zum Ver­gleichs­test tre­ten bei­de Lademeister mit ih­rem je­wei­li­gen Top-Die­sel so­wie All­rad­an­trieb an.

Ka­ros­se­rie

Auch wenn sich die äu­ße­ren Ab­mes­sun­gen im Ver­gleich zu de­nen des Vor­gän­gers nur we­nig ver­än­dert ha­ben, ist der neue A4 ei­ne statt­li­che Er­schei­nung ge­wor­den. Vor al­lem das sport­lich ele­gan­te Heck macht auf­grund sei­ner Brei­ten­wir­kung op­tisch rich­tig was her. Da­hin­ter ver­birgt sich ein gut nutz­ba­rer Kof­fer­raum, der je nach Po­si­ti­on der Rück­sitz­leh­ne 505 oder 1510 Li­ter fasst. Doch nicht nur Ge­päck fühlt sich in Au­dis neu­em Avant bes­tens auf­ge­ho­ben. Auch Fahr­gäs­te ge­nie­ßen vorn wie hin­ten groß­zü­gi­ge Platz­ver­hält­nis­se. Al­ler­dings: Der Pas­sat kann ge­ra­de in die­sen bei­den Punk­ten sei­ne Trümp­fe voll aus­spie­len. Nicht nur, dass sein Ge­päck­raum (650 bis 1780 Li­ter) un­gleich grö­ßer ist, auch der In­nen­raum bie­tet noch mehr Platz. Vor al­lem der Fond des Wolfs­bur­gers ist der­zeit in die­sem Seg­ment weit­ge­hend kon­kur­renz­los und stellt so­gar so man­chen Ober­klas­se- Kan­di­da­ten in den Schat­ten.

Letz­te­res gilt wie­der­um für die Ma­te­ri­alan­mu­tung so­wie die Ver­ar­bei­tungs­gü­te des neu­en Au­di A4. Wo das Au­ge im In­nen­raum auch hin­schaut, wo die Hän­de auch hin­lan­gen: Der Ba­ju­wa­re glänzt mit hoch­wer­ti­gen Ober­flä­chen, die mit größ­ter Prä­zi­si­on zu ei­nem ele­gant­funk­tio­na­len Ge­samt­kunst­werk zu­sam­men­ge­fügt wor­den sind. Der Wolfs­bur­ger hat da­für in Sa­chen Be­dien­bar­keit die Na­se vorn. Un­miss­ver­ständ­lich be­schrif­te­te Schal­ter, gro­ßer Touch­screen, lo­gisch ar­ran­gier­te Me­nüs: Hier fin­det sich auf An­hieb je­der zu­recht. Der Au­di hin­ge­gen er­war­tet von sei­nem neu­en Be­sit­zer ei­ne kur­ze Ei­n­ar­bei­tungs­zeit, in der die vie­len teils et­was ver­schach­tel­ten Me­nüs und Un­ter­me­nüs erst er­lernt wer­den wol­len. Ei­ne er­go­no­mi­sche Be­son­der­heit gibt es bei A4-Mo­del- len mit Au­to­ma­tik- re­spek­ti­ve Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­ben: Bei ih­nen liegt die MMI-Be­dien­ein­heit rund um den zen­tra­len Dreh-/ Drück­stel­ler et­was un­güns­tig hin­ter dem Gang­wähl­he­bel. Bei Fahr­zeu­gen mit ma­nu­el­lem Ge­trie­be ist das MMI-Feld griff­güns­ti­ger vor dem Schalt­he­bel po­si­tio­niert. Auf ei­nem mus­ter­gül­ti­gem Ni­veau sind in­des bei­de Kon­tra­hen­ten un­ter­wegs, was die Si­cher­heits­aus­stat­tung an­geht. Da­bei be­ein­druckt vor al­lem der A4 mit ei­ni­gen in­no­va­ti­ven As­sis­ten­ten, wie bei­spiels­wei­se ei­ner Aus­stiegs­war­nung bei her­an­na­hen­den Fahr­zeu­gen oder ei­nem Qu­er­ver­kehras­sis­ten­ten, der beim rück­wär­ti­gen Au­spar­ken aus schwie­rig ein­seh­ba­ren Qu­er­lü­cken un­ter­stützt. Auch der As­sis­tent für das Links­ab­bie­gen auf mehr­spu­ri­gen Kreu­zun-

