VW-De­bat­te

23/2015 | VW-Ab­gas­skan­dal

AUTO ZEITUNG - - LESERBRIEFE -

Egal, wie man zu all­dem ste­hen mag, aber in der An­ge­le­gen­heit ist nie­mand di­rekt zu Scha­den ge­kom­men. An­ders als in an­de­ren Fäl­len, wo es To­te und Ver­letz­te ge­ge­ben hat. Es scheint, als hät­ten vie­le nur auf die Ge­le­gen­heit ge­war­tet, den Mus­ter­schü­ler Deutsch­land ein­mal auf fri­scher Tat zu er­tap­pen. Nichts­des­to­trotz ist Fakt, dass VW be­tro­gen hat. Fakt ist auch: Die Po­li­tik in Deutsch­land hat wis­sent­lich weg­ge­se­hen. Da fragt man sich doch: Wo wa­ren die in­ves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­ten? Wo wa­ren die selbst­er­nann­ten In­ter­es­sen­ver­tre­ter der Au­to­fah­rer wie ADAC und an­de­re? Und wo wa­ren die Um­welt­ver­bän­de, die sonst kei­ne Ge­le­gen­heit aus­las­sen? Als au­to­be­geis­ter­ter Le­ser frem­del ich jetzt doch sehr mit der deut­schen Au­to­pres­se. Als Le­ser er­war­te ich kei­ne deutsch ge­färb­te Hof­be­richt­er­stat­tung, son­dern auch den für die deut­sche Au­to­in­dus­trie un­an­ge­neh­men Fin­ger in der Wun­de – be­son­ders an­ge­sichts der meist hor­ren­den Au­to­prei­se bei mick­ri­gen Ga­ran­tie­leis­tun­gen. Ist die­ser Skan­dal wo­mög­lich so­gar mit Vor­satz von al­len „ver­pennt“wor­den? Wer es hät­te wis­sen wol­len, hät­te es si­cher frü­her her­aus­fin­den kön­nen … Oli­ver Glöck­ner Hörs­tel

Der In­dia­ner sagt: Wenn du merkst, dass dein Pferd tot ist, dann steig ab. Der Die­sel – die­ser Irr­weg deut­scher Tech­nik – ist tot, auch wenn Sie ihn noch so schön­re­den. Der Die­sel ist wohl ein gu­ter Schiffs­mo­tor – weil auf ho­her See die Ab­ga­se nicht ge­mes­sen wer­den. Nun soll­te die­ser pe­ne­tran­te Druck, dem Au­to­fah­rer ei­nen Die­sel an­zu­dre­hen, in­dem man zum Bei­spiel neue Au­tos vor­zugs­wei­se mit Die­sel­mo­to­ren tes­tet, end­lich vor­bei sein. Die CO2-Bi­lanz ist ein po­li­ti­sches, der NOx-Aus­stoß ein ge­sund­heit­li­ches Pro­blem. Ich fra­ge mich: Was zahlt die Au­to­in­dus­trie für die­se Lob­hu­de­lei auf den Die­sel? Und in­wie­weit ist die deut­sche Au­to-Pres­se mit­schul­dig am Die­sel-Be­schiss? Ich hof­fe auf gu­te Bes­se­rung! Pe­ter Lie­ber­herr Zu­z­wil, Schweiz

Dass Ih­re ge­sam­te Re­dak­ti­on auf der Zu­wen­dungs­lis­te des VW-Kon­zerns steht, ist ja schon lan­ge an­zu­neh­men, wenn man die ge­schön­ten Tes­t­er­geb­nis­se von des­sen Fahr­zeu­gen sieht. Aber dass Sie nun auch noch ver­su­chen, die in­fa­men Be­trü­ge­rei­en die­ses Kon­zern her­un­ter­zu­spie­len und Ih­re Le­ser für doof zu ver­kau­fen, setzt al­lem die Kro­ne auf! Her­ry Klein Hen­nef

Ih­re Mei­nung hal­te ich für et­was ein­sei­tig. Es stimmt, die in den USA ge­sche­he­nen Rück­ru­fe und die da­mit ver­bun­de­nen To­ten sind we­sent­lich schlim­mer als der Ab­gas-Be­trug von VW. Al­ler­dings neh­men doch al­le Au­to­her­stel­ler den Mund sehr voll in ih­rer von uns zu er­tra­gen­den Wer­bung. Und so muss sich VW nicht wun­dern, dass die Be­richt­er­stat­tung hier­zu­lan­de manch­mal recht rau ist und man an der ei­ge­nen Wer­bung ge­mes­sen wird. Der mo­ne­tä­re Scha­den für den VW-Kon­zern ist groß, und was die Ar­beits­plät­ze an­geht, so steht noch nicht fest, ob al­le Ar­beit­neh­mer ih­re Stel­le be­hal­ten. Schlimm ge­nug für die Men­schen. Des­halb bin ich auch da­für, dass man VW und sei­nen Kon­zern­pro­duk­ten noch­mals ei­ne Chan­ce gibt. Da­für wä­re es al­ler­dings gut und wich­tig, dass Ar­ro­ganz und Groß­manns­sucht end­lich aus der Ge­schäfts­po­li­tik ver­schwin­den. Ich weiß, wo­von ich spre­che, da ich seit 27 Mo­na­ten ei­nen Au­di Q5 fah­re – und bei ei­ni­gen Au­diZen­tren die hoch­ge­hal­te­ne Na­se selbst ken­nen­ge­lernt ha­be. Das muss ver­schwin­den! Theo Neu­roth Pul­heim

Ihr Ar­ti­kel „Streich­kon­zert“ist gut re­cher­chiert. Al­ler­dings hät­te ich zwei klei­ne Kor­rek­tu­ren: Der VW Beet­le hät­te min­des­tens so viel Er­folg wie der Mi­ni und der Fi­at 500, gä­be es – wie beim Mi­ni – von ihm meh­re­re Ka­ros­se­rie­Va­ri­an­ten: zum Bei­spiel au­ßer dem Ca­brio

auch noch ei­ne vier­tü­ri­ge Li­mou­si­ne, ei­nen fünf­tü­ri­gen Kom­bi und ei­nen Mi­ni­bus. Zu­dem müss­te das Re­tro-De­sign mehr nach vorn ge­rich­tet sein – so wie es in An­sät­zen ak­tu­ell die „R-Li­ne“zeigt. Der Sci­roc­co wie­der­um müss­te ein viel schär­fer ge­zeich­ne­tes De­sign auf­wei­sen, dann wä­re hier viel­leicht noch et­was zu ret­ten. Der Sci­roc­co I war un­ver­wech­sel­bar … Ans­gar M.M. Stahl Ra­dolf­zell-Mög­gin­gen

Un­ge­ach­tet des­sen, was hier die Jungs bei VW ge­mau­schelt ha­ben – es ist der größ­te Be­trug in der au­to­mo­bi­len Ge­schich­te. Hier wur­de kein Bau­teil falsch kon­zi­piert oder ein Feh­ler ge­macht. Nein, hier wur­de vor­sätz­lich be­tro­gen mit viel kri­mi­nel­ler Ener­gie. Der VW-Kon­zern hat die Um­welt, die Mar­ke „Ma­de in Ger­ma­ny“, Staa­ten, die Kun­den und auch sei­ne Mit­be­wer­ber hin­ters Licht ge­führt. Dass jetzt die Kun­den noch die­se Pro­duk­te wie zu­vor kau­fen, ist ver­wun­der­lich. Aber wenn ich se­he, dass in Ih­rer Aus­ga­be 23 beim gro­ßen Kom­pakt­wa­gen­test die Plät­ze eins bis drei die­sem Be­trü­ger-Ver­ein ge­hö­ren, dann tra­gen Sie zur Er­ho­lung ja sicht­lich bei. Gra­tu­la­ti­on! Opel, Ford, Vol­vo und Co. wä­ren noch deut­lich schlim­mer zer­ris­sen wor­den. Aber Gott sei Dank zäh­len bei an­de­re Un­ter­neh­men doch noch ethi­sche Grund­prin­zi­pi­en und Ehr­lich­keit – und die kön­nen sich auch mit Platz zehn (Vol­vo) noch im Spie­gel be­schau­en. Für mich ist die Sa­che klar: Pfui, Volks­wa­gen, schämt Euch.“Micha-Ema­nu­el Hau­ser Pett­nau, Ös­ter­reich

Um die fi­nan­zi­el­len Fol­gen auf­zu­fan­gen, wird der VW-Kon­zern so man­ches Mo­dell strei­chen müs­sen

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