gen, der den Ge­gen­ver­kehr über­wacht und ge­ge­be­nen­falls ei­nen Brems­vor­gang ein­lei­tet, fällt in die­se Ka­te­go­rie. Dass der VW im Wer­tungs­kri­te­ri­um Si­cher­heits­aus­stat­tung den­noch mehr Zäh­ler sam­melt als der Au­di, liegt an dem Um­stand, dass die meis­ten Sys­te­me für den In­gol­städ­ter Auf­preis kos­ten, wäh­rend der Pas­sat so ei­ni­ges da­von be­reits se­ri­en­mä­ßig an Bord hat – dar­un­ter Ein­park­hil­fen für Front und Heck, ei­nen Ber­gan­fahras­sis­ten­ten, Licht-/Re­gen­sen­sor oder Ab­bie­ge­licht.

Fahr­kom­fort

So­bald die Tü­ren des Au­di nach dem Ein­stei­gen ins Schloss fal­len, herrscht vor­nehm­lich ei­nes: Ru­he. Der A4 ist hör- und mess­bar ein sehr lei­ses Au­to. We­der Ab­roll- noch stö­ren­de Wind­ge­räu­sche ge­lan­gen dank der wir­kungs­vol­len Däm­mung in un­ge­bühr­li­cher Ma­nier in den In­nen­raum. Den et­was bes­se­ren Fe­de­rungs­kom­fort bie­tet der­weil der VW Pas­sat, der den Ver­gleichs­test – wie auch der A4 – mit ad­ap­ti­ven Dämp­fern be­strei­tet. Der Test­wa­gen aus In­gol­stadt kom­bi­niert die­se al­ler­dings mit ei­nem straf­fer aus­ge­leg­ten Sport­fahr­werk, dass die Fahr­gäs­te de­tail­lier­ter über den Fahr­bahn­zu­stand in­for­miert. Gleich­wohl schluckt der Au­di mitt­le­re bis grö­be­re As­phalt­schä­den recht mü­he­los. Die Vor­tei­le des VW sind das sanf­te­re An­fe- dern und die bes­se­re Ver­ar­bei­tung von kurz auf­ein­an­der­fol­gen­den An­re­gun­gen.

Mo­tor / Ge­trie­be

Wie ein­gangs er­wähnt, ge­hen die bei­den Wett­strei­ter mit dem je­weils stärks­ten ver­füg­ba­ren Selbst­zün­der an den Start. Im Fall des Au­di ist dies ein an­tritts­star­ker V6-Tur­bo­die­sel mit 272 PS. Der VW setzt sei­ner­seits auf ei­nen dop­pelt auf­ge­la­de­nen Vier­zy­lin­der mit 240 PS. Der Leis­tungs­un­ter­schied fällt in der Pra­xis we­ni­ger ins Ge­wicht, als es der rei­ne Zah­len­wert ver­mu­ten lässt. Mit bei­den Kom­bis ist man im All­tag mehr als nur aus­rei­chend flott un­ter­wegs. Wäh­rend der Pas­sat für die Be­schleu­ni-

gung von null auf 100 km/ h 6,3 Se­kun­den be­nö­tigt, hech­tet der A4 in nur 5,6 Se­kun­den auf Land­stra­ßen­tem­po. Dass der In­gol­städ­ter die Werks­an­ga­be für den Stan­dard­sprint (5,4 Se­kun­den) knapp ver­fehlt, mag dar­an lie­gen, dass dem brand­neu­en Test­wa­gen nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter Ein­fahr­zeit ver­gönnt wa­ren. Mög­li­cher­wei­se hät­te et­was mehr Ein­fahr­zeit auch ei­nen bes­se­ren Ver­brauch mit sich ge­bracht. So liegt der VW mit durch­schnitt­lich 7,3 Li­tern vor dem Au­di, der 7,7 Li­ter Kraft­stoff kon­su­miert.

Fahr­dy­na­mik

Der Au­di A4 Avant ist klar das ak­ti­ve­re Au­to in die­sem Zwei­kampf. Er gibt sich deut­lich le­ben- di­ger und agi­ler als der Pas­sat, der beim Ein­len­ken be­hä­bi­ger wirkt und schnell auf­ein­an­der­fol­gen­den Rich­tungs­wech­seln nicht so auf­ge­schlos­sen ge­gen­über­steht wie der Avant. Ei­nen ho­hen An­teil an der aus­ge­präg­ten Kur­ven­wil­lig­keit trägt ne­ben der pa­ten­ten Fahr­werks­ab­stim­mung die auf­preis­pflich­ti­ge Dy­na­mik­len­kung des A4, die für 1000 Eu­ro in der Auf­preis­lis­te steht. Sie be­inhal­tet ei­ne va­ria­ble Len­küber­set­zung, die die Lenk­win­kel bei Be­darf merk­lich re­du­ziert. Ge­ra­de um die Mit­tel­la­ge her­um dürf­te das Sys­tem aber gern et­was mehr Feed­back lie­fern. Ab­ge­run­det wird die gu­te fahr­dy­na­mi­sche Vor­stel­lung des In­gol­städ­ters durch her­vor­ra­gen­de Ver­zö­ge­rungs-

wer­te. Die Brems­we­ge sind in kal­tem wie war­mem Be­triebs­zu­stand der Stop­per rund ei­nen Me­ter kür­zer als beim gleich­falls ve­he­ment ver­zö­gern­den VW. Über­haupt wird das The­ma Si­cher­heit bei bei­den Her­stel­lern groß­ge­schrie­ben. Selbst bei de­ak­ti­vier­ten Re­gel­sys­te­men blei­ben die zwei Kom­bis, auch dank All­rad­an­trieb, lamm­fromm.

Um­welt / Kos­ten

Kom­men wir zur gro­ßen Preis­fra­ge: Wel­cher die­ser Kom­bis ist das güns­ti­ge­re An­ge­bot? Nun, bil­lig ist frei­lich we­der der VW, erst recht aber der Au­di nicht. 44.975 be­zie­hungs­wei­se 51.950 Eu­ro Grund­preis sind viel Geld für ei­nen Die­sel-Mit­tel­klas­se-Kom­bi. Be­son­ders dann, wenn sich die­ser dank zahl­rei­cher in­ter­es­san­ter Ex­tras in schwin­del­er­re­gen­de Hö­hen trei­ben lässt. Im be­wer­te­ten Preis lie­gen zwi­schen den Ver­wand­ten im­mer­hin 8215 Eu­ro – zu Un­guns­ten des Au­di, der sich da­durch trotz al­ler Qua­li­tä­ten ei­nen un­auf­hol­ba­ren Punk­te­rück­stand auf den VW Pas­sat ein­fängt.

VW Pas­sat Va­ri­ant 2.0 TDI BMT 1 4Mo­ti­on 240 PS, All­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 6,3 s, 238 km/ h Spit­ze*, 7,3 l D/ 100 km,

44.975 Eu­ro * Werks­an­ga­be; 1 Blu­eMo­ti­on Tech­no­lo­gy

FO­TOS Tho­mas St­arck ]

Au­di A4 Avant 3.0 TDI quat­tro 272 PS, All­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 5,6 s, 250 km/ h Spit­ze*, 7,7 l D/ 100 km, 51.950 Eu­ro

* Werks­an­ga­be

Der Pas­sat bie­tet hin­ten ein un­er­reich­tes Platz­an­ge­bot. Eben­falls re­kord­ver­däch­tig: der rie­si­ge Kof­fer­raum. Er fasst 650 Li­ter – und bei um­ge­leg­ter Rück­bank ent­steht gar ein 1780 Li­ter gro­ßer Stau­raum

1090 mm

1000 mm

700 mm

2000 mm

Im Ver­gleich zum Vor­gän­ger ist das Platz­an­ge­bot im Au­di ge­wach­sen. Hin­ten sitzt man nun sehr ent­spannt. Der Kof­fer­raum fasst zwi­schen 505 und 1510 Li­ter Trans­port­gut. Die Rück­sitz­leh­ne ist stets drei­tei­lig

mA­trix-LED-Schein­wer­fer kos­ten bei Au­di

1900 Eu­ro Auf­preis

